Alexander der Große als Sagengestalt - Der Alexanderroman

Einleitung

 

Von der Antike bis zur Renaissance wurde die Geschichte Alexanders des Großen zu einem großen Teil durch den Alexanderroman vermittelt. Diese Mischung aus ungenauen Fakten und fantastischer Fiktion beherrschte besonders in der breiten Masse der Bevölkerung das Alexanderbild.

Der Alexanderroman gilt als das am weitesten verbreitete Buch der Vormoderne nach der Bibel. Das ursprünglich griechische Werk wurde ins Armenische, Georgische, Persische, Syrische, Arabische, Türkische, Äthiopische, Koptische und Hebräische sowie ins Serbische, Bulgarische, Russische und Rumänische übersetzt. Der volkstümliche Erzählungsschatz um Alexander den Großen gelangte bis nach Indien, Java und zu den Mongolen. Über die lateinischen Übersetzungen des Julius Valerius (4.Jh.) und des Archipresbyters Leo (10.Jh.) fand er Eingang ins Französische, Deutsche, Englische und in viele andere europäische Sprachen. Verfasst wurde die ursprüngliche Version des Romans vermutlich im Alexandria des 3. Jahrhunderts n. Chr., also ein halbes Jahrtausend nach dem Tod des Makedonenkönigs. Sein Autor wurde früher fälschlich mit dem Alexanderhistoriker Kallisthenes identifiziert und wird daher heute gemeinhin als Pseudo-Kallisthenes bezeichnet.

Man nimmt an, dass als Grundstock die volkstümliche Alexandergeschichte des Kleitarch diente, in die ein antiker Briefroman eingewoben ist. Diese erweiterte der Autor durch weitere Berichte und Erzählungen, speziell aus Ägypten (Nektanebo). Über die Jahrhunderte wurde die Erzählung von der weiteren Alexanderhistoriographie (Curtius Rufus, Justin) sowie christlich/jüdischen Traditionen (Alexander im irdischen Paradies, Einsperrung der Gog und Magog, etc.) beeinflusst. Neben den Übersetzungen und Umformungen des Alexanderromans fand seine Geschichte Niederschlag in Bibelkommentaren, Chroniken, Exempelsammlungen, Kleindichtungen und Epen. Auch die Berichte über Alexander im Koran (Sure 18) sollen auf die Romantradition zurückgehen.

 

Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Elemente des Alexanderromans mit Kommentierung.

 

Inhalt

(nach MS L mit Ergänzungen)

 

Alexanders Geburt und Jugend (Kapitel 1,1-1,26,2)

 

Die Geschichte beginnt in Ägypten vor Alexanders Geburt. Nektanebo, der ägyptische Pharao, muss vor barbarischen Armeen aus seiner Heimat fliehen. Der zauberkundige Mann kommt nach Makedonien und lässt sich dort als Orakelpriester nieder.

Nektanebo II., der letzte einheimische König Ägyptens, floh 343 vor dem Perserkönig Artaxerxes II. Ochos mit seinen Schätzen nach Äthiopien. Hier zeigt sich bereits der ägyptische Ursprung des Romans. Der Autor greift auf eine lokale Legende zurück, die Alexander zum Sohn des letzten Pharao und damit zum Ägypter macht. Seine Eroberung des Landes am Nil wird zur Befreiung durch den legitimen Könmig umgedeutet.

Die makedonische Königin Olympias bittet ihn um Rat, weil sie fürchtet, von ihrem Mann Philipp verstoßen zu werden. Nektanebo bestätigt sie in dieser Furcht, prophezeit ihr aber, dass sie vom Gott Ammon einen Sohn empfangen werde. Dieser solle sie an ihrem Mann rächen. In der Nacht kommt jedoch nicht Ammon, sondern der schlaue Magier in Gestalt des Gottes zu der schönen Königen. So getäuscht wird sie von ihm schwanger und gebiert einen Sohn. Es gelingt Nektanebo auch Olympias Gemahl mit seiner Zauberkunst zu täuschen, sodass er - von der göttlichen Abkunft des Jungen überzeugt - ihn annimmt und Alexander nennt.

Ammon wurde von den Griechen mit Zeus identifiziert. Ihm ist der Widder heilig, in dessen Form er auch dargestellt wurde. Vermutungen, dass Olympias mit einem Gott in Tiergestalt verkehrt hat, finden sich auch bei Plutarch und Iustinus (Plut., Alex. 2,6; 3,2; Iust., 12,16. hier in Form einer Schlange).

Als Alexander heranwächst, ist er von auffallender Gestalt. Er hat die Mähne eines Löwen, verschiedenfarbige Augen und spitze Zähne. Über dieses Äußere, das so ganz anders ist als das Eigene, ist König Philipp sehr betrübt.

Das löwenhafte Äußere Alexanders verweist auf seinen Ahnherrn Herkules. Die Anlehnung an den Zeussohn findet sich auf den Münzen Alexanders. Unsymmetrie im Körperbau galt als ein Zeichen dämonisch-magischer Macht und Begabung.

Der Junge wird von zahlreichen Lehrern, unter anderem Aristoteles, unterrichtet und übt sich mit hervorragendem Erfolg im Kriegshandwerk.

Der Einfluss der Philosophie des Aristoteles auf die spätere Politik Alexanders wird heute gemeinhin als gering eingeschätzt.

Im Alter von zwölf Jahren begibt sich der Prinz nächtens mit seinem leiblichen Vater Nektanebo vor die Stadt, um die Sterne zu beobachten. Alexander stößt den Propheten mit Absicht einen Abhang hinunter, sodass dieser tödlich verletzt wird. Damit straft er den Propheten für die Anmaßung, den Himmel erforschen zu wollen obwohl er noch nicht einmal die irdischen Dinge verstehe. Bevor der Ägypter jedoch verstirbt, offenbart er sich seinem Sohn. Nun betrübt über den Tod seines Vaters beerdigt Alexander ihn.

Dem Sturz liegt die berühmte Anekdote über Thales von Milet zugrunde (Platon, Theaetet. 174a; Diogenes Laertes 1,34; u.a.). Die Niederwerfung des alten Herrschers durch den neuen ist ein Motiv, das schon in der Theogonie Hesiods auftaucht. Ein Beispiel für den unwissentlichen Vatermord findet sich in der Ödipusgschichte. In Unwissenheit seiner eigenen Abstammung tötet dieser im Streit einen alten Mann. Dieser war jedoch Laios, der König von Theben und leiblicher Vater des Ödipus.

Philipp von Makedonien besitzt ein Ungeheuer von einem Pferd. Diese frisst Menschen und ist wegen seiner Wildheit in einen Käfig eingesperrt. Über das Tier mit Namen Bukephalos wird gesagt, dass, wer es zähmt, der Herrscher der Welt sein wird. Ohne dies zu wissen, nähert sich Alexander dem Tier, das sofort zahm wird und sich von ihm reiten lässt. Philipp ist erfreut über die Zukunft seines Sohnes und begrüßt ihn als zukünftigen Weltherrscher.

Bukephalos war wohl wild aber kein Menschenfresser. Diese Eigenschaft hat der Autor den Pferden des mythischen Thrakerkönigs Diomedes abgeschaut. Es war die achte Aufgabe des Herakles, diese Bestien zu bändigen (Euripedes Alkestis 479ff; Herakles 380ff). Der Autor lehnt damit die Zähmung des Bukephalos an die Taten des Herakles, des Ahnherrn der makedonischen Könige, an.

Mit seinem Freund Hephaistion fährt Alexander nach Olympia. Dort siegt er im Wagenrennen. Als er jedoch nach Makedonien zurückkommt, hat Philipp seine Mutter Olympias verstoßen und nimmt eine neue Frau. Zorn entbrannt wütet Alexander mit dem Schwert unter der Hochzeitgesellschaft und verjagt die neue Königin. Seinen Vater, der bei dem Tumult verletzt wurde, versöhnt er wieder mit seiner Mutter.

Das Wagenrennen ist wohl eine Erfindung. Außerdem wurden nicht die Wagenlenker, sondern die Besitzer der Gespanne als Sieger geehrt. Diese Ehrung soll Alexanders Vater Philipp II. 356 v.Chr. erhalten haben.
Die Heirat Philipps 337 v. Chr. mit Kleopatra, die aus makedonischem Hochadel stammte, gefährdete die Thronfolge Alexanders. Darüber kam es zwischen Olympias und ihrem Sohn auf der einen und dem König auf der anderen Seite zum Zerwürfnis, das trotz der Rückkehr Alexanders an Philipps Hof im folgenden Jahr nicht mehr überwunden wurde
.

Aus dem Perserreich kommen Gesandte, um von Philipp Tribut zu fordern. Alexander schickt sie fort und kündigt seinen Krieg gegen den Großkönig an.

Das Persergespräch reflektiert eine Episode bei Herodot. Dort verlangt eine persische Gesandtschaft zu Beginn der Perserkriege (ab 492 v. Chr.) vom makedonischen König Amyntas Brot und Wasser als Zeichen der Unterwerfung. Dies gewährt der König auch. Als sie sich die Perser jedoch über die makedonischen Frauen hermachen wollen, werden sie von Alexander, dem Sohn des Amyntas, getötet. Aber auch Plutarch (Alex. 5,1) berichtet von einem Zusammentreffen Alexanders (Philipps Sohn) mit persischen Gesandten.

Während der Prinz für seinen Vater Krieg in Thrakien führt, wird dieser von Pausanias aus Liebe zu Olympias ermordet. Der 18jährige Alexander rächt Philipp und macht sich zum neuen König.

Philipp II. wurde 336 v.Chr. von Pausanias, einem Mitglied seiner Leibwache, ermordet. Als Motiv führen die antiken Quellen verletztes Ehrgefühl an (Diodor 16,93;94. Justin 9,6). Eine Verwicklung Alexanders in die Tat ist möglich aber nicht beweisbar. Der Attentäter wurde sofort nach seinem Anschlag von den anderen Leibwächtern des Königs getötet. Alexander war bei seiner Thronbesteigung 19 und nicht 18 jahre alt. Brutal räumte er jegliche Opposition gegen sich aus dem Wege. Noch im selben Jahr ließ er sich in Thessalien und Korinth als Archon bzw. Hegemon würdigen. Damit hatte er sowohl innenpolitisch als makedonischer König, wie außenpolitisch als oberster Feldherr über Griechenland die Position seines Vaters eingenommen.

 

Die Kriegszüge

 

Die Befriedung Illyriens und Griechenlands (1,26,4-1,28,2)

 

Mit seiner Armee muss Alexander zuerst gegen die aufständischen Illyrer, Paionier und Triballer ziehen. Während dieser Kämpfe kommt in Griechenland das Gerücht auf, er sei gefallen. Angestachelt vom Redner Demosthenes proben die Thebaner den Aufstand. Der Makedonenkönig erobert aber die Stadt und lässt sie zerstören – nur das Haus des Dichters Pindar wird geschont.

 

Die Züge durch Kleinasien, Italien und Afrika (1,28,3-1,34)

 

Daraufhin rüstet Alexander für den Krieg gegen die Perser. Am Hellespont setzt er nach Asien über und besiegt am Granikos ein Heer unter Führung persischer Satrapen. Dann erobert er Ionien, Karien, Lydien, Phrygien, Lykien und Pamphylien. Dort teilt sich ein Teil des Meeres ehrfurchtsvoll vor dem König, sodass er mit seiner Landarmee hindurchmarschieren kann. Mit seinen Seestreitkräften setzt er nun nach Sizilien und Italien über. Die Römer empfangen ihn als ihren neuen König und stellen ihm Hilfstruppen. Von dort segelt Alexander nach Karthago und verlangt von den Bewohnern Tribute. Mit seinen Truppen durchzieht er auf dem Landweg Libyen bis zum Ammonheiligtum. Dort bestätigt ihm eine Vision seine göttliche Abkunft. Außerdem erteilt ihm der Gott den Auftrag, eine Stadt zu errichten. Daraufhin lässt der Makedone gegenüber der Insel Pharos Alexandria gründen. Die Ägypter feiern ihn und ernennen ihn in Memphis zu ihrem König.

 

Die Eroberung des Perserreiches (1,35-2,22)

 

Aus Ägypten zieht Alexander Richtung Syrien und nimmt die Hafenstadt Tyros ein. Es erfolgt ein Briefwechsel zwischen dem Makedonen und dem persischen Großkönig Dareios, in dem dessen orientalische Überheblichkeit deutlich wird. Alexander ist derweil weiter nach Tarsos in Kilikien gezogen. Dort zieht er sich beim Bade im Kydnos eine lebensbedrohliche Erkältung zu. Alexanders Feldherr Parmenion behauptet, die Medizin, die der König von seinem Arzt Philipp dagegen erhalten hat, sei Gift. Alexander vertraut aber seinem Arzt und wird geheilt. Parmenion wird wegen seines Verrates abgesetzt. Genesen führt der Makedonenkönig seine Truppen bei Issos gegen die persische Armee. Der Großkönig erleidet eine vernichtende Niederlage. Er selbst kann zwar fliehen, seine Frau und seine Töchter geraten jedoch in makedonische Gefangenschaft.

Ende Buch I

Nach der Überquerung des Euphrats läßt Alexander läßt Alexander die eigens errichtete Brücke abreißen, um so die Moral der Truppen zu stärken.

Von Kilikien zieht Alexander durch Medien und Großarmenien zum Euphrat, über den er eine eiserne Brücke errichten lässt. Nachdem das Heer diese überquert hat, wird sie abgerissen, um den Rückzug zu verhindern und damit die Tapferkeit der Soldaten zu stärken. Am Tigris kommt es zu einer Schlacht mit Dareios Truppen, in der der Makedonenkönig beinahe getötet wird. Den Persern gehen jedoch die Nahrungsmittel aus, sodass sie sich nach Baktrien zurückziehen müssen.

Die Makedonen kommen zur Stadt Persepolis, in der Dareios residiert. Als Bote verkleidet nimmt Alexander an einem Festmahl des persischen Großkönigs Teil. Er stiehlt einige goldene Becher, und obwohl er erkannt wird, gelingt es ihm zu fliehen. Dabei überquert er den zugefrorenen Fluss Stranga, der daraufhin auftaut und den Verfolgern den Weg versperrt. An dem Fluss kommt es zur Schlacht. Die Perser unterliegen und Dareios flieht über das Eis. Als ihm aber seine Truppen folgen wollen, taut der Fluss erneut auf, und sie kommen in den Fluten um oder werden am Ufer niedergemacht.

Dareios gelangt zurück in seinen Palast, wird dort jedoch von seinen Satrapen Bessos und Ariobarzanes ermordet. Alexander trifft den Sterbenden noch an und schwört in zu rächen. Daraufhin vermählt Dareios den Makedonen mit seiner Tochter Roxane. Der Großkönig wird in Ehren beerdigt, und Alexander ernennt sich zu seinem Nachfolger. Mit einer List gelingt es ihm, die Mörder des Dareios zu ergreifen. Er lässt sie auf dessen Grab kreuzigen.

 

 

Die Reisewege Alexanders im Roman weichen deutlich von den historischen Geschehnissen ab. Ursache dafür ist sowohl das Hinzufügen neuer Episoden als auch die Unkenntnis der geographischen Verhältnisse: Die Länder jenseits der Mittelmeerwelt sind zu einem mystischen Sagenreich geworden. Besonders deutlich wird dies in der Schilderung von Armenien, Medien und dem Fluss Euphrat. Im Roman passiert Alexander diese in der falschen Reihenfolge.

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Der Wunderbrief an Olympias und Aristoteles (2,23-2,41)

 

Alexander sendet an Olympias und seinen Lehrer Aristoteles einen Brief mit folgendem Bericht: Nach der Hochzeit mit Roxane zieht der Makedonenkönig gegen die Satrapen Ariobarzanes und Manazakes. Er erobert ihre Reiche und unterwirft Medien, Armenien, Ebesien und ganz Persien.

Dann marschiert er in Richtung des Großen Wagens (Norden?) in die Einöde. Dort muss er gegen verschiedene Fabelwesen kämpfen: die Phytoi, die anstatt Händen Sägen an ihren Armen haben, die menschenfressenden Melophagen und die kahlköpfigen Ochliten.

Er kommt an einen Fluss, an dem Bäume stehen, die am Vormittag wachsen und am Nachmittag schrumpfen. Auf dem Grund des Flusses liegen schwarze Steine. Als seine Soldaten die Bäume anschneiden, werden sie von unsichtbaren Wesen geschlagen, als sie die Steine berühren, werden sie ebenso schwarz wie diese. Die Fische, die im Fluss leben, werden gar, wenn man sie in kaltes Wasser legt. Auch Vögel leben in diesem Fluss. Bei Berührung speien sie Feuer.

Dann kommt Alexander zu den Ichtyophagen, welche keine Köpfe haben und Seefisch jagen. Auch sammeln sie Pilze, die bis zu fünfundzwanzig Pfund schwer sind. Durch eine zehntägige Wanderschaft kommen er und seine Truppen an ein Meer und sehen eine Insel vor der Küste. Als sie sich dieser nähern, verkündet eine Stimme Alexander, dass er mit dreißig sterben werde. Die Soldaten, die es wagen die Insel zu betreten, werden von Riesenkrebsen getötet. Wieder am Strand lässt der Makedonenkönig eine Tauchglocke errichten, um den Meeresgrund zu erforschen. Sein Vorhaben wird jedoch durch einen riesigen Fisch vereitelt, der die Vorrichtung zerstört bevor er auf dem Meeresboden ankommt.

Von dort zieht die Armee weiter ins Land der Seligen, in dem die Sonne nicht scheint. In der Finsternis finden sie Gold und Perlen in Mengen. Durch Zufall entdeckt ein Koch des Königs den Quell des Lebens, der Tote beleben kann und unsterblich macht. Er trinkt davon und nimmt etwas Wasser in einer Flasche mit. Dem König und dem Rest des Gefolges verheimlicht er aber seinen Fund. Da erscheinen zwei Vögel mit menschlichen Köpfen. Sie befehlen Alexander umzukehren, weil dies das Land Gottes sei und er die Inseln der Seligen nicht betreten dürfe. Er solle nach Osten gegen König Poros ziehen. Alexander erkennt, dass er ans Ende der Welt gekommen ist und befolgt die Anweisungen.

Als er und seine Truppen die Finsternis wieder verlassen haben, verführt der Koch die Kalé, eine uneheliche Tochter Alexanders, indem er sie mit dem Wasser aus der Quelle unsterblich macht. Alexander verstößt seine Tochter aus Neid und lässt den Koch an einem Mühlstein im Meer versenken.

Um sicher zu gehen, dass er wirklich am Ende der Welt sei, will Alexander die Region aus der Luft erforschen. Dazu hängt er einen Korb an zwei Vögel und lässt sich von diesen in die Lüfte tragen. Doch ein Engel hält ihn auf und schickt ihn zurück.

 

Ende Buch II

 

Die Tauchfahrt Alexanders des Großen, Miniaturmalerei der "Histoire du bon roi Alexander" um 1320, Berlin Kupferstichkabinett Staatl. Museen Preußischer Kulturbestiz.

 

Indien (3,1-3,17)

 

Durch wasserarme Einöden führt Alexander seine Armee Richtung Indien. Da meutern die makedonischen und griechischen Truppen – sie haben genug vom Kriegführen. Doch dem Makedonenkönig gelingt es sie mit einer flammenden Rede, in der er droht, notfalls allein mit seinen persischen Verbänden weiter zu ziehen, wieder für sich zu gewinnen.

Als das Heer Alexanders Indien erreicht, zieht ihm der indische König Poros mit seiner Streitmacht entgegen. Es kommt zur Schlacht. Bukephalos, das Pferd Alexanders, fällt vor Erschöpfung, sodass sich dieser aus dem Kampf zurückziehen muss. Die Armeen ringen zwanzig Tage miteinander, und die Truppen des Makedonenkönigs beginnen, die Waffen zu strecken. Da fordert Alexander König Poros zum Zweikampf. In diesem wird der Inder durch Unruhen in seinen eigenen Reihen abgelenkt. Er blickt sich um, wird von Alexander zu Fall gebracht und getötet. Die indischen Truppen wollen den Kampf aus Angst vor Gefangenschaft wieder aufnehmen. Doch weil Alexander eine Niederlage befürchtet, verspricht er den Indern die Freiheit, wenn sie sich entschließen, abzuziehen. Dadurch kann er die Schlacht für sich entscheiden.

Er lässt Poros mit königlichen Ehren beerdigen und besucht die asketisch lebenden Gymnosophisten, die Brahmanen. Mit diesen führt er ein philosophisches Gespräch. Dann zieht Alexander weiter nach Prasiake, der ehemaligen Hauptstadt des Poros. Dort trifft er auf sprechende Bäume, die ihm weissagen, dass er bald in Babylon von seinen eigenen Leuten ermordet werden werde. Auch seine Mutter und seine Frau seien des Todes.

Von dort marschiert er zum südlichen Okeanos. Dort trifft er auf märchenhafte Wesen: Menschen mit Tierköpfen und solche ohne Kopf, die Augen und Mund auf der Brust haben. Er fährt mit seinem Gefolge auf eine Insel hinüber. Dort sehen sie die Stadt des Sonnengottes Helios, die aus Gold und Smaragden errichtet ist. Doch dessen Priester schickt sie fort. Sie gelangen zum Hafen von Lyssos, wo sie einen Berg besteigen. Dort sehen sie Gebäude aus Gold und Silber sowie einen Tempel aus Saphir. Darin befindet sich ein Vogel in einem Käfig. Dieser befiehlt Alexander nicht weiter in himmlische Bereiche vorzudringen, sondern umzukehren. Alexander kehrt daraufhin zurück nach Persien.

 

Die letzten Erkundungen (3,18-3,29; 3,28-3,34)

 

Der Makedone erhält Geschenke von Königin Kandake von Beroe (Äthiopien). Durch seine Hilfe gelingt es deren Sohn Kandaules, seine Frau wieder zu bekommen. Diese hatte der Tyrann der Bebryker auf der Reise zu einem Mysterienfest der Amazonen geraubt. Daraufhin besucht Alexander die dankbare Königin und wird von ihr reich beschenkt. Auf dem Rückweg kommt er zu einem Ort, der Wohnung der Götter genannt wird. Dort trifft auf Männer aus deren Augen Blitze schießen. Der frühere Weltherrscher Sesonchosis, der dort lebt, weissagt ihm, dass er in Alexandria beerdigt werden wird. Auch werde die Stadt für alle Zeit seinen Ruhm sichern.

Da zieht Alexander zu den Amazonen, die auf einer Insel im Fluss Thermodon leben. Diese stellten ihm Tribut und Truppen. Im Kaukasus schließt er die unreinen Völker der Gog und Magog hinter ehernen Toren ein.

 

Alexanders Tod (3,30-3,27)

 

Alexander kehrt nach Babylon zurück. Dort erscheint ein Zeichen, das seinen baldigen Tod verkündet. Antipater, sein Statthalter in Makedonien, gerät unterdessen in Streit mit der Königsmutter Olympias. Der Makedonenkönig will ihn absetzten. Aus Angst vor Bestrafung schickt der Stadthalter nun seinen Sohn mit Gift nach Babylon, um Alexander zu töten. Dieser verbündet sich mit Iullos, Alexanders Mundschenk, und Medios, einem weiteren Gefolgsmann. Beide hatte der König durch Kränkung gegen sich aufgebracht. Gemeinsam vergiften sie ihn.

Auf dem Totenbett nimmt Alexander von seinen makedonischen Truppen abschied. Seinen männlichen Erben bestimmt er zu seinem Nachfolger. Da fährt ein Stern vom Himmel herab auf das Meer. Als sich er sich wieder zum Himmel erhebt, folgt ihm ein Adler. Sobald der Stern am Himmel verschwunden ist, verstirbt Alexander.

Sogleich streiten sich Perser und Makedonen um seinen Leichnam. Da befiehlt das Orakel des babylonischen Zeus, er solle in Memphis begraben werden. Doch der Priester in Memphis schickt den Leichnam fort, weil er Bürgerkämpfte befürchtet. So nimmt Ptolemaios ihn mit nach Alexandria und errichtet ihm dort ein Grabmahl.

Alexander ist zweiunddreißig Jahre alt geworden. Er hat zweiundzwanzig Barbarenvölker und vierzehn Hellenenstämme unterworfen und gründete 12 Städte. Er starb im Jahr der Welt 5176, im letzten Jahr der 113. Olympiade. Vom Tode Alexanders bis zur Fleischwerdung des Wortes Gottes aus der Jungfrau sind es 324 Jahre.

 

Ende Buch III

 

TL

Stammbaum der wichtigsten Bearbeitungen und Beeinflussungen

 

 

Empfohlene Literatur:

 

Merkelbach, Reinhold: Die Quellen des Griechischen Alexanderromans. München 1977 (=Zetemata 9).

 

Pfister, Friedrich: Der Alexanderroman mit einer Auswahl aus den verwandten Texten. Meisenheim 1978.

 

Id.: Kleine Schriften zum Alexanderroman. Meisenheim 1976.

 

Ross, David J. A.: Studies in the Alexander Romance. London 1985.

 

Id.: Alexander Historiatus. A Guide to medieval illustrated Alexander Literature. Frankfurt/M 1998 (=Beiträge zur Klassischen Philologie Bd.186).

 

Seibert, Jakob: Alexander der Große. Darmstadt 1972 (=Erträge der Forschung Bd.10).

 

Van Thiel, Helmut (Hrsg.): Leben und Taten Alexanders von Makedonien. Der griechische Alexanderroman nach der Handschrift L. Darmstadt 1983.

 

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