Alexander der Leinwandheld - Die Umfrage zum Alexanderfilm

 

Wir hatten Sie aufgefordert, uns Ihre Meinung zu Oliver Stones Alexander mitzuteilen. Erst einmal vielen Dank für ihre interessanten und anregenden Einsendungen!

 

Die Beurteilungen des Films reichen von ‚sehr gut’ bis ‚schlecht’. Mehrfach wird der Vergleich zu Wolfgang Petersens Trojaverfilmung gesucht, der zugunsten des Makedonen ausgeht. Besondere Kritik findet die schauspielreiche Leistung Colin Farrells. Auch wird bemängelt, der Film sei zu langatmig und teilweise pathetisch.

 

Die geschichtsspezifische Kritik entfesselt sich erwartungsgemäß daran, dass der Plot teilweise von den historischen Ereignissen abweicht. Als besonders störend werden die lateinisch- und englischsprachig beschrifteten Landkarten empfunden.

 

Bei aller berechtigten Kritik muss man jedoch die widersprüchlichen Quellenlage und die Zwänge, die das Medium Film dem Regisseur auferlegt, berücksichtigen. Ist es unter diesen Bedingungen überhaupt möglich, den Alexanderstoff filmisch so umzusetzen, dass sowohl das breiten Kinopublikum als auch der Geschichtswissenschaftler mit dem Ergebnis zufrieden ist?

 

Ganz besonders dankbar sind wir für Ihre zahlreichen Fragen, die großen Einfluss auf den weiteren Verlauf unserer Arbeit haben werden. Sie beschäftigen sich mit zahlreichen Aspekten des Themas.

 

So bezieht sich ein Teil von ihnen auf den Charakter des Makedonenkönigs: Was waren Alexanders Beweggründe für seine Feldzüge? War er homosexuell? Aber auch zu seiner Politik hatten Sie Fragen: Worauf begründete sich seine Machtposition? Wie waren die Beziehungen zu den unterworfenen Völkern im Allgemeinen und die Reaktion der Griechen auf seine Vergöttlichung im Speziellen? Ihr besonderes Interesse findet die Frage nach Alexanders Tod, ein Problem, das Historiker und Mediziner seit der Antike beschäftigt.

 

Wir werden nun Lösungen zu Ihren Fragen suchen und die Ergebnisse an dieser Stelle präsentieren. Bleiben Sie uns also bitte gewogen und treu! Außerdem würden wir uns auch weiterhin sehr über Fragen als auch Kritik und Anregungen zu unserem Projekt freuen. Sie erreichen uns unter alexander@gibs.info.

 

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der eingegangenen Antworten und Fragen:

 

Wie hat Ihnen der Film gefallen?

 

Eigentlich sehr gut, bis auf manche emotionale Szenen.

 

Der Film entsprach nicht wirklich meinem Geschmack. Der Gutmensch Alexander, gespielt vom unverdrießlich weinerlich bis gequält cholerisch dreinschauenden Colin Farrell - ganz zu schweigen von seinen Gesichtsausdrücken während der Schlacht -, befreit die östlichen Barbaren von ihrem feigen König. Da kriege ich KRÄMPFE! Auch die wie immer umwerfend aussehende Angelina Jolie konnte als herzlose Königsmutter mit Schlangentick keine Sekunde überzeugen. Das lag zum Teil an ihrer schauspielerischen Darbietung, zum anderen an Regisseur und Maske, welche die Endzwanzigerin über 16 filmische Jahre nicht einen Tag altern ließen. Erst gegen Ende dieses visuellen Martyriums bekommt die gute Frau Falten um die Augen und einige graue Strähnen. Hut ab, chapeau. Das hätte selbst Berti Vogts nicht besser machen können.

 

Der Film an sich gefiel mir gut, insbesondere die interessante Erklärung historischer Abweichungen über die Erzählperspektive (innovativ, wie ich fand), sowie die Darstellung eines Menschen Alexander anstelle eines 'Helden'.

 

Eigentlich war er ganz ok, wenn man ihn zum Beispiel mit "Troja" vergleicht. Rahmen- und Binnenhandlung fand ich nicht gelungen (man hätte die Rahmenhandlung eventuell auch anders gestalten können).

Alexander-Darsteller war nicht gut gewählt.

 

Alles in allem, war der Film eher mittelmäßig. Für Geschichtsinteressierte Zuschauer waren zu viele, wenn auch größtenteils kleine, Fehler enthalten, für Zuschauer, die einen unterhaltsamen Film erwartet haben, war er an einigen Stellen viel zu langatmig.

 

gut!

 

schlecht.

 

hat mir gut gefallen

 

ich habe den Film gesehen. der Film wurde sehr aufwendig gedreht.

 

Der Film war ganz in Ordnung. Einige Szenen, wie z.B. die Zähmung Bukephalos', haben mich wegen des Pathos' sehr genervt; aus denselben Gründen fand ich auch Alexanders Ansprachen vor der Schlacht ermüdend. Schade fand ich, dass nur am Ende (letzte Indienschlacht, Alexanders Tod) die für Stone typische Regiearbeit erkennbar war.

 

Ich fand ihn mittelmäßig, typische Hollywood-Kost! Die schauspielerischen Leistungen waren auch nicht gerade oskarreif. Eher "Popcorn-Kino" als ein wirklich anspruchsvoller Film. Die Alexander-Darstellung hat mir nicht gefallen - viel zu seicht (und das hat nichts mit seiner Homosexualität zu tun)!

Und schließlich ging mir die Wackel-Kameraführung der Schlachtszenen gehörig auf die Nerven (bei "Gladiator" war das wenigstens noch neu/innovativ, aber inzwischen ist das 08/15-Standard - und NERVIG!!)

 

Nach der katastrophalen Troja-Umsetzung zu Beginn des Jahres empfand ich "Alexander" doch als recht gut gelungen. Zu Beginn waren mir aber die zeitlichen Sprünge etwas zu "derbe".

 

Nicht schlecht.

 

Hat der Film Ihren Erwartungen entsprochen in Hinsicht auf die historische Darstellung?

 

Nach dem Vortrag zu urteilen - Ja. Wie gesagt wurde vieles zu emotional dargestellt.

 

Nein. Allein das die Landkarten auf Englisch oder auch, eigentlich noch frecher, teils auf lateinisch hat mir schon gereicht.

 

Ich war positiv überrascht.

 

Ob die Darstellung der Quellenlage entsprach kann ich nicht beurteilen.

Beweggründe Alexanders hätten eventuell differenzierter dargestellt werden sollen. Klang sehr nach Pauschalisierung und Vereinfachung.

 

Wie oben schon angedeutet, war er historisch gesehen, bis auf einige kleinere Fehler recht gut gelungen. Vor allem die Darstellung Alexanders hat mir sehr gut gefallen. Diese Zerrissenheit, zwischen den Völkern, zwischen den Freunden und der Mutter, zwischen Ruhm und Pflicht. Das hat der Film sehr gut hinbekommen. Was mir nicht so gefiel war die Zusammenkürzung der ersten Jahre des Persienfeldzuges. War doch gerade dieser das einigende Element und Nachlass Alexanders Vaters.

 

Ich hatte keine Erwartungen, ich war gerade darauf gespannt, wie der Film die überlieferten Ereignisse darstellen wird

 

nein. Entsprach nicht den historischen Quellenaussagen.

 

teils teils.

 

Auf keinen Fall, der Regisseur wurde sehr schlecht beraten.

 

Da ich nur Allgemeinwissen zu Alexander besitze, kann ich schwerlich die historische Darstellung auf Fehlerlosigkeit bewerten. Ich erwarte auch nicht, dass der Film nur historisch 100% gesicherte Fakten zeigt - das dürfte schon allein deshalb unmöglich sein, weil die Quellen zu Alexander aufgrund ihres Alters nicht als eindeutig wahr oder falsch interpretiert werden können. Ich vermute, Stone hat sich nicht zu viele Freiheiten herausgenommen, und ich würde auch nie bestimmte Punkte über Alexander als gesichert ansehen, nur weil sie im Film vorkommen.

 

Der Film hat meinen niedrigen Erwartungen entsprochen, obwohl ich von Oliver Stone etwas mehr erhofft hatte.

Authentizität? Die Kostüme und die Ausstattung waren wohl in Ordnung, aber ich wage zu bezweifeln, dass Alexander seine Soldaten vor der Schlacht motiviert hat, indem er die "Befreiung" der Barbaren vom Joch der Sklaverei propagierte.

Albern fand ich die lateinische und einmal sogar englische ("Middle Sea") Beschriftung der Mosaik-Weltkarten.

Ich hatte öfter das Gefühl, es würde eher eine in die Antike versetzte und etwas "aufgeraute" moderne Welt gezeigt als wirklich antikes Denken und Leben - ist aber nur so ein Gefühl, das ich nicht an Quellen festmachen kann ;o)

Ich erwarte von historischen Filmen nicht unbedingt eine 100prozentig korrekte Umsetzung - in erster Hinsicht dienen sie wohl mehr der Unterhaltung. Und was "Alexander" angeht: welche historische "Darstellung" ist denn die korrekte? Hier gehen ja schon die verschiedenen antiken Erzählungen über ihn in einigen Bereichen merklich auseinander. Alexander hat - im Gegensatz zu Achill - existiert. Und wir wissen auch einiges über sein Leben und Wirken. Aber einiges ist wohl auch an ihm mehr ein Mythos.

 

Der Film hielt sich weitgehend im Rahmen des bestehenden historischen Interpretationsspektrums. Das eigentliche "Problem" des Films war m.E. ein erzählerisches. Hier sind aber grundsätzliche Fragen des Erzählens historischer Stoffe berührt.

 

Haben Sie Fragen zum historischen Hintergrund des Filmes? Gibt es etwas, über das sie gerne mehr erfahren würden?

 

Im Film wird nicht eindeutig klar, ob Alexander nun homosexuell war oder nicht. Es bleibt mehr eine vage Andeutung, sehr subtil. Wissen Sie genaueres?

 

- Auswertung der Beweggründe von Alexander für die Feldzüge (sofern es die entsprechenden Quellen dazu gibt).

- Politik in den eroberten Gebieten

- Einstellung zu den Menschen in den eroberten Gebieten

 

wie viel berichten die Quellen über Alexanders Tod?

was berichten die Quellen über die Motive Alexanders so weit zu reisen?

wie kam Alexander zu seiner großen Macht/Autorität?

 

Welche Quellen hat der Regisseur für seinen Film benutzt?

 

- Haben die Griechen es einfach hingenommen, das Alexander sich als Zeus' Sohn ausgab, oder kann es sein, das manche das als gotteslästerlich und größenwahnsinnig ansahen?

- Wie hätte sich Griechenland, Rom und Asien entwickeln können, wenn Alexander nicht so früh gestorben wäre? Welche Szenarien sind denkbar?

- Wie kann es sein, dass so viele Giftmorde vorkamen? Ich meine gelesen zu haben, dass antike Gifte recht schwach und immer durch Geruch/Geschmack deutlich erkennbar waren.

 

 

Sonstiges, weitere Anmerkungen

 

Das große Problem ist m.E. der Anspruch auf Authentizität. Wenn der Film lediglich als Unterhaltung angepriesen worden wäre, dann wäre die Kritik an diesem Film reine Geschmackssache gewesen. Da aber immer mitschwang, dieser Film zeige "wie es wirklich war" macht das ganze problematisch.

So weit ich weiß ist man sich in der Forschung alles andere als einig über die Motive und Ziele Alexanders!

 

Alles in allem hat der Film das gebracht, was man erwartet, wenn man in einen historischen Hollywood Film geht.

 

Interessant wäre wohl der Vergleich zwischen dem Film und den Publikationen des wissenschaftlichen Beraters.

 

Lese mich gerade in das Thema ein -> Film war Anregung