Spiele und Spielzeug

Natürlich haben auch die Kinder im Mittelalter gerne gespielt. Dabei stand ihnen jedoch nicht das Spielzeug zur Verfügung, mit dem Du heute spielst, denn damals gab es ja noch keine Spielzeugautos, Barbies oder große Spielzeugkaufhäuser. Aber welche Spiele und welches Spielzeug waren denn dann im Mittelalter bekannt?

Ebenso wie heute spielten die Mädchen oft mit Puppen, die auch „Docken“ genannt wurden. Sie wurden aus Ton in verschiedenen Größen hergestellt und waren meist einfach in ihrer Form. Dazu gab es bereits Puppenzubehör, wie z.B. Puppengeschirr aus Ton, Puppenmöbel und Puppenwagen. Es diente dazu, die Mädchen auf ihre zukünftige Rolle als Mutter und Hausfrau vorzubereiten, indem sie z.B. „Kochen“ spielten. Auch existierten bereits viele verschiedene Handpuppen, mit denen Puppenspiele und das Kasperletheater aufgeführt wurden, was Du bestimmt auch noch kennst.

Das häufigste Spielzeug der Jungen waren Ritter- und Reiterfiguren. Es gab sie in unterschiedlichen Variationen, z.B. einfache Figuren aus Ton ohne Verzierungen oder welche mit genauer Nachbildung der Ritterrüstung und des Pferdeschmucks. Söhne des Adels besaßen oft Ritter aus Bronze, Silber, Gold oder Blei. Dazu spielten die Jungen gerne mit Tierfiguren, meistens Pferdchen, aus Ton, Kupfer oder Holz.

Zum Spielzeug der Jungen gehörten auch Waffen und weiteres Kriegsspielzeug, mit dem sie das Waffenhandwerk der Väter spielerisch nachamten. Beliebt waren dabei Kriegsspiele (z.B. Armbrust- oder Pfeil und Bogen schießen), „Reiterkämpfe“, die auf Schultern von Spielkameraden ausgetragen wurden und besonders das „Tischritterspiel“: Dabei bedienten zwei Jungen je einen Ritter und ließen diese an einem beweglichen Faden hängenden Figuren mit einem Schwert gegeneinander kämpfen.

Sehr weit verbreitet war, neben dem Schaukelpferd, auch das hölzerne Steckenpferd, welches aus einem Pferdekopf auf einem Stab bestand. Es stellte für die Kinder das Fortbewegungsmittel der Ritter dar und wurde daher für Reiterkämpfe benutzt. Dafür wichtig war auch das Windrädchen, welches aus einem hölzernen Stock bestand, an dessen Spitze zwei Fahnen befestigt waren. Mit dem Steckenpferd als Ross und dem Windrädchen als Lanze konnte man nun Ritter- und Turnierspiele nachahmen.

Im Mittelalter bekannter als heute waren auch das Spiel mit einem Kreisel oder einem Reif. Sie mussten mit der Hand oder Peitsche geschlagen werden, damit sie sich drehten ohne umzufallen, bzw. vorwärts rollten. Um sie zu bedienen, war also viel Geschicklichkeit nötig!

Sicherlich hast Du auch schon einmal mit Murmeln gespielt. Das Spiel mit diesen Kügelchen aus Ton oder Glas war im Sommer alltäglich auf Straßen und Plätzen zu sehen. Auch Musikinstrumente, wie Pfeifen, Handtrommeln und Zimbeln waren den Kindern im Mittelalter bekannte Gegenstände.

Natürlich hat es im Mittelalter auch schon den Ball gegeben. Ballspiele, wie Federball oder Schlagball waren beliebt und nicht nur den Jungen vorbehalten. Häufig gespielt wurden außerdem Fangspiele (z.B. „Schaf und Wolf“, „Geier“, „Schelm“), Ringelspiele, sowie Tanz- und Versteckspiele. Auch Rätselraten, Märchen erzählen, Springseil springen, Steine ins Wasser werfen, Schaukeln, Stelzen, Schiffchen zum Schwimmen bauen und Seifenblasen machen waren damals den Kindern schon bekannt und ein beliebter Zeitvertreib. Ältere Kinder bevorzugten dagegen eher Karten-, Würfel- und Brettspiele mit Spielsteinen, wie z.B. Schachspielen.

Wie Du auch unten auf den Bildern siehst, hatten auch schon die Kinder im Mittelalter jede Menge Spielzeug zur Verfügung und spielten viele verschiedene Spiele. Damals gab es aber noch keine Spielplätze wie Du sie heute kennst, so dass die Kinder überall, in Haus und Hof, auf Straßen und Plätzen, spielten.

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