Schutz- und Trutzbündnisse

Es gelang Preußen noch vor Abschluss des Prager Friedens, welcher am 23. August 1866 den Krieg zwischen Preußen und Österreich beendete, mit den Herrschern Bayerns, Württembergs und Badens Geheimverträge abzuschließen. Sie sollten sowohl einer Machterweiterung Frankreichs wie auch Österreichs in Süddeutschland entgegenwirken. Die einzelnen Verträge waren identisch. Veröffentlicht wurden die Verträge auf Wunsch Bayerns im April 1867 während der Luxemburgkrise.

 

 

Vertrag zwischen Preußen und Bayern vom 22. August 1866

 

Seine Majestät der König von Preußen und Seine Majestät der König von Bayern, beseelt von dem Wunsche, das künftige Verhältnis der Souveräne und Ihrer Staaten möglichst innig zu gestalten, haben zur Bekräftigung des zwischen Ihnen abgeschlossenen Friedens-Vertrages vom 22. August 1866 beschlossen, weitere Verhandlungen zu pflegen, und haben mit diesen beauftragt, und zwar: Seine Majestät der König von Preußen den etc. Grafen v. Bismarck-Schönhausen und den etc. Herrn v. Savigny; Seine Majestät der König von Bayern den u.s.w. Freiherrn v. d. Pfordten und den u.s.w. Grafen Bray-Steinburg; dieselben haben ihre Vollmachten ausgetauscht und haben sich, nachdem diese in guter Ordnung befunden worden waren, über nachfolgende Vertragsbestimmungen geeinigt:

Art. 1. Zwischen seiner Majestät dem Könige von Preußen und Seiner Majestät dem Könige von Bayern wird hiermit ein Schutz- und Trutzbündnis geschlossen. Es garantieren sich die hohen Kontrahenten gegenseitig die Integrität des Gebietes ihrer bezüglichen Länder und verpflichten sich, im Falle eines Krieges ihre volle Kriegsmacht zu diesem Zwecke einander zur Verfügung zu stellen.

Art. 2. Seine Majestät der König von Bayern überträgt für diesen Fall den Oberbefehl über seine Truppen Sr. Majestät dem Könige von Preußen.

Art. 3. Die hohen Kontrahenten verpflichten sich, diesen Vertrag vorerst geheim zu halten.

Art. 4. Die Ratifikation des vorstehenden Vertrages erfolgt gleichzeitig mit der Ratifikation des unter dem heutigen Tag abgeschlossenen Friedensvertrages, also bis spätestens zum 3. k. Mts.

Zu Urkund dessen haben die Eingangs genannten Bevollmächtigten diesen Vertrag in doppelter Ausfertigung am heutigen Tage mit ihrer Namensunterschrift und mit ihrem Siegel versehen.

So geschehen, 22. August 1866.

 

 

Quellenangabe:

Text nach Ludwig Hahn: Der Krieg Deutschlands gegen Frankreich und die Gründung des Deutschen Kaiser-reichs. Die Deutsche Politik 1867 bis 1871, Berlin 1871, Seite XIV f. In: Hohlfeld, Johannes (Hrsg.): Doku-mente der deutschen Politik und Geschichte von 1848 bis zur Gegenwart. Bd. 1 - Die Reichsgründung und das Zeitalter Bismarcks 1848 - 1890. Berlin 1952. Dok.-Nr. 50, S. 172.