Alexander der Große und das Buch Daniel

Wie im ersten Buch der Makkabäer, so wird auch im Buch Daniel von Alexander dem Großen in Verbindung mit Antiochos IV. und der Entweihung des Tempels berichtet. Es erzählt vom Propheten Daniel. Dieser wird zusammen mit anderen Juden als junger Mann von Nebukadnezar in die babylonische Gefangenschaft verschleppt. Der historische Nebukadnezar herrschte von 604 bis 562 v. Chr. in Babylon. Weil Jerusalem sich weigerte, Tribute an ihn zu zahlen, wurde es 597 und 587 von ihm erobert, wobei Teile der Bevölkerung verschleppt wurden.
In Babylon wird Daniel zum Dienste am Hofe ausgebildet. Er besitzt die Fähigkeit, Träume und Zeichen zu deuten. Für diese Fähigkeiten wird er von den babylonischen und persischen Herrschern mit hohen Ämtern geehrt.
Bekannt ist die Erzählung über das Gastmahl Belsazars (Kap. 5). Dieser wird im Buch Daniel als Sohn Nebukadnezars bezeichnet. Er war jedoch in Wahrheit der Sohn des Usurpators Nabonid. Dieser hatte 555 v. Chr. die Herrschaft im babylonischen Reich an sich gebracht. 551 setzte er Belsazar als Regenten in Babylon ein, bevor er sich ab 549 für zehn Jahre in die nordarabische Oase Teima zurückzog.
Die Bibel berichtet, wie Belsazar ein Festmahl veranstaltet. Dabei werden auch die geraubten Gefäße aus dem Jerusalemer Tempel präsentiert. Plötzlich erscheint eine Hand aus dem Nichts und schreibt in geheimnisvollen Schriftzeichen auf die getünchte Wand: Das sprichwörtlich gewordene Mene mene tekel u-parsin. Daniel ist der Einzige, der dieses Zeichen deuten kann: Der König wird sein Reich an die Meder und Perser verlieren.
Wie Daniel prophezeit, so geschieht es: Belsazar wird getötet und der Meder Darius übernimmt die Herrschaft. Mit diesem hängt die zweite berühmte Erzählung über Daniel zusammen. Weil dieser an der Verehrung seines Gottes festhält wird er vom König in die Löwengrabe geworfen. Doch weil ihn sein Gott beschützt, rühren ihn die Löwen nicht an und er wird am nächsten Morgen wieder befreit (Kap. 6).
Tatsächlich wurde die Herrschaft Nabonids 539 v. Chr. vom Perserkönig Kyros II. (559-530), der auch im Buch Daniel erwähnt wird, gestürzt. Den verschleppten Juden erlaubte er in ihre Heimat zurückzukehren – wovon aber nicht alle Gebrauch machten. So bleibt ja auch Daniel in der biblischen Erzählung weiter in Babylon. Dieses wurde nun Teil des persischen Großreiches bis Alexander der Große es 331 v. Chr. einnahm.
Die bisher geschilderten Erzählungen sind Bestandteil des aramäischen Teiles des Buches Daniel (Kap. 2,4b – 7,28). Die Passagen des Buches, die sich auf Alexander den Großen beziehen, finden sich sowohl in diesem als auch im neueren, hebräischen Teil (Kap. 1 – 2,4a und 8 – 12). Der genaue Ablauf der Entstehung des Buches Daniel ist immer noch umstritten. Es spricht aber einiges dafür, dass die aramäischen Kapitel 2 bis 6 deutlich älter sind als der Rest des Buches. Dieser Kern, der vermutlich schon unter der persischen Herrschaft entstanden ist, wurde nach der Eroberung des Perserreiches durch Alexander den Großen um das aramäische Kapitel 7 und Ergänzungen zu Kapitel 2 erweitert. Schließlich wurden diese Teile im Verlauf des Makkabäeraufstandes um die hebräischen Passagen ergänzt. Die Kapitel 2 und 7 wurden erneut überarbeitet. Die Entweihung des Jerusalemer Tempels durch Antiochos IV. 167 und seine erneute Weihung 165 v. Chr. werden in Kapitel 12 ausdrücklich erwähnt.
Wichtig für die Frage der Rezeption des Makedonenkönigs sind die Träume und Visionen, die im Buch Daniel geschildert werden. In diesen wird die Abfolge verschiedener Weltreiche in allegorischer Form dargestellt. Im Zusammenhang damit spiegeln sich Alexanders Sieg über den Perserkönig Darius III., sein Tod und die Aufteilung des Reiches unter seine Nachfolger, die Diadochen, wider.

Der Traum des Nebukadnezar:

Als Daniel am Hofe Nebukadnezars dient, hat dieser einen Traum:

 

[Daniel:] Du, König, hattest einen Traum, und siehe, ein großes und hohes und hell glänzendes Bild stand vor dir, das war schrecklich anzusehen. Das Haupt dieses Bildes war von feinem Gold, seine Brust und seine Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Kupfer, seine Schenkel waren von Eisen, seine Füße waren teils von Eisen und teils von Ton. Das sahst du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden; der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren und zermalmten sie. Da waren miteinander zermalmt Eisen, ton, Kupfer, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der wind verwehte sie, dass man sie nirgends mehr finden konnte.

(Daniel 2,31 - 35)

Die verschiedenen Bestandteile des Standbildes deutet Daniel als verschiedene Weltreiche:

Du König, bist ein König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat und dem er alle Länder, in denen Leute wohnen, und dazu die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel in die Hände gegeben und dem er über alles Gewalt verliehen hat. Du bist das goldene Haupt.
Nach dir wird ein anderes Königreich aufkommen, geringer als deines, danach das dritte Königreich, das aus Kupfer ist und über alle Länder herrschen wird. Und das vierte wird hart sein wie Eisen; denn wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, ja, wie Eisen alles zerbricht, so wird es auch alles zermalmen und zerbrechen. Dass du aber die Füße und Zehen teils von Ton und teils von Eisen gesehen hast, bedeutet: Das wird ein zerteiltes Königreich sein; doch wird etwas von des Eisens Härte darin bleiben, wie du ja gesehen hast Eisen mit Ton vermengt. Und das die Zehen an seinen Füßen teils von Eisen teils von Ton sind, bedeutet: Zum Teil wird’s ein starkes und zum Teil ein schwaches Reich sein. Und dass du gesehen hast Eisen mit Ton vermengt, bedeutet: Sie werden sich zwar durch Heiraten miteinander vermischen, aber sie werden doch nicht aneinander festhalten, so wie sich Eisen mit Ton nicht vermengt.
Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben, wie du ja gesehen hast, dass ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden vom Berg herunterkam, der Eisen, Kupfer, Ton, Silber und Gold zermalmte.

(Daniel 2,37 - 45)

 

Die Gliederung der Zeit in verschiedene Zeitalter, die mit verschiedenen Metallen beschrieben werden, findet sich schon im Werke und Tage des Griechen Hesiod (um 700 v. Chr.). Welche Reiche mit den verschiedenen Metallen im Traum des Nebukadnezar zu identifizieren sind, ist unklar. In der jüdischen Geschichtsschreibung des ersten Jahrhunderts n. Chr. (Flavius Josephus) und dem frühen Christentum wurde angenommen, dass der kupferne Bauch und die kupfernen Lenden das Reich Alexanders des Großen symbolisieren. Diese Sicht gründete jedoch auf dem Glauben, das Buch Daniel stamme tatsächlich aus der Zeit der babylonischen Gefangenschaft und die geschilderten Träume und Visionen seien von Gott gesandt. Daher war man auch der Meinung, mit dem vierten Reich, dem Eisernen, sei Rom gemeint.
Wenn man jedoch die Entstehungszeit der Schilderung im dritten Jahrhundert v. Chr. ansetzt, ist es unwahrscheinlich, dass mit dem vierten Reich das römische Imperium gemeint ist: Roms Einfluss auf die östliche Mittelmeerwelt war in dieser Zeit noch zu gering, um solche literarische Spuren zu hinterlassen – erst mit Beginn des 2. Makedonischen Krieges (200 – 197 v. Chr.) begann das direkte römische Engagement in den Diadochenreichen.
Betrachtet man die innere Logik des Buches Daniel, so ist es wahrscheinlicher, dass mit dem vierten Reich nicht das römische Imperium, sondern das Reich Alexanders des Großen gemeint ist. Es werden die babylonischen Könige Nebukadnezar und Belsazar genannt. Daraufhin folgt der apokryphe Meder Darius, der wiederum vom Perser Kyros abgelöst wird. Übertragen auf die Metalle des Traumes bedeutet dies: Gold ist das babylonische Reich, Silber die Herrschaft des Meders und Kupfer das Perserreich. Dann bliebe für das Reich Alexanders nur noch das vierte Reich übrig. Dies deckt sich auch mit der Behauptung, das vierte Reich sei ein zerteiltes Königreich. Das Reich des Makedonen war ja tatsächlich nach seinem Tod in die Teilreiche der Diadochen zerfallen.
Diesen Weltreichen stellt das Buch Daniel ein Reich Gottes gegenüber, welches die anderen Reiche vernichten und ewig währen wird.

 

Daniels Vision von den vier Tieren:

Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, hatte Daniel einen Traum und Gesichte auf seinem Bett; und er schrieb den Traum auf und dies ist sein Inhalt:
Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel wühlten das große Meer auf. Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, ein jedes anders als das andere. Das erste war wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah, wie ihm die Flügel genommen wurden. Und es wurde von der Erde aufgehoben und auf zwei Füße gestellt wie ein Mensch, und es wurde ihm ein menschliches Herz gegeben. Und siehe, ein anderes Tier, das zweite, war gleich einem Bären und war auf der einen Seite aufgerichtet und hatte in seinem Maul zwischen seinen Zähnen drei Rippen. Und man sprach zu ihm: Steh auf und friss viel Fleisch! Danach sah ich, und siehe, ein anderes Tier gleich einem Panther, das hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken und das Tier hatte vier Köpfe, und ihm wurde große Macht gegeben.
Danach sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, ein viertes Tier war furchtbar und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und was übrig blieb, zertrat es mit seinen Füßen. Es war auch ganz anders, als die vorigen Tiere und hatte zehn Hörner. Als ich aber auf die Hörner Acht gab, siehe, da brach ein anderes kleines Horn zwischen ihnen hervor, vor dem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden. Und siehe, das Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul; das redete große Dinge. […]
Ich merkte auf um der Reden willen, die das Horn redete, und ich sah, wie das Tier getötet wurde und sein Leib umkam und ins Feuer geworfen wurde. Und mit der Macht der anderen Tiere war es auch aus; denn es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lang ein jedes leben sollte.
Ich sah in diesem Gesichte in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn …

(Daniel 7,1-13)

Dieses Bild wird Daniel von einer Gestalt in seinem Traum erklärt:

 

Diese vier großen Tiere sind vier Königreiche, die auf Erden kommen werden. […]
Das vierte Tier wird das vierte Königreich auf Erden sein; das wird ganz anders sein als alle andern Königreiche; es wird alle Länder fressen, zertreten und zermalmen. Die zehn Hörner bedeuten zehn Könige, die aus diesem Königreich hervorgehen werden. Nach ihnen aber wird ein anderer aufkommen, der wird ganz anders sein als die vorigen und wird drei Könige stürzen. Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten vernichten und wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetz zu ändern. Sie werden in seine Hand gegeben werden eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit. Danach wird das Gericht gehalten werden; dann wird ihm seine Macht genommen und ganz und gar vernichtet werden. Aber das Reich und die Macht und die Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden, dessen Reich ewig ist, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen.

(Daniel 7,17; 23-27)

Im Gegensatz zum Traum des Nebukadnezar stammt diese Vision aus der Zeit des Makkabäeraufstandes. Auch hier findet sich die Abfolge von vier Königreichen, deren letztes das Reich Alexanders ist. Es wird durch das schrecklichste der Tiere symbolisiert, das alles um sich vernichtet. Aus diesem geht Antiochos IV. Epiphanes (das kleine Horn) hervor, gegen den sich die Makkabäer erhoben haben.
Es ist vermutet worden, dass die Beschreibung des vierten Tieres an einen Kriegselefant als Symbol hellenistischer Kriegsführung anknüpft. Möglich ist aber auch, dass die Darstellung mit Absicht so unbestimmt und offen ist: Die Offenheit der Darstellung hebt es deutlich von den anderen Tieren ab. Auch regt sie die Fantasie des Lesers an und unterstreicht seine Schrecklichkeit.

Münze des Ptolemaios I. Soter, eines ehemaligen Generals Alexanders und als dessen Nachfolger Herrscher in Ägypten. Die Tetradrachme aus dem 3. Jahrhundert zeigt Alexander den Großen mit einem Helm in Form eines Elefantenkopfes.
(Bild VRoma)

Der Gegensatz zwischen den Reichen der menschlichen Könige und dem Reich Gottes wird weiter ausgemalt: Die Reiche der Könige werden durch Tiere symbolisiert, die aus dem Meer als Domäne des Ungöttlichen, Chaotischen hinaufkommen. Das Reich Gottes dagegen wird durch den einen wie eines Menschen Sohn dargestellt, der aus dem Himmel, der Sphäre Gottes herabkommt.
Das Reich, das von Alexander gegründet wurde, ist der negative Höhepunkt. Bevor die irdischen Reiche zugrunde gehen und die himmlische Ordnung errichtet wird, sind das Leid und der Schrecken am größten. Damit macht der Autor seinen Glaubensgenossen, die unter der Bedrückung durch Antiochos IV. litten, Mut. Wenn ihr Leid auch noch so groß ist, es wird enden, und das Reich Gottes wird kommen.
Als Ursprung des Antiochos und seines Frevels wird Alexander auch in der folgenden Vision dargestellt.

Daniels Vision vom Widder und Ziegenbock:

Im dritten Jahr der Herrschaft des Königs Belsazar erschien mir, Daniel, ein Gesicht, nach jenem, dass mir zuerst erschienen war. Ich hatte ein Gesicht und während meines Gesichtes war ich in der Festung Susa im Lande Elam am Fluss Ulai. Und ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, ein Widder stand vor dem Fluss, der hatte zwei Hörner, doch eins höher als das andere, und das höhere war später hervorgewachsen. Ich sah, dass der Widder mit den Hörnern stieß nach Westen, nach Norden und nach Süden hin. Und kein Tier konnte vor ihm bestehen und vor seiner Gewalt errettet werden, sondern er tat, was er wollte, und wurde groß.
Und indem ich darauf Acht hatte, siehe, da kam ein Ziegenbock vom Westen her über die ganze Erde, ohne den Boden zu berühren, und der Bock hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen. Und er kam bis zu dem Widder, der zwei Hörner hatte, den ich vor dem Fluss stehen sah, und er lief in gewaltigem Zorn auf ihn zu. Und ich sah, dass er nahe an den Widder herankam, und voller Grimm stieß er den Widder und zerbrach ihm seine beiden Hörner. Und der Widder hatte keine Kraft, dass er vor ihm hätte bestehen können, sondern der Bock warf ihn zu Boden und zertrat ihn, und niemand konnte den Widder von seiner Gewalt erretten.
Und der Ziegenbock wurde sehr groß. Und als er am stärksten geworden war, zerbrach das große Horn, und es wuchsen an seiner Stelle vier andere Hörner nach den vier Winden des Himmels hin. Und aus einem von ihnen wuchs ein kleines Horn; das wurde sehr groß nach Süden, nach Osten und nach dem herrlichen Lande hin. Und es wuchs bis an das Heer des Himmels und warf einige von dem Heer und von den Sternen zur Erde und zertrat sie. Ja, es wuchs bis zum Fürsten des Heeres und nahm ihm das tägliche Opfer weg und verwüstete die Wohnung seines Heiligtums. Und es wurde Frevel an dem täglichen Opfer verübt, und das Horn warf die Wahrheit zu Boden. Und was es tat gelang ihm.

(Daniel 8,1-12)

Diese Vision wird Daniel vom Erzengel Gabriel ausgelegt:

Der Widder mit den beiden Hörnern, den du gesehen hast, bedeutet die Könige von Medien und Persien. Der Ziegenbock aber ist der König von Griechenland. Das große Horn zwischen seinen Augen ist der erste König [Alexander]. Dass aber vier an seiner Stelle wuchsen, nachdem es zerbrochen war, bedeutet, dass vier Königreiche aus seinem Volk entstehen werden, aber nicht so mächtig wie er. Aber gegen Ende ihrer Herrschaft, wenn die Frevler überhand nehmen, wird aufkommen ein frecher und verschlagener König. Der wird mächtig sein, doch nicht so mächtig wie sie. Er wird ungeheures Unheil anrichten und es wird ihm gelingen, was er tut. Er wird die starken vernichten. Und gegen das heilige Volk richtet sich sein Sinnen, …

(Daniel 8,20-25)

Das Buch Daniel stellt Alexander als den Gründer eines Weltreiches dar, das in eine Reihe mit anderen orientalischen Reichen gestellt wird. Ihm kommt jedoch eine besondere Stellung zu: es ist das schrecklichste und brutalste von ihnen. Seine Schrecklichkeit findet ihren Höhepunkt in Antiochos IV. und seiner Unterdrückung der gläubigen Juden.
Diesem irdischen Reich des Schreckens wird ein Reich Gottes entgegengestellt, von dem es abgelöst werden wird. Während die Reiche der Babylonier, Meder, Perser und Griechen als Tiere, also als unmenschlich dargestellt werden, wird das Reich Gottes dagegen durch ein menschliches Wesen symbolisiert.
Wie schon im ersten Buch Makkabäer ist auch im Buch Daniel die Sicht auf Alexander eine negative: Er ist der Begründer eines schrecklichen Weltreiches, das alles um sich erobert, unterwirft und vernichtet. Sein Reich ist der furchtbare Höhepunkt der orientalischen Weltreiche. Aus seiner Gründung geht die Herrschaft Antiochos IV. hervor, unter dem die gläubigen Juden zur Zeit des Verfassers leiden müssen. Schließlich wird das von Alexander errichtete Reich von Gott zerstört werden.

 

Empfohlene Literatur:

Collins, John; Flint, Peter (edd.): The Book of Daniel. Composition and Reception, Leiden / Bosten / Köln 2001.

Keel, Othmar; Staub, Urs: Hellenismus und Judentum. Vier Studien zu Daniel 7 und zur Religionsnot unter Antiochos IV., Freibur Schweiz / Göttingen 2000.

Kratz, Reinhard Gregor: Translatio imperii. Untersuchungen zu den aramäischen Danielerzählungen und ihrem theologischen Umfeld, Neukirchen-Vluyn 1991 (=Wissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament, Bd. 63).

Pfister, Friedrich: "Alexander der Große in den Offenbarungen der Griechen, Juden, Mohammedaner und Christen", in: Id.: Kleine Schriften zum Alexanderroman. Meisenheim am Glan 1976.

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