Haushalt

Haushalt

Hausarbeit,

Nahrung,

Wohnungseinrichtung





Haushalt

Die Hausarbeit war mit einer umfassenden Organisation verbunden, mit der sie normalerweise schon völlig ausgefüllt war. Die Frauen von Handwerksmeistern mussten zusätzlich im Betrieb ihres Mannes mitarbeiten, abgesehen von den vielen Arbeiterinnen, die neben Fabrik- und Heimarbeit auch noch die Rolle von Mutter und Hausfrau zu übernehmen hatten.

Auf die Anlage von Vorräten, soweit das Geld dazu reichte, und auf die Kontrolle der Bestände wurde viel Mühe verwandt, da es der Familie ein kleines Stück Sicherheit und Autarkie vermittelte. Die ärmeren Arbeiterinnen hatten allerdings gar keinen Platz für Vorratsräume in ihren kleinen Wohnungen. Die Vorratswirtschaft nahm jedoch schon mit dem Verlauf des 19. Jahrhunderts immer mehr ab, beeinflusst von der Weiterentwicklung des Warenverkehrs und der Technik.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war wohl das Ziel der meisten jungen Arbeiterinnen und Arbeiter eine Ehe mit eigenen Möbeln in einer eigenen Mietwohnung zu beginnen, was zumindest qualifizierten Erwerbstätigen möglich war. Es konnten zwar ab 1930 nur wenige privilegierte Arbeiterfamilien den August-Bebel-Hof mit Bädern, WCs, Zentralheizung und Warmwasserversorgung beziehen. Doch auch die Mehrheit lebte längst nicht mehr in engen Verhältnissen. So hatte zumeist jeder eine eigene Bettstelle und Raum für individualisierte Beziehungen.

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Hausarbeit

Heute so leicht zu erledigende Hausarbeiten wie Waschen und Putzen waren für die Hausfrauen zunächst Schwerstarbeit: Gewaschen wurde von Hand, bei gutsituierten Familien in einer Waschküche. Dies dauerte häufig mehrere Tage und war im Wochenplan der Frau fest verankert. Das bedeutete folgenden Arbeitsablauf: Die Wäsche wurde am Vorabend eingeweicht und am nächsten Morgen noch einmal in einer heißen Soda-Seifenlauge vorgewaschen. Anschließend wurde die Wäsche in einem Topf oder auch Waschkessel mindestens 20 Minuten gekocht. Beim Klarspülen wurde die Wäsche in einen Waschzuber gelegt und schichtweise mit heißem Wasser übergossen. Dies dauerte häufig mehrere Stunden, danach wurde sie noch mindestens einmal mit kaltem, klaren Wasser ausgespült.




Drei Helferinnen zwischen gesammelten Bettdecken.




Auch der Großputz im Haus konnte in einem größeren bürgerlichen Haushalt zwei Wochen dauern. Jeder Raum wurde unter Umständen wie folgt behandelt: Fegen, zweimal Schrubben, besonders hartnäckige Flecken mit Terpentin entfernen, Bohnerwachs mit einem speziellen Besen auftragen und mit einem Wolltuch einpolieren und schließlich noch einmal durchfegen.

Waren Dienstboten vorhanden, mussten sie diese schweren körperlichen Arbeiten verrichten, wohlhabende Frauen stellten extra Wasch- und Scheuerrauen ein, arme Frauen hatten weniger Räume zu säubern, erledigten diese Arbeiten aber durchweg selbst.

Zu den weiteren Aufgaben der Haufrau gehörten unter anderem den Herd zu heizen und zu kochen, einzukaufen und den Einkauf weiterzuverarbeiten (Einkochen, Trocknen, Dörren, geeignet Lagern). Wasser musste geholt und aufbereitet werden, solange es noch kein fließend Wasser gab. Der Abfall musste beseitigt, die Betten gemacht und das Nachtgeschirr geleert werden. Nebenbei mussten auch noch die Kinder erzogen werden, soweit sie nicht einfach auf die Straße zum Spielen geschickt wurden oder zur Schule gingen. Kranke wurden zuhause gepflegt. Mit dem vorhandenen Geld wurde sparsam gewirtschaftet.

Sobald das Alter der Kinder es zuließ, waren willkommene Einnahmequellen die Heim- und Saisonarbeit, als Putz- und Scheuerfrau. Aber auch Zeitungs-, Milch oder Backwarenausträgerin in den frühen Morgenstunden vor der restlichen Arbeit gaben Frauen die Möglichkeit, ein Zubrot zu verdienen. Die Hausarbeit abhängig vom Verdienst des Mannes, Anzahl und Alter der Kinder sowie Arbeits- und Wohnverhältnissen: Ein Reichtum an Kindern war schnell ein Reichtum an Elend. Zwar warf der eigene kleine Garten etwas zu Essen ab, im Hinterhof hielt man vielleicht Hühner und Kaninchen, und die erste kostengünstige Konsumfiliale eröffnete 1890 in der Güldenstraße, doch wenn das Wochengeld nicht bis zum nächsten Wochenlohn reichte, gab es unter Umständen nichts zu essen.

Mit der Entwicklung hin zu kleineren Haushalten im 20. Jahrhundert und der fortschreitenden Technik wurde die Haushaltsführung im „Jahrhundert der Erfindungen“ deutlich einfacher.

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Nahrung

Die Nahrungsvielfalt gab es gerade in ärmeren Familien kaum, bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kamen fast ausschließlich pflanzliche Speisen auf den Mittagstisch: Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Kohl, Steckrüben und Roggenbrot ergaben eine schwere, ballaststoffreiche und nur zu häufig geschmacklose Kost. An unerschwingliche Luxusgüter wie Fleisch, Eier, Wurst, Käse und Obst war in den meisten Familien nicht zu denken. Das im 19. Jahrhundert erst so recht kreierte „Kochbuch“ wie zum Beispiel Henriette Davidis' „Die Hausfrau Praktische Anleitung zur selbständigen und sparsamen Führung des Haushalts, eine Mitgabe für junge Frauen zur Förderung des häuslichen Wohlstandes und Familienglücks“ (Essen 1861) wären demnach in jenen Haushalten wohl fehl am Platze gewesen. Aufgrund von ebenfalls mangelndem Geld und Lagerraum blieb auch keine Möglichkeit für die sonst übliche Vorratshaltung und Vorratswirtschaft.

Schlechte Wohnbedingungen erschwerten die Arbeit im Haushalt zusätzlich: bis Ende des 19. Jahrhunderts musste in manchen Straßen das Trinkwasser noch aus Brunnen herangetragen werden, erst 1901 war das gesamte braunschweigische Stadtgebiet an die Wasserversorgung angeschlossen, 1922 bekam die Altstadt Stromversorgung.




Beim Kartoffelschäle

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Wohnungseinrichtung

Reichtum und Wohlstand beziehungsweise Dürftigkeit und Verelendung lassen sich gut an der Wohnungseinrichtung erkennen, für die die Frau zuständig war. Hierbei ist folgende Aussteuerliste besonders anschaulich, die dem Magistrat von einer Dienstmagd aus Schladen anlässlich ihrer anstehenden Hochzeit 1855 mit einem Tischlergesellen vorgelegt wurde:



Ein vollständig Bett nebst Bettwäsche

Ein Koffer nebst Wäsche und Kleidung

Eine Tonne mit Flachs

Ein Küchenschrank

Ein Glasschrank

Ein Tisch mit Wachstuch

Ein halbes Dutzend Stühle, neu

Drei alte Stühle

Einen Spinnstuhl

Einen Nähkasten, neu

Eine Wanduhr, neu

An Plättsachen

Ein Plättbrett

Ein Waschfass

Drei Eimer

Eine Pfanne

Eine Kaffeemühle

An Porzellan

Ein kupferner Kessel

Eine Wärmflasche von Zinn

Ein Haspel

Eine Fußbank

Ein Kaffeekessel

Ein Spiegel

36 RT

40 RT

5 RT

3 RT

4 RT

4 RT

9 RT

1 RT 16gGR

2 RT

3 RT

3 RT

3 RT

10 gGr

2 RT

18 gGr

18 gGr

8 gGr

3 RT

2 RT

2 RT

16 gGr

16 gGr

1 RT

16 gGr


Ein Handkläpper

Ein Dreckblech von Kupfer

Zwei Tragekörbe

Zwei Handkörbe

Ein Waschkorb

Ein Bört mit kupfernen Haken


2 RT

20 gGr

20 gGr

14 gGr

8 gGr

16 gGr




Daß vorstehende Sachen bei der Sophien Sperling vorhanden sind wird hiermit bescheinigt.

 Schladen, den 26. August 1855

    Ahrens, Baumeister“

(entspricht einem Sachwert von 126RT 90 gGr)

(aus: Domizilakten Stadtarchiv Braunschweig)