Ein Wochenende in Tilleda

von Maic Gronych

 

Die Königspfalz am Fuße des Kyfhäusers unterhalb des Kyfhäuserdenkmals ist leider nicht ganz so bekannt wie zum Beispiel Örlinghausen oder Ribe (DK) – zu unrecht wie ich meine. Die Königspfalz ist eine Reise wert. Wie wir sie an einem Wochenende im Oktober 2004 gemacht haben.

Wir, das sind Alexandra Bode, meine Freundin, und ich, Maic Gronych. Wir kommen aus Braunschweig und stellen in unserer Freizeit das Leben des frühen Mittelalters dar und in der Zeitepoche hat es uns die Geschichte und Kultur der Wikinger angetan. In unserem Hobby präsentieren wir unterschiedliche Handwerke, an die wir uns anhand von Überlieferungen aus Schriften oder archäologischen Funden herantasten.

Im Oktober 2004 wurde in Tilleda ein Workshop angeboten. Man konnte unter der Aufsicht der beiden Archäologen Michael Dapper und seiner Frau Alexandra Dapper einige Versuche durchführen. Diese experimentelle Archäologie ist ein wichtiger Bestandteil für die heutige Wissenschaft und für alle, die sich dafür interessieren. Manchmal kann man nur so herausfinden, wie etwas gemacht wurde und auch warum.

Meine Freundin und ich hatten in der Vergangenheit unter fachmännischer Anleitung schon so manche Schüssel oder Topf aus Ton gedreht. Und sahen nun die Möglichkeit eines so genannten Feldbrandes. Wir schlugen in einem Vorgespräch Herrn Dapper den Feldbrand vor. Er fand dieses Experiment sehr interessant und gab grünes Licht.

Wir kamen bereits am Freitagabend in Tilleda an und durften uns eine Schlafstätte aussuchen. Wir nahmen die Gelegenheit am Schopf und baten um das Grubenhaus des Museums, und bekamen den „Zuschlag“. Wir richteten uns ein und bereiteten unser Nachtlager vor. Anschließend begrüßten wir unsere Mitstreiter für dieses Wochenende. Man kam ins Gespräch und wir stellten fest, dass die meisten der Anwesenden eigentlich „nur“ Hochmittelalter machten.

Am nächsten Morgen ging es los. Nach dem Frühstück würde die Grube für den Feldbrand, die bereits einige Tage zuvor ausgehoben und mit Lehm verkleidet wurde – mit einen Feuer getrocknet und vorgeheizt, um ein besseres Klima für den Brand zu erreichen. Nebenbei bat uns Herr Dapper, den Schmelzofen mit anzuheizen, was wir auch taten. Während des Trocknens der Grube stellten wir die zu brennende Tontöpfe an den Rand, um sie so gleich mit aufzuheizen.

Nach ca. zwei Stunden war die Trocknung und Aufwärmzeit um und wir ließen das Feuer wieder ausgehen. Wir begannen danach mit der Beschickung der Grube. Erst eine Lage Holz und dann eine Lage Stroh. Darauf kam die erste schicht Scherben dann wieder Stroh und wieder Scherben. Zum Schluss kam noch mal Stroh/ Holz / Stroh. Nun wurde die Grube durch die Luftlöcher an der Seite angezündet und darauf gewartet, dass die Grube komplett anfängt zu brennen. Doch leider ging das nicht so schnell, wie es in den Lehrbüchern steht. Denn weil es am Morgen Nebel gab, war das Stroh etwas feucht und es wollte sich nicht recht entzünden.

Zuerst haben wir mit Glut aus einem anderen Feuer versucht, eine höhere und konstante Zündtemperatur zu erreichen, um so ein besseres Ergebnis zu erzielen doch das stellte sich als nicht ausreichend heraus. Wir haben zusätzlich zu der Glut dann die Luftzufuhr erhöht und so eine besseren Kamineffekt erzielt. Das Feuer setzte sich nun in Gang und in kürzester Zeit war der gesamte Innenbereich der Grube am Brennen.

Die Grube wurde mit einem Weidengeflecht, dass mit Ton beschichtet wurde, abgedeckt, um zum einen die entstehende Wärme zu halten und zum zweiten den Verbrennungsprozess zu verlangsamen. Nach ca. zwei Stunden war der Deckel aber dermaßen durch das Feuer geschwächt, dass er in sich zusammenfiel und auf die darunter liegenden Töpfe stürzte.

Nach weiteren 2 Stunden haben wir die Grube in Augenschein genommen und uns das erste Resultat angeschaut. Die oberste Schicht der Keramik war am meisten beschädigt. Ob es an der eigenen Restfeuchte, Einschlüssen im Ton oder an dem zusammengebrochenen Deckel gelegen hat, war nicht ganz zu klären. Nach weiteren Entnahmen aus dem oberen Bereich ließen wir die Grube wieder in Ruhe und einigten uns, das endgültige Ergebnis erst am nächstem Tag anzuschauen, wenn alles abgekühlt ist.

Nun waren wir erst einmal ohne Aufgabe, doch zu tun gab es genug. Weitere Experimente, wie das Abfeuern einer Steinschleuder („Blide“) oder Töpfern auf der Scheibe waren angesagt. Nun dann, mal ran! An der Töpferscheibe versuchte ich mich auch, nachdem einige fehlende Möglichkeiten, die Füße abzustellen, beseitigt waren. Es ist sehr mühselig, ständig die Scheibe mit dem Fuß anzustoßen und in Schwung zubringen, anschließend die Arbeitshaltung einzunehmen, um dann den Ton zu formen und wieder von vorne zu beginnen. Der Muskelkater war vorprogrammiert. Nach einigen Fehlversuchen meinerseits habe ich dann doch einen Topf zustande gebracht.

 Die Zeit verflog wie der Wind und es wurde Abend. Es war ein Abendessen nach mittelalterlichen Regeln und Rezepten angesetzt. Und ich muss schon sagen: Das sind mir die liebsten Experimente! Nach dem 6-Gänge-Menü wurde noch bis spät in die Nacht am Feuer geredet.

Am Sonntagmorgen war es dann soweit: Die Grube wurde von der Asche und der Kohle sowie der Tonware befreit und es gab schöne aber auch traurige Momente. Es war besser verlaufen als gedacht. Nur 1/3 der gesamten Tonware war beschädigt oder kaputt. So manches Schmuckstück war darunter, doch einige schöne Stücke hatten es leider nicht geschafft.

Am Nachmittag hatten wir unser Lager im Grubenhaus geräumt und wieder ins Auto verfrachtet, um uns wieder auf den Heimweg zu machen. Wir verabschiedeten uns brav von allen und merkten, dass es doch sehr viel spaß gemacht hat, ein Wochenende lang in die Zeit der Königspfalz einzutauchen und mal was zu machen, was wir noch nie zuvor gemacht hatten.