Interview mit Prof. Dr. Thomas Scharff

Thorsten Koester und Dennis Tappert

 

http://www.historisches-seminar-braunschweig.de/index.php?id=588

Herr Scharff, erläutern Sie uns bitte kurz Ihren beruflichen Werdegang von Ihrem Schulabschluss bis zur heutigen Station als Geschäftsführendem Leiter des Historischen Seminars an der TU Braunschweig!

Ich habe nach dem Abitur mit dem Studium begonnen und wusste nicht so recht, was ich eigentlich machen wollte. Geschichte sollte es werden und vielleicht auch irgendwas philologisches. Deshalb habe ich erst einmal angefangen, das zu ergänzen, was ich in der Schule nicht gemacht hatte: das Graecum und das Hebraicum. Das war an einer theologischen Hochschule in Oberursel bei Frankfurt. Von da bin ich an die Uni Münster gegangen und habe ein Semester Geschichte und evangelische Theologie auf Lehramt studiert. Ich bin dann in den Magisterstudiengang Geschichte gewechselt, habe nebenbei Ägyptologie studiert und ein bisschen Philosophie. Man konnte sich damals ja einschreiben wo und soviel man wollte, was ich ganz schön finde. 1992 wurde ich schließlich promoviert. Das ging in Münster ohne einen Abschluss zwischendurch machen zu müssen, was natürlich eine zeitliche Ersparnis darstellte. Ich hatte nun das Glück, dass Münster eines der großen Zentren, wenn nicht sogar das Zentrum für mittelalterliche Studien in Deutschland ist. So besteht dort für Absolventen leichter die Möglichkeit, eine Stelle zu bekommen. Dort habe ich kurze Zeit eine Mitarbeiterstelle im Sonderforschungsbereich gehabt und dann die Assistenz am Historischen Seminar erhalten. Auf die Art konnte ich mich auch habilitieren. Ich hatte noch für zweieinhalb Jahre eine Oberassistentenstelle und bin dann direkt nach Braunschweig gewechselt.

Wenn sie bereits vom Graecum und Hebraicum reden, wie viele Sprachen sprechen beziehungsweise beherrschen sie eigentlich?

Bei mir ist das Problem, dass ich mehr tote Sprachen als lebende kann. Da kann man nicht von sprechen reden. Für den Hausgebrauch tun es natürlich Englisch und Französisch ganz gut und mein Italienisch geht so. Das sind auch die Sprachen, die man, wie ich finde, als Mediävist lesen können muss. Diese Grundlagen würde ich jedem empfehlen, der da weiterkommen will. Was die alten Sprachen anbetrifft: wie gesagt, die sind natürlich alle tot und daher eher passiv. Bei mir sind das Latein, Griechisch, Hebräisch und Mittelägyptisch. Das sitzt allerdings nicht mehr so. Spaß gemacht hat es aber auf jeden Fall.

Sie sind derzeit geschäftsführender Leiter des Historischen Seminars. Können sie uns bitte etwas über die Rotation und das Amt an sich sagen?

Die geschäftsführende Leitung ist eigentlich ein Amt, um das sich keiner reißt. Jeder muss es mal machen, um den Laden hier am Laufen zu halten. Man ist dann derjenige, der offiziell das Seminar nach außen vertritt und an den die Schreiben gehen. Das ist, wie gesagt, nichts, worum man sich drängelt, es geschieht turnusmäßig alle zwei Jahre. Allerdings ist es für mich, der ich ja noch relativ neu hier bin, auch eine schöne Gelegenheit, mal die anderen Institute und das Dekanat kennen zu lernen. Insofern hat das auch etwas positives, neben der ganzen Arbeit, die man zusätzlich hat. Aber in einem kleinen Seminar bespricht man die Dinge sowieso untereinander. Man ist dann nicht der absolute Herrscher des Seminars, sondern derjenige, der koordinieren muss.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen einer Schulklasse gegenüber und wollen den Jugendlichen erklären, warum sie gerade in Braunschweig Geschichte studieren sollen. Was sagen Sie den Schülern?

Das habe ich durchaus schon gemacht. Zwar nicht vor einer Schulklasse, aber es gibt ja jeden Sommer eine Veranstaltung, bei der Schüler kommen können um sich über die Universität zu informieren. Ich habe dabei immer betont, dass wir ein kleines Seminar sind. Einerseits ist dies zwar ein gewisser Nachteil, da es fehlende Wahlmöglichkeiten mit sich bringt, auf der anderen Seite ist die Größe des Seminars aber auch eine Chance, da sie eine persönlichere Betreuung ermöglicht. Wir Dozenten kennen die Studierenden, zumindest vom Sehen. Eben aufgrund dieser persönlicheren Betreuung haben die Studenten auch einen besseren Zugang zu den Dozenten, so dass jemand, der darauf Wert legt, hier gut aufgehoben ist. Hinzu kommt, dass das Engagement der Studierenden, so z.B. in der Fachschaft, sehr groß ist. Ich habe daher den Eindruck, dass sich die Studierenden relativ stark mit dem Seminar identifizieren. Das Ganze bildet eine sehr schöne Atmosphäre. Hinzu kommt fachlich auch noch die klare kulturgeschichtliche Ausrichtung die wir haben, worin wir in der aktuellen Forschung recht weit vorne mit dabei sind. Allerdings empfehle ich immer, ganz gleich wo man studiert, mal den Studienplatz zu wechseln, um daneben andere Aspekte zu erfahren. Aber auch vor diesem Hintergrund denke ich, bekommt man in Braunschweig eine gute Basis geboten.

Welche Eigenschaften sollten diese Schüler besitzen, damit sie ein Geschichtsstudium erfolgreich beenden können?

Sie sollten vor allem neugierig sein. Das ist gerade für Historiker immer die allerwichtigste Voraussetzung. Neugier und Interesse an sehr vielen Dingen. Ich glaube, wenn man Historiker sein will, sollte man sich für sehr vieles interessieren und dann auch die Bereitschaft mitbringen, ein bisschen Arbeit über das hinaus zu investieren, was von einem verlangt wird. Man kann nicht einen Kanon abarbeiten. Den haben wir hier gar nicht und den wollen wir den Leuten auch gar nicht beibringen. Wir können eigentlich immer nur anregen und das Meiste muss der Studierende selber machen. Und das macht er nur, wenn er Interesse an der Sache hat. Deshalb ist es das Wichtigste, dass man neugierig ist.

In Kürze werden die ersten Studenten ihre Bachelorarbeiten bei Ihnen abgeben. Welche Erwartungen haben Sie an diese Arbeiten?

Ich bin vor allem selber erst einmal gespannt darauf, was mich da erwartet. Wir werden natürlich nicht komplett überrascht von diesen Arbeiten, da wir ja auch ein Kolloquium zur Erarbeitung für die Bachelor-Absolventen haben, in dem sie ihre Arbeiten auch schon mal vorgestellt haben. Was ich da bereits zu sehen und zu hören bekommen habe, was ich mit den Studierenden besprechen konnte, war schon sehr positiv. So bin ich guten Mutes, dass da schöne Arbeiten zustande kommen. Ich glaube das wichtigste wird sein, dass wir Dozenten uns klar machen, dass die Bachelorarbeiten etwas anderes sind als die alten Magister- oder Staatsexamensarbeiten, da die Studierenden noch nicht so lange dabei sind, und das wir unsere Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Ich glaube aber nicht, dass das ein großes Problem wird, denn wie gesagt, was ich bis jetzt gesehen und gehört habe war positiv.

Seit kurzem kann man sich für den Masterstudiengang "Kultur der technisch-wissenschaftlichen Welt" in Braunschweig bewerben. Konnten Sie sich dabei mit Ihren Vorstellungen durchsetzen bzw. wie wird der Studiengang aussehen?

Als der Masterstudiengang konzipiert wurde, war ich noch nicht hier und kann deshalb nur aus der Beobachterperspektive etwas dazu sagen. Ich finde das eine ausgesprochen interessante Geschichte, die da angegangen wird. Zum einen natürlich für die Verwurzelung der Geschichte und überhaupt der Geisteswissenschaften hier an der TU. Ich hoffe für den Studiengang, dass er angenommen wird. Nicht nur von Geisteswissenschaftlern, sondern auch wirklich von Leuten aus den Ingenieurswissenschaften, was ja beabsichtigt ist. Und dass wir dann wirklich Absolventen hervorbringen, die dann Qualifikationen haben, die man nicht überall bekommen kann. Das ganze aber auf einer Basis, und darauf werden wir sehr achten, eines wirklich klaren Profils, welches unser Seminar ja hat. Wer Geschichte als Schwerpunktfach wählt, der wird das bekommen, was wir auch anderen bisher gegeben haben.

Wie sieht es mit den sprachlichen Anforderungen für den Masterstudiengang aus?

Nach der Studienordnung sind es erst mal Englischkenntnisse, die verlangt werden. Bei der Wahl der Abschlussarbeit in einer der älteren Epochen, also der Mittelalterlichen oder der Alten Geschichte, verlangen wir auch Lateinkenntnisse.

Welche Anforderungen haben die Lehramtsmaster in diesem Bereich?

Die bleiben so, wie sie sind. Das Latinum wird in Geschichte weiter verlangt und ist Voraussetzung für die Meldung zum Master. Dies ist ja auch ein Punkt, auf den wir immer wieder hingewiesen haben und weiter hinweisen müssen. Damit nicht Leute den Bachelor machen und erst bei der Bewerbung zum Master merken, dass sie das Latinum brauchen.

Was fasziniert Sie gerade an der Geschichte des Mittelalters so, dass Sie sie zum Hauptfach gewählt haben?

Da gibt es mehrere Punkte. Während meines Studiums hat es mir am meisten Spaß gemacht mit mittelalterlichen Quellen zu arbeiten und ich habe beim Schreiben von Hausarbeiten gemerkt, dass mir die Arbeit mit solchen Quellen und Texten am Meisten liegt. Man hat nicht wie in der Alten Geschichte drei Quellen im Abstand von fünfhundert Jahren, ertrinkt aber auch nicht in seriellen Quellen wie das in der Neueren Geschichte der Fall ist, sondern kann sich intensiv mit den Texten befassen die man hat. Das hat mich vom Arbeitstechnischen her sehr gereizt. Der andere Punkt ist dann natürlich der, dass das Mittelalter eine gewisse Fremdheit hat, die ja immer wieder dadurch deutlich wird, dass die Mediävisten in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark ethnologische Ansätze aufgegriffen haben. Man kann also diese Kultur und Epoche als das "Andere", das "Ferne" und "Fremde" betrachten und das in seiner Interpretation für die eigene Gegenwart nutzbar machen. Das Mittelalter ist auf der anderen Seite aber eben doch wieder ganz "Nah", da viele Entwicklungen die in der Neuzeit da sind, im Hoch- und auch im Frühmittelalter beginnen und nicht erst in der Reformation. Unsere Kultur ist nun mal im Mittelalter verwurzelt und wir können sehr viele Entwicklungen daher begreifen. Aus meinem eigenen Studium ist auch ein Interesse hin zur Antike da, also wie funktionieren die Transformationsprozesse der Antike hin zum Mittelalter. Auch da wird in der jüngeren Geschichtswissenschaft immer stärker betont, dass nicht der große Bruch da war, sondern dass es da Kontinuitäten gibt - und sich damit auseinander zu setzen finde ich sehr spannend, das reizt mich.

Sie haben einen Zeitungsbericht über Folter im Mittelalter unter dem aktuellen Bezug der Vorkommnisse in Abu Ghraib geschrieben, können sie uns dazu etwas sagen?

Ich habe in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) einen Artikel geschrieben über Folter im Allgemeinen. Zu diesem Zeitpunkt war Abu Ghraib noch recht aktuell, allerdings war der Auslöser für die Anfrage der FAZ die Gerichtsverhandlung gegen den Stellvertretenden Frankfurter Polizeipräsidenten, der einem Verdächtigen Folter angedroht hatte um ein Geständnis zu erzwingen. Daraufhin ist ja die Debatte entstanden, ob man die Folter wieder sanktionieren solle oder nicht. Und da ist die Zeitung an mich herangetreten mit der Bitte über Folter allgemein etwas zu sagen. Dies hat daher einen ganz aktuellen Bezug, da man sehen kann, dass die Argumente die schon seit der Spätantike diskutiert wurden, auch heute noch diskutiert werden. Diese Argumente sind der Verstoß gegen die Menschenrechte als zentraler Aspekt. Außerdem ist die Folter unfunktional, da man nicht die Wahrheit erfährt, um die es auch nicht geht. Es geht im Prinzip darum Machtstrukturen zu demonstrieren und Menschen zu erniedrigen. Von daher habe ich diesen Artikel, der betont darstellend war, als Kritik an dieser Argumentation gesehen. Und wer heute noch für die Folter argumentiert, nimmt eine Position ein, die schon zigmal widerlegt wurde.

In diesem Semester beschäftigen Sie sich, wie in mehreren Aufsätzen und Ihrer ersten Monographie, mit den Ketzern und Häretikern des Mittelalters. Wie sind Sie auf dieses Themenfeld gestoßen?

Eigentlich mehr durch Zufall. Das war etwas, was mich bereits im Studium immer interessiert hat. Es hing aber eigentlich mit einem Forschungsprojekt zusammen in dem ich in Münster beschäftigt gewesen bin. Da ging es um den Verschriftlichungsprozess im hohen Mittelalter. Wir stellten uns die Frage, wann Schrift in neuen Kontexten und in pragmatischen Zusammenhängen im Mittelalter benutzt wurde. In unserem Teilprojekt haben wir das anhand der italienischen Kommunen des Hochmittelalters untersucht. Konkret an den Stadtrechten und den städtischen Statuten, unter der Frage, wie Schrift immer mehr gebraucht wurde um das Zusammenleben zu regeln. Wir konnten dort anhand der großen Menge von Quellen, die in den Archiven liegen, sehen und zeigen, dass bereits damals die Bürokratie sehr ausgeprägt war. Dabei habe ich mich mit der Ketzergesetzgebung beschäftigt. Aus eigenem Interesse und aus einem bestimmten Anstoß heraus. Ich habe dann in dem Zusammenhang meine Dissertation über die Übernahme von päpstlichen Ketzergesetzen in städtische Statuten geschrieben. Dieses Thema stellte den Zusammenhang zwischen Schrift und Häresie, und vor allem auch zwischen Schrift und Repression, her. Also auch die Frage, wie weit eigentlich die Inquisitoren die schriftlichen Aufzeichnungen nutzten, um ihre Arbeit effektiver zu gestalten. Das hat mich besonders gereizt und war somit der Ausgangspunkt. Der hat dann allerdings auch zu ganz anderen Fragen geführt. Man kann an diesem Thema sehr viele unterschiedliche Ansätze ausprobieren und ich sehe im Augenblick, dass das für die Lehre ein sehr gutes Thema ist, weil man an wenige historischen Themen mit so viel Vorwissen, ja so vielen Vorurteilen herangeht, was einen dann in methodischer Hinsicht sehr fordert.

Wie vereinbaren Sie Ihre Lehr- und Forschungstätigkeiten miteinander? Gibt es Punkte an denen die Kombination hilfreich/störend ist?

Grundsätzlich halte ich die Verknüpfung für eine positive Sache, auch für Studierende. Einen Dozenten vor sich zu haben, der nicht nur über etwas lehrt weil er Mediävist ist, sondern der auch in der Forschung bei diesem Thema richtig dabei ist, liefert auch interessantere Zugriffe und Fragen. Für mich ist es auch sehr gut, weil man viele eigene Ideen einfach mal durchspielen und vortragen kann und so sieht ob diese haltbar sind. Vor allem aber weil man die Dinge einmal zusammenhängend darstellen muss, die einem irgendwie klar sind, aber vielleicht so klar, dass man sie nie hinterfragt. Und wenn man dann, wie ich in diesem Semester, eine Vorlesung halten muss über Häresie im Mittelalter, dann kommt man bei verschiedenen Themen an Punkte, die dann doch nicht so klar sind, wie man selber gedacht hat. Dabei kommen dann auch Fragen und Anregungen aus dem Plenum, auf die man selber vielleicht gar nicht gekommen wäre, gerade weil sie mit geringerem Vorwissen gestellt werden. Das beugt der Betriebsblindheit vor, in die man hin und wieder verfällt. Wenn es einen Nachteil gibt, dann den, dass man manchmal eben doch betriebsblind ist und Schwierigkeiten hat, Wissen bei den Studierenden nicht vorauszusetzen.

Inwieweit fällt es Ihnen leicht von Braunschweig aus an die für Ihre Arbeit benötigten Quellen zu kommen? Oder sind diese vielleicht sogar teilweise hier vorhanden? Welche Möglichkeiten bietet die Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel?

Wenn man sich mit italienischer und südfranzösischer Inquisition beschäftigt, liegen die Quellen hier kaum vor Ort. Allerdings würde ich die Quellensituation, wie sie hier ist, eher positiv bewerten. Besonders zu regionalen Themen. Die Überlieferung zum Mittelalter hier in Braunschweig ist nun einmal großartig. Ob man hier ins Stadtarchiv geht, nach Wolfenbüttel ins Staatsarchiv oder auch in die Herzog-August Bibliothek. Dort liegen Schätze, die zum großen Teil noch ungehoben sind und mit denen man sich beschäftigen kann. Das wird auch etwas sein, was mich in nächster Zeit mehr in Anspruch nehmen wird und worauf ich meine Forschung auch stärker richten möchte. Insofern ist die Quellenlage für die Themen, die ich bisher bearbeitet habe, nicht ganz so günstig. Aber man kann, wenn man möchte, natürlich sehr viel machen. Die Bibliotheken hier an sich sind natürlich ganz toll. Ich wohne ja selbst in Wolfenbüttel, und da ist es schon klasse, wenn man die Herzog-August-Bibliothek sozusagen als Hausbibliothek hat. Diese nutze ich dann sehr viel.

Wie gelangen sie denn an die italienischen und südfranzösischen Quellen?

Die Archivalien sind relativ stark verstreut. Im vatikanischen Archiv zum Beispiel liegt einiges. Allerdings auch in verschiedenen kommunalen Archiven in Italien. Das ist teilweise sehr verstreut, wenn man mit nicht-edierten Quellen arbeiten muss. Es gibt in letzter Zeit allerdings, gerade in Italien, sehr viele Editionsunternehmungen. Man hat natürlich auch mal Fragestellungen, die man klären kann, wenn man die Sachen nicht im Original gesehen hat. Das macht die Sache dann leichter. Wenn dies aber nicht der Fall sein sollte, muss man halt Mikrofilme bestellen.

Wie bestellen sie diese Quellen denn? Hat zum Beispiel der Vatikan einen OPAC?

Sie können verfilmen und sich dann den Mikrofilm schicken lassen. Das ist eine Möglichkeit. Viele Quellen gibt es ja schon verfilmt. Das Inquisitionsmaterial als Beispiel sind Dinge, die schon seit langem bekannt sind und mit denen sich schon viele beschäftigt haben. Da sind nicht mehr ganz so viele Funde zu machen. Aber es gibt ein paar ganz schöne Quellen, die noch nicht ediert sind.

Wie stoßen Sie auf ein neues Themengebiet? Wie nähern Sie sich diesem und wie sieht Ihre Vorbereitung aus? Gibt es spezielle Tipps und Tricks, die Sie den Studenten weitergeben können?

Das ist natürlich eine außergewöhnlich schwierige Frage. Man stößt manchmal wirklich mit der Nase darauf, ohne das man es gemerkt hat. Vieles hängt mit dem zusammen, was man bisher gemacht hat. Da ergibt sich teilweise das eine aus dem anderen. Wir haben jetzt viel über Inquisition geredet, aber ich habe mich in meiner Habilitationsschrift mit Krieg und dessen Darstellung in der Karolingerzeit beschäftigt. Wenn man das eine Weile macht, dann kommen daraus viele Fragen hervor, die sich auch für das spätere Mittelalter stellen und ebenfalls noch bearbeitet werden können. Die ganz neuen Themen allerdings sind manchmal einfach da. Ich setze mich nicht hin und überlege mir, was man mal machen könnte, sondern eine Anregung kann einfach Lektüre, auch oder gerade Quellenlektüre, sein. Wenn sie wirklich eine Empfehlung für Studierende haben wollen, dann wäre diese, sich hinzusetzen und zu lesen. Das ist das Beste, was man machen kann. Es gibt so viele Quellen die gut übersetzt sind, da kann man einfach mal durchschmökern und sich Anregungen holen. Je mehr man das macht, desto mehr Fragen entwickeln sich. Wenn man sich also auf der Grundlage eines Seminars, das man gemacht hat, hinsetzt und einfach die Quellenüberlieferungen vornimmt, dann entwickeln sich die Themen fast von ganz alleine.

Welches sind Ihre nächsten Projekte? Können Sie uns darüber schon etwas verraten?

Das nächste, was ich jetzt unbedingt fertig machen möchte, ist ein Buch zur mittelalterlichen Inquisition. Ich habe da einiges publiziert, was ich mal zusammenfassen möchte. Das habe ich bereits konzipiert und mir fehlt im Moment nur die Zeit um es zu schreiben. Ich hoffe, dass ich diese demnächst habe. Ansonsten plane ich an größeren Sachen vor allem auch eine Beschäftigung mit Themen, die hier vor Ort liegen. Braunschweig reizt mich schon ziemlich und es gibt bereits Überlegungen, die allerdings noch ganz am Anfang sind. Wie gesagt, das ist ein Feld, das mich sehr anzieht.