Das Bild Alexanders im Lauf der Geschichte

 

Nicht nur in der Gegenwart, auch in der Antike war das Bild Alexanders alles andere als einheitlich. Wo Diodor den Makedonen in überschwenglichen Worten rühmt:

 

"In kurzer Zeit hat dieser König große Taten vollbracht. Dank seiner eigenen Klugheit und Tapferkeit übertraf er an Größe der Leistungen alle Könige, von denen die Erinnerung weiß. In nur zwölf Jahren hatte er nämlich nicht wenig von Europa und fast ganz Asien unterworfen und damit zu Recht weithin reichenden Ruhm erworben, der ihn den alten Heroen und Halbgöttern gleichstellte." (Diodor 17,1,3 f.)

beschreibt der römische Philosoph Seneca Alexander als einen Verrückten, der von seiner Machtgier getrieben die ganze Welt verwüstet:

 

"Den unglücklichen Alexander trieb seine Zerstörungswut sogar ins Unerhörte. Oder hältst du jemanden für geistig gesund, der mit der Unterwerfung Griechenlands beginnt, wo er doch seine Erziehung erhalten hat? [...]

Nicht zufrieden mit der Katastrophe so vieler Staaten, die sein Vater Philipp besiegt oder gekauft hatte, wirft er die einen hier, die anderen dort nieder und trägt seine Waffen durch die ganze Welt. Und nirgends macht seine Grausamkeit erschöpft halt, nach Art wilder Tiere, die mehr reißen als ihr Hunger verlangt." (Seneca, Epistulae morales 94, 62)

In diesem Kapitel wollen wir uns der Rezeptionsgeschichte des Alexandermythos‘ widmen, den vorherrschenden Bilden und Deutungsmustern, die von der Antike über das Mittelalter bis in die Gegenwart an die Person Alexander herangetragen wurden.

Die Antike und ihre Rezeption hatten und haben bis in die Gegenwart einen großen Einfluss auf die Entwicklung der europäischen und mediterranen Gesellschaften. Globale und regionale Konflikte können nur angemessen beurteilt werden, wenn schon die in der Antike angelegten Zusammenhänge rekonstruiert und gegenwärtige Phänomene als Folge antiker Ursachen identifiziert werden. Zu diesem Zweck wird an der Humboldt-Universität (http://www.hu-berlin.de/) ein Antikezentrum eingerichtet, das sich speziell mit dem Fortleben antiker Einflüsse in vormoderner und moderner Zeit beschäftigen wird. Die Rezeption der Antike ist ein wichtiges Forschungsfeld, deren Gegenwartsbezug leicht unterschätzt wird.

Aus diesem Grund wird die Rezeptionsgeschichte Alexanders einen wichtigen Kern des Alexanderprojektes ausmachen.

Den Anfang macht ein Text über den Alexanderroman, der das Bild des Makedonen in Spätantike und Mittelalter entscheidend geprägt hat.

Zusätzlich finden sich jetzt auch einen Artikel über die Imitatio Alexandri - den Alexanderwahn der römischen Kaiser. Daran anschließend beschäftigt sich der Artikel Alexander und die göttliche Schlange mit der sagenhaften Zeugung des Makedonenkönigs durch einen Gott in Schlangengestalt und der Rezeption dieser Legende in augusteischer Zeit.
In Alexander, die neuf preux und die Herzöge von Burgund wird die mittelalterliche Rezeption des Makedonen als beispielhaften Held behandelt. Der Schwerpunkt liegt hierbau auf der Alexanderimitation am burgundischen Hof des 14. und 15. Jahrhunderts.

Bis zur Aufklärung war in Europa die Religion entscheidend für das Weltbild der Menschen. Sowohl der fundamentalistische Islam als auch fundamentalistisch christliche Anschauungen in den USA führen uns vor Augen, dass Religion auch heute noch einen großen Einfluss auf das Zusammenleben auf unserem Planten hat.

Alexander und die Heilige Schrift befasst sich nun damit, wie der Makedonenkönig in den Schriften und Lehren des Juden- und Christentums sowie des Islams dargestellt und bewertet wird.

JK/TL


 

Falls Sie sich für Zeugnisse über den großen Heerführer interessieren, inklusive der oben zitierten von Seneca und Cicero, klicken sie hier.