Zeugnisse über Alexander den Großen

 

Eine Figur mit einer solch überwältigenden historischen Wirkungskraft wie Alexander hat verständlicherweise großen Eindruck auf die Menschen aller Epochen gemacht, positiv wie auch negativ. Die Sammlung der hier aufgeführten Zitate soll versuchen, ein Schlaglicht auf die Meinungen bedeutender Persönlichkeiten über Alexander zu werfen.

 

In kurzer Zeit hat dieser König große Taten vollbracht. Dank seiner eigenen Klugheit und Tapferkeit übertraf er an Größe der Leistungen alle Könige, von denen die Erinnerung weiß. In nur zwölf Jahren hatte er nämlich nicht wenig von Europa und fast ganz Asien unterworfen und damit zu Recht weithin reichenden Ruhm erworben, der ihn den alten Heroen und Halbgöttern gleichstellte. (Diodor, griechischer Historiker, 1. Jh. v. Chr.)*

 

Den unglücklichen Alexander trieb seine Zerstörungswut sogar ins Unerhörte. Oder hältst du jemanden für geistig gesund, der mit der Unterwerfung Griechenlands beginnt, wo er doch seine Erziehung erhalten hat? [...]

Nicht zufrieden mit der Katastrophe so vieler Staaten, die sein Vater Philipp besiegt oder gekauft hatte, wirft er die einen hier, die anderen dort nieder und trägt seine Waffen durch die ganze Welt. Und nirgends macht seine Grausamkeit erschöpft halt, nach Art wilder Tiere, die mehr reißen als ihr Hunger verlangt. (Lucius Annaeus Seneca, röm. Philosoph und Staatsmann, ~4 v. – 60 n. Chr.)*

 

Wäre er bis an sein Lebensende so maßvoll und besonnen geblieben, er wäre glücklicher gewesen ... und zweifellos Sieger geblieben über zwei sonst unbesiegliche Übel: den Stolz und den Zorn ... Zuletzt war er nicht mehr imstande, seine ganze Größe zu bewältigen. (Quintus Curtius Rufus, römischer Historiker, vermutlich 1. Jh. n. Chr.)

 

Der junge Held lieferte drei Schlachten, und Kleinasien, Syrien, Phönizien, Ägypten, Libyen, Persien, Indien war sein. Ja, er hätte bis zum Weltmeer gehen können, wenn nicht seine Macedonier, klüger als er, ihn zum Rückzug gezwungen hätten. So wenig in all diesem Glück ein Wunder war, so wenig war’s ein neidiges Schicksal, das ihm in Babylon sein Ende machte. Welch ein großer Gedanke zwar, von Babylon aus die Welt zu reigieren, eine Welt, die vom Indus bis gegen Libyen, ja über Griechenland bis zum Ikarischen Meer reichte! Welch ein Gedanke, diesen Weltstrich zu einem Griechenland an Sprache, Sitten, Künsten, Handel und Pflanzstätten zu machen und in Baktra, Susa, Alexandrien u.s.w. neue Athene zu gründen! Und siehe, da stirbt der Sieger in der schönsten Blüte seines Lebens; mit ihm stirbt alle diese Hoffnung, eine neuerschaffene griechische Welt! (Johann Gottfried von Herder, dt. Dichter, 1744-1803)**

 

Was ich an Alexander dem Großen liebe, das sind nicht seine Feldzüge, von denen wir uns keinen klaren Begriff machen können, sondern es ist die Kunst seiner Politik. Mit 33 Jahren hinterläßt er ein wohlgeordnetes ungeheures Reich, das seine Generale unter sich teilen. Er hatte die Kunst verstanden, sich die Liebe der von ihm besiegten Völker zu erwerben. Er hatte recht, den Dummkopf Parmenio töten zu lassen, der es tadelte, daß er seine griechischen Sitten aufgab. Es ist eine politische Großtat von ihm, daß er Ammon besuchte; auf diese Weise gewann er Ägypten. Wäre ich im Orient geblieben, so hätte ich wahrscheinlich ein Reich gegründet wie Alexander, ich wäre nach Mekka gepilgert und hätte dort meine Gebete verrichtet und Kniebeugungen gemacht. Aber ich hätte das nur getan, wenn es der Mühe wert gewesen wäre. (Napoléon I. Bonaparte, frz. Kaiser, 1769-1821)**

 

Der Mensch, in seinen höchsten und edelsten Kräften, ist ganz Natur und trägt ihren unheimlichen Doppelcharakter an sich. Seine furchtbaren und als unmenschlich geltenden Befähigungen sind vielleicht sogar der fruchtbare Boden, aus dem allein alle Humanität in Regung, Thaten und Werken hervorwachsen kann. So haben die Griechen, die humansten Menschen der alten Zeit, einen Zug von Grausamkeit, von tigerartiger Vernichtungslust an sich: Ein Zug, der auch dem ins Grotestke vergrößernden Spiegelbild des Hellenen, in Alexander dem Großen, sehr sichtbar ist, der aber in ihrer ganzen Geschichte, ebenso wie in ihrer Mythologie uns, die wir mit dem weichlichen Begriff der modernen Humanität ihnen entgegenkommen, in Angst versetzen muß. Wenn Alexander die Füße des Vertheidigers von Gaza, Batis, durchbohren läßt und seinen Leib lebend an seinen Wagen bindet, um ihn unter dem Hohne seiner Soldaten herumzuschleifen: so ist dies die Ekel erregende Karikatur des Achilles, der den Leichnam des Hektor nächtlich durch ein ähnliches Herumschleifen mißhandelt; aber selbst dieser Zug hat für uns etwas Beleidigendes und Grausen Einflößendes. (Friedrich Wilhelm Nietzsche, dt. Philosoph, 1844-1900)

 

Ich habe Alexander den Großen als einen der gebildetsten Männer seiner Zeit bewundert. Bis ich erkannte, dass alle großen Helden der Geschichte Massenmörder sind. (Maximilian Schell, zeitgenössischer Schauspieler und Regisseur)

 

Ich wäre gern Alexander der Große gewesen. Dem ging es nicht um Freiheit. Der war schon frei. Alexander war vollkommen kompromisslos.

(Mel Gibson, zeitgenössischer, us-am. Schauspieler)

 

Alexander war wie ein Rockstar, ein junger Mensch, der seine Vision hatte und sie weiter, weiter und weiter trieb... Er schaffte es bis ans Ende der Welt, es war ein Leben auf der Überholspur. (Oliver Stone, zeitgenössischer, us-am. Regisseur [u.a. der neuesten Alexanderverfilmung])

 

 

* zitiert nach Gehrke, Hans.Joachim: Alexander der Große, S. 9.

** zitiert nach Wirth, Gerhard: Alexander der Große, S. 145ff.

 

Sie kennen noch weitere Zeugnisse über Alexander? Immer her damit: alexander@gibs.info

 

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