Das Freikorps des Schwarzen Herzogs ist zurück

Schon der Name klingt unheimlich, mysteriös und spannend – Schwarzer Herzog – darum verwundert es nicht, dass es heute noch Menschen gibt, die ihre Freizeit mit Leidenschaft ganz diesem sagenumwogenen Mann widmen und dabei die Geschichte des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig Lüneburg, Fürst von Oels und seinem Freikorps wieder aufleben lassen.

Diese Menschen gehören einer historischen Darstellungsgruppe an, welche sich nach dem Feldkorps des Schwarzen Herzogs nennt:

 

Herzoglich Braunschweigisches Feldkorps

1. leichte Kompanie der Avantgarde

 

Seit 1996 gibt es diese Gruppe und zur Zeit sind es 24 Mitglieder, das jüngste ist 7 , das älteste 69 Jahre alt. Die Gruppe hat sich als Ausgangspunkt die Jahre 1809 bis 1815 ausgewählt, um die braunschweigische Geschichte wieder ins Leben zu rufen. Das dargestellte Feldkorps wurde als „Schwarze Schar“ aufgrund ihrer schwarzen Uniformen bekannt, als es unter der Führung des Herzogs gegen die  Besetzung ihrer Heimat durch Napoleon kämpfte. Doch was genau tut diese Darstellungsgruppe eigentlich?...

.... Ohrenbetäubender Lärm von Schüssen und Kanonenkugeln, Schreie, die von überall herzukommen scheinen, um einen herum nichts zu sehen, nur einen alles verschlingenden Nebel. Langsam wird die Sicht besser; der Qualm von den Gewehrschüssen steigt langsam auf; Männer in schwarzen Uniformen stehen oder liegen auf einem weiten Feld, es ist das Jahr 1815 in Quatre Bras (Belgien), die letzte Schlacht des Schwarzen Herzogs.

 

 

Genauso sieht es aus und hört es sich an, wenn die Darstellungsgruppe jene Schlacht noch einmal schlägt. Jeder der solch eine nachgestellt Schlacht beobachtet, wird in die Vergangenheit zurückversetzt, denn jede Uniform, jedes Gewehr und jeder noch so kleine Gegenstand ist detailgetreu nachgestaltet worden. Nun darf man sich nicht vorstellen, dass diese Gruppe allein auf dem Schlachtfeld steht, denn es sind meist Hunderte von Darstellern, welche die Schlachten so überaus real machen. Im Juni findet ein großes Treffen von Darstellungsgruppen in Waterloo statt, bei dem sogar mehrere Tausend Darsteller erwartet werden.

Und es scheint ganz so, als würde das Interesse an historischen Darstellungsgruppen weiterhin wachsen, denn auch die braunschweigische freut sich über hinzugekommene Mitglieder. Aus welchen Gründen treten nun Menschen dieser Gruppe bei und worum geht es in erster Linie?

Ein Mitglied der ersten Stunde, Dirk Berg sagte dazu: „Es geht nicht um Kriegsverherrlichung, im Gegenteil, es soll gezeigt werden, wie überaus schwierig damals die Umstände im Feld waren. Es geht vor allem um eines: Living for history!“. Und genau dieses zeigt sich bei den Mitgliedern in dem Interesse an Geschichte und deren Auslebung.

 

 

Es gibt natürlich auch innerhalb der Gruppe eine Hierarchie, wie sie das historische Freikorps hatte und zwar nach englischen Vorbild. Doch der Rang eines Sergeant Major oder Korporals ist für keines der Mitglieder ausschlaggebend beim Ausüben ihres Hobbys. 

Die Liebe fürs Detail erkennt man vor allem an den Uniformen, denn die Schnittmuster sind von den Uniformen, welche im Landesmuseum in Braunschweig ausgestellt sind abgenommen wurden und genäht von dem Schneider des Staatstheaters. Das bedeutet, dass jedes männliche Mitglied der Gruppe eine Uniform trägt, welche maßgeschneidert wurde. Dass dies nicht ganz billig ist leuchtet sicher ein, doch wird eine Uniform in der Regel ja nur einmal für jeden angefertigt. Auch das Gewehr ist natürlich dem historischem nachempfunden und hat ein Gewicht von 5,2 Kilo. Wenn man sich nun vorstellt, dass eine nachgestellte Schlacht ca. 3 bis 4 Stunden andauert und die Männer mit ihren schwarzen Uniformen in sengender Hitze ständig dieses Gewehr anheben müssen, um es neu zu laden und dabei immer in Bewegung sind, kann man erahnen, dass das Gewehr im Verlauf der Schlacht immer schwerer wird.  Selbstverständlich wird Sicherheit in der Gruppe großgeschrieben, d. h. dass die Gewehre nicht scharf geladen sind, sondern mit Schwarzpulver und einer aus Papier nachgebildeten Katusche. Diese zerfällt durch das Schwarzpulver beim Abfeuern sofort in kleinste Teile, sodass es zu keinen scharfen Schüssen kommen kann. Dazu brauchen die Mitglieder keinen Waffenschein, sehr wohl aber einen Sprengstoffschein. 

Wer nun meint, dass dieses Hobby nur etwas für Männer sei, hat weit gefehlt, denn auch Frauen sind in der Gruppe vertreten. Natürlich, denn wer sorgte wohl für das leibliche Wohl der Soldaten? Marketenderinnen und Soldatenfrauen gehören genauso zu der Darstellungsgruppe wie die Soldaten, wenngleich die schwarzen Uniformen und Tschakos (Hüte) der Männer weitaus auffallender sind als die meist einfachen Kleider der Frauen.

 

 

Dass die Mitglieder das Motto „living for history“ wirklich verinnerlicht haben, ist deutlich zu erkennen, wenn sie tagelang bei einem Treffen, egal bei welchem Wetter, in  Zelten schlafen und Essen verzehren, welches über dem offenen Feuer nach historischem Vorbild zubereitet worden ist. Diese Art zu kochen stellt auch die Frauen der Gruppe vor unbekannte Schwierigkeiten, denn da Hitze auf einer offenen Feuerstelle schwierig zu regulieren ist und es auch einig Zeit dauern kann bis der Inhalt des Topfes oder der Pfanne zu kochen beginnt, kann das Garen von Kartoffeln schon mal einige Stunden dauern. Diese liebevolle Detailtreue ist oft mit nicht unerheblichem Aufwand verbunden. Die Rucksäcke beispielsweise werden genäht und schwarz eingefärbt so wie die Schwarze Schar des Herzogs dies tat, natürlich von Hand.

Wer also an der Geschichte des Herzogs und seiner Schar interessiert ist und einen  Feldzug der damaligen Zeit mal aus der Nähe miterleben möchte, sollte das nächste große Treffen der Darstellungsgruppe nicht verpassen.

 

www.braunschweiger-feldkorps.de