Etwas Braunschweiger Schornsteinfegergeschichte

Die ersten Schornsteinfeger aus der Region Braunschweig kamen aus Italien. Es ist überliefert, dass 1566 Herzog Anton-Ulrich von Braunschweig und Lüneburg den Schornsteinfeger Antonius aus Mailand nach Wolfenbüttel bestellte. Weitere folgten und ließen sich mit ihrem Gewerbe auch in Braunschweig nieder.

Wegen vermehrt auftretenden Bränden, die sich im Schornstein durch Rußablagerungen entfachten, wurde eine regelmäßige Reinigung dieser nötig und war sehr bald gesetzlich vorgeschrieben. Die große Gefahr bei diesen Bränden war, dass sie schnell auf das Ganze Haus übergriffen, denn zur damaligen Zeit bestand die Konstruktion eines Schornsteins, außer Stein, auch aus Holz und Lehm. Viele Städte stellten in dieser Zeit eine Feuer- und Brandverordnung auf. Braunschweig tat dies 1677.

Dennoch garantierten diese Gesetze nicht den Beruf des Schornsteinfegers. Regelmäßigkeit und Sicherheit kamen erst mit der Zeit. Offiziell erhielten die Feuerkehrer, wie sie auch genannt wurden, 1708 vom Herzog die Erlaubnis eine Innung für Ihr Schornsteinfegerhandwerk zu gründen. Die beigefügte Zunftordnung reglementierte den Schornsteinfegerberuf. Darin wird u.a. eine sogenannte Innungslade vorgeschrieben, eine Holztruhe, die wichtige Schriftstücke, wie z.B. die Satzung, Protokolle von Zusammenkünften, usw., enthält. Solch eine Innungslade existiert heute noch und sie wird, in der Regel, auch nur bei Innungstreffen geöffnet. Des Weiteren regelte die Satzung damals die Berufsausbildung zum Schornsteinfeger. Einige Paragraphen geben sogar Verhaltenregeln vor, so werden z.B. Gesellen und Lehrlinge ermahnt, sich während ihrer Arbeit „ehrlich, still, fromm und bescheiden“ zu verhalten. Außerdem sollen sie die Stadt nicht ohne die Erlaubnis ihres Meisters verlassen. Die Innung vereinigt die Schornsteinfeger aus Braunschweig, Helmstedt, Hildesheim und Celle.

Der Heilige Florian ist der Schutzpatron der Schornsteinfeger. Florianus war römischer Tribun, ein Heerführer, fromm und gut, der eines Tages mit einem Kübel Wasser einen großen Brand verhindert haben soll, deshalb gilt er als der Feuerheilige. Eine weitere Legende aus dem Mittelalter erzählt, wie ein Köhler nur knapp dem Feuertod entkommt, weil er den Heiligen Florian um Hilfe angerufen haben soll. Die Köhler waren zuständig für die Lieferung von Heizmaterial und haben auch Kamine gefegt. Sie gelten als die Vorgänger der Schornsteinfeger. Heute ziert der Heilige Florian das Wappen der Schornsteinfeger.

Der Zylinder, der zur schwarzen Tracht der Schornsteinfeger gehört, ist ein alter deutscher Handwerksbrauch, der irgendwann einmal der Schornsteinfegerzunft von einem Fürsten als Privileg verliehen worden sein soll. Im 18. Jahrhundert war der Zylinder die vorherrschende Kopfbedeckung unter den Handwerkern und bei den Schornsteinfegern hat sich diese Mode aufgrund der Zweckmäßigkeit erhalten. Da es im Anzug nur wenig Taschen und diese auch schnell voll Ruß waren, war der Zylinder der ideale Aufbewahrungsort für das Frühstück und andere Lebensmittel, die man z.B. für seine Dienste geschenkt bekam.

Durch die Tatsache, dass der Schornsteinfeger früher die Leute vor dem Pech eines Hausbrandes bewahrte, kam der Aberglaube, der Schornsteinfeger bringe Glück, zustande. Angeblich haben Mägde, wenn sie einem Schornsteinfeger begegneten, an einen Knopf seiner Uniform gefasst oder diesen sogar abgedreht und mitgenommen, um Glück zu haben. Ehrsame Hausfrauen dagegen begnügten sich damit ihn am Ärmel zu berühren. Heute ist die Schornsteinfegerfigur oder auch nur dessen Zylinder ein Symbol für Glück, das besonders zu Silvester Glückwunschkarten und andere Gegenstände ziert.

von Lena Niemann