Alexander der Große - auch auf der Leinwand siegreich?

Alexander wurde als Sohn des makedonischen Königs Philipps II. geboren. Zu seinen Lehrern gehörte mit Aristoteles einer der bedeutendsten Philosophen der Menschheitsgeschichte. Als der Prinz gerade zwanzig Jahre alt war, wurde sein Vater ermordet. Entschlossen gelang es Alexander, sich den Thron zu sichern. Durch Gewalt unterwarf er die griechischen Staaten und zog mit ihnen gegen den persischen Großkönig. Dessen Reich erstreckte sich vom Westen der heutigen Türkei und Ägyptens bis nach Indien.

In der Schlacht am Granikos sowie bei Issos und Gaugamela besiegte er die Perser und machte sich selbst zu ihrem Herrscher. Ägyptische Priester ernannten ihn zum Sohn des Gottes Zeus. Siegend drang er mit seinen Truppen nördlich bis ins heutige Usbekistan/Tadschikistan und östlich bis in das heutige Grenzgebiet zwischen Pakistan und Indien vor – weiter als je ein Europäer vor ihm. Doch am Hyphasis, einem Nebenfluss des Indus, meuterten seine Truppen: Sie wollten zurück in die Heimat.

In einem mörderischen Marsch durch die gedrosische Wüste (heute Belutschistan) kehrte Alexander ins iranische Hochland zurück. Als neuer Großkönig zog er gottgleich in die persische Hauptstadt Susa ein. Sein Reich erstreckte sich von Griechenland bis Indien. Schon plante er einen neuen Feldzug nach Arabien. Doch ein Jahr nach seiner Rückkehr erkrankte er an einem Fieber, dem er 32jährig am 10. Juni 323 v. Chr. erlag.

 

Eigentlich ist dies der Stoff aus dem Hollywoodträume sind. Und dennoch wurde er bislang nur ein einziges Mal filmisch umgesetzt. 1956 gewann Robert Rossen die Schauspieler Richard Burton und Fredric March für seinen Alexander the Great. Doch auch diese Stars waren nicht in der Lage, das langweilige Drehbuch und das mangelhafte Budget des Films auszugleichen.

Fast vierzig Jahre später präsentiert nun Oliver Stone seine Version der Alexandergeschichte. Wenigstens am Budget hat es nicht gemangelt: 150 Millionen Dollar standen dem dreifachen Oscar-Preisträger zur Verfügung. Teilweise waren bis zu 1400 Statisten im Einsatz. Die Rolle Alexanders besetzte Stone mit dem irischen Jungstar Colin Farrel. Seine Filmeltern Philipp II. von Makedonien und Olympias werden durch die etablierten Hollywoodgrößen Val Kilmer und Angelina Jolie verkörpert. Den Ptolemäus, einen General Alexanders, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, gibt Anthony Hopkins. Gedreht wurde in Marokko, Thailand, Indien und auf Malta sowie in den Pinewood Studios in London. Die historische Authentizität sollte der Alexanderexperte Robin Lane Fox sicherstellen.

Doch trotz der Starbesetzung und des gewaltigen Aufwandes ist das Presseecho gespalten:

 

Sehnsucht, Liebe und Verrat: Oliver Stones „Alexander“ wirft einen faszinierenden Blick in die gebeutelte Seele des jüngsten Weltherrschers. (Focus 50/2004)

 

Oliver Stones "Alexander" ist ein ambitionierter Versuch, einem komplexen Superhelden der Geschichte gerecht zu werden. Wie immer ist er seiner Sache mit Leidenschaft nachgegangen. Doch vor lauter Sorge ums historische Detail sind ihm seine Figuren aus dem Blick geraten. Fast alle Schauspieler agieren hilflos. Ihre Rollen sind eindimensional - eine Geschichtsstunde ohne Emotion. Ein blasser Colin Farrell kann wenig vom Charisma Alexanders vermitteln. Alexander der Große ist leider zu groß für Oliver Stone. (3sat Kulturzeit 03.12.2004)

 

Ein überwältigendes Gemetzel – Hollywood-Glanz für die Krieger des klassischen Altertums – nach Wolfgang Petersens „Troja“ kommt nun Oliver Stones „Alexander“ in die Kinos: ein Drei-Stunden-Epos mit reichlich monumentalem Pomp, doch wenig dramatischer Leidenschaft.“ (Der Spiegel 51/2004)

 

TL