Alexander der Große und das erste Buch der Makkabäer

Alexander, der Sohn Philipps. König von Makedonien, der zuerst über Griechenland herrschte, ist aus dem Lande Kittim ausgezogen und hat Darius, den König der Perser und Meder, geschlagen.
Er hat viele Kriege geführt, befestigte Städte erobert und die andern Könige der Erde umgebracht und ist immer weiter gezogen bis an die Enden der Erde und hat Beute bei vielen Völkern gemacht; aber die Erde musste still sein vor ihm.
Er brachte eine gewaltige Heeresmacht zusammen, und sein Herz wurde übermütig. Denn er hatte alle Länder und Königreiche eingenommen, und sie mussten ihm Tribut zahlen.
Als er aber krank wurde und merkte, dass er sterben würde, rief er seine Fürsten zu sich, die mit ihm von Jugend auf erzogen worden waren, und teilte sein Reich noch zu Lebzeiten unter sie auf. Darauf ist Alexander gestorben, nachdem er zwölf Jahre regiert hatte.
Dann übernahmen die Fürsten das Reich, jeder in seinem Gebiet, machten sich nach seinem Tode zu Königen, und sie und ihre Nachkommen regierten lange Zeit. Und die Schlechtigkeit nahm immer mehr zu auf der Erde.
Aus ihnen schoss eine böse Wurzel auf, Antiochos Epiphanes, …

(1Makk1,1-11)

Mit diesen Zeilen beginnt das erste Buch Makkabäer des Alten Testamentes. Es schildert den jüdischen Aufstand gegen die Oberherrschaft der Seleukiden, den Nachfolgern Alexanders in Mesopotamien und Syrien.
Machtkämpfe innerhalb der Jerusalemer Priesterschaft hatten diese in den Konflikt zwischen den rivalisierenden Reichen der Seleukiden und Ptolemäer, den Nachfolgern Alexanders in Ägypten, gezogen. 169 v. Chr. war es zu einem erfolglosen Putsch gegen Menelaus, den jüdischen Oberpriester und Protegé des seleukidischen Herrschers Antiochos IV. Epiphanes, gekommen. Zur Rache für diese Tat ließ dieser nun das Inventar des Jerusalemer Tempels fortschaffen – die täglichen Opferhandlungen konnten nun nicht mehr vollzogen werden. Auch die Beschneidung und der Sabbat wurden untersagt. Der Tempel wurde Zeus Olympios geweiht.
Gegen dieses Verbot der jüdischen Religion kam es zu einem Aufstand der niederen Priester und ländlichen Bevölkerung. Unter der Führung des Judas Makkabäus konnte Jerusalem zurückerobert werden. Im Dezember 165 oder 164 v. Chr. wurde der Tempel wieder geweiht. Das jüdische Fest Chanukka erinnert bis heute an dieses Ereignis. Unter dem Geschlecht des Judas, den Hasmonäern, bildete sich ein jüdischer Staat heraus, der bis zur Neuordnung des Ostens durch Pompeius 63 v. Chr. eine weitgehende Autonomie bewahren konnte.

 

Münze Antiochos IV., auf der Rückseite steht: ΑΝΤΙΟΧΟΥ ΘΕΟΥ ΕΠΙΦΑΝΟΥ ΝΙΚΗΦΟΡΟΥ ([Münze] des Antiochos, Abbild Gottes, Träger des Sieges)

Entstanden ist das erste Buch der Makkabäer wahrscheinlich um 100 v. Chr., auf jeden Fall aber vor 63 v. Chr. Sein Verfasser war ein Anhänger der regierenden Dynastie der Hasmonäer.
Als Bestandteil der griechischen Septuaginta fand es Eingang in den Kanon der christlichen Bibel. Da es aber nicht Teil des hebräischen Kanons des AT (masoretische Texte) ist, lehnt es die evangelische Kirche zusammen mit 2Makk, Judith, Weisheit, Tobit, Jesus Sirach, Baruch, Zusätze zu Esther und Zusätze zu Daniel als apokryph ab. Sie sind jedoch integraler Bestandteil der katholischen Bibel. Dort werden sie im Gegensatz zum Rest des AT als „deuterokanonisch“ bezeichnet.
Die Schilderung Alexanders des Großen dient als Vorgeschichte zum Makkabäeraufstand. Er begründete die makedonische Herrschaft in Palästina. In seiner Nachfolge stand Antiochos IV., der den Jerusalemer Tempel entweihte. Bei ihm liegt also die Wurzel für dieses Übel, das schließlich zum Aufstand führte.
Mit Kittim, das als Ausgangspunkt von Alexanders Eroberungszug genannt wird, ist Griechenland gemeint. Der Begriff leitet sich von der zypriotischen Stadt Kition ab. Die Juden dehnten ihn zuerst auf alle Bewohner Zyperns und dann auf alle Griechen aus.
Der Eroberungszug Alexanders wird geschildert. Er besiegt den König der Perser und Meder und macht bei vielen Völkern Beute. Damit wird ein Vergleich angedeutet, den noch der Kirchenvater Augustin aufzeigt: Alexander der Räuber.
Durch die Erfolge, die er errungen hat, wird er hochmütig. Doch schon nach zwölf Jahren Herrschaft stirbt er. Der Bericht, er habe sein Reich auf seinem Totenbett an seine Gefährten aufgeteilt ist historisch falsch. Er unterstreicht aber die Intention des Autors Alexander, als den Vorgänger des Antiochos IV. darzustellen. Von jenem sollen die Seleukiden in ihre Herrschaft eingesetzt worden sein.
Die Gesamtsicht auf Alexander ist negativ: Er ist ein hochmütiger Feldherr, der die Völker unterwirft und Tribut und Beute von ihnen erpresst. Er eroberte Palästina und setzte die Seleukiden als seine Nachfolger ein. Seinetwegen mussten die Juden unter Antiochos IV. leiden.
Alexander der Große fand auch Eingang in ein weiteres Buch des Alten Testamentes: das Buch Daniel.

 

 

Empfohlene Literatur:

 

von Dobbeler, Stephanie: Die Bücher 1/2 Makkabäer. Stuttgart 1997 (=Neuer Stuttgarter Kommentar 11).

TL