Am Anfang einer Urkunde steht das Protokoll, dass sich in einige Unterkategorien aufteilt.

 

In dieser Urkunde jedoch befindet sich weder die Invocatio, die mit dem Chrismon die religiöse Absicherung der Urkunde gleich am Anfang festlegt, noch die Inscriptio, die den Empfänger der Urkunde nennt. Dies ist jedoch nichts ungewöhnliches, da wir ja wissen, dass nur Königs- und Papsturkunden nach diesem bestimmten Schema abgefasst wurden.

 

Was sich allerdings in unserer Urkunde befindet ist die Intitulatio. In ihr wird auf die Gottes Gnade des Königs verwiesen und der Aussteller der Urkunde wird genannt:

 

Dei gratia, Otto dux de Bruneswic, omnibus in perpetuum

Von Gottes Gnaden, Otto, Herzog von Braunschweig, allen in Ewigkeit. 

 

Als zweite Oberkategorie folgt dann der sogenannte Kontext. Auch er teilt sich in diverse kleine Abschnitte auf. Er beginnt mit der Arenga, die eine Begründung, allgemein oder religiös gehalten, enthält, warum die Urkunde abgefasst wurde:  

 

Cum omnia, que fiunt sub tempore mutabilitatem, temporis imitantia simul a memoria defluant hominum, nisi munimine scripturam et testibus confirmentur, decet nos ea, que a nobis racionabiliter ordinantur, proborum virorum testimoniis committere atque scriptis, nam scriptura, que sibi fuerint inpressa etiam hominibus morientibus, non patitur interire.

Da alle Dinge, die in der Wandelbarkeit der Zeit geschehen, durch die Zeitenfolge gänzlich aus dem Gedächtnis der Menschen entschwinden, wenn sie nicht mit dem Schutz von Schrift und Zeugen gesichert werden, ziemt es uns, das, was von uns vernünftigerweise angeordnet wird, den Zeugnissen rechtschaffener Männer und den Schriften anzuvertrauen, denn die Schrift leidet es nicht, daß das, was ihr auch von sterblichen Menschen eingegeben worden ist, verloren geht.

 

Darauf folgt die Promulgatio, die eine Verkündigungsformel enthält. Sie besagt, dass der Inhalt der Urkunde allen, jetzt und in der Zukunft; bekannt gemacht wird:

 

Audiat igitur presens etas et futura plenius intelligat et cognoscat,

Es möge also das gegenwärtige Zeitalter hören und das zukünftige es genauer verstehen und erkennen,  

 

Eine Narratio ist hier nicht vorhanden, d.h. es gibt keinen Teil, der die Vorgeschichte der Urkunde erläutert. Es folgt also das Herzstück der Urkunde: die Dispositio. Hier wird der eindeutige Rechtsinhalt festgelegt:

 

quod nos de heredum nostrorum uoluntate pariter et consensu molendinum nostrum ante valuam, ubi exitur uersus Wenethen, nouo hospitali, quod est apud longum pontem in veteri vico, posuimus in pignore pro octoginta marcis puri argenti tali condicione apposita et subiuncta, ut dictum hospitale omnem censum, quem debet soluere prehabitum molendinum, totaliter recipiat, quousque nos uel nostri heredes summam persoluerint antedictam.

daß wir gleichermaßen mit dem Willen und der Zustimmung unserer Erben unsere Mühle vor dem Tor, wo es gegen Wenden hinausgeht, dem neuen Hospital, das bei der langen Brücke in der Alten Wiek ist, zum Pfand gegeben haben für achtzig Mark reinen Silbers, mit der an- und hinzugefügten Bedingung, daß das besagte Hospital den ganzen Zins, den die vorgenannte Mühle zahlen muß, zur Gänze erhält, so lange bis wir oder unsere Erben die vorgenannte Summe ablösen.  

 

Immer noch zum Kontext gehört auch die Corroboratio. In ihr sind die Mittel der Beglaubigung, aber auch die Liste der Zeugen niedergeschrieben:

 

Ne ergo ista obligatio nulli dubia in posterum habeatur vel a nobis vel nostris heredibus infringatur, presentem paginam inde conscriptam et nostro sigillo insignitam in testimonium erogauimus ueritatis. Huius rei testes sunt Lutharhardus nobilis de Meinersem, Ekbertus senior de Asseborh, Henricus de Heimborh, Geuehardus de Bortvelte, Herewicus camerarius noster, Consules uero ciuitatis Conradus filius domine Sophie, Heinricus Engelardi filius, Ekbertus, Arnoldus de Calue, Hermannus filius domini Conradi, Johannes Longus, Hermannus filius Wluerammj, Heiso, Johannes prope sanctum Michahelem, Jordanis, Conradus Holtnycker, Henricus et Dauid fratres. Preterea Henricus Boneke, Henricus aduocatus, Hillebrandus de Luckenem, Ethelerus et alij quam plures.

Damit also diese Verpflichtung in Zukunft niemandes Zweifel unterliege und nicht durch uns oder unsere Erben gebrochen werde, ließen wir die vorliegende Seite daraufhin schreiben und mit unserem Siegel bezeichnen als Zeugnis der Wahrheit. Die Zeugen dieser Sache sind Lutharhard, Adliger von Meinersen, Ekbert der Ältere von Asseburg, Heinrich von Heimburg, Gerhard von Bortfeld, Herwig, unser Kämmerer, sowie die Konsuln der Stadt, Konrad, Sohn der Frau Sophia, Heinrich, Sohn des Engelhard, Ekbert, Arnold von Calbe, Hermann, Sohn des Herrn Konrad, Johann Lange, Hermann, Sohn des Wolfram, Heiso, Johann bei Sankt Michaelis, Jordan, Konrad Holtnicker, die Brüder Heinrich und David. Außerdem Heinrich Boneke, Heinrich der Vogt, Hildebrand von Luckenem, Etheler und viele andere.  

 

Den Abschluss einer Urkunde bietet das Eschatokoll. Zu diesem gehört sowohl die Signumzeile, die anstatt einer Unterschrift gesetzt wurde, als auch die Recognitionszeile, die das Recognitionszeichen des Notars bzw. Kanzlers enthält. Beides finden wir in unserer Urkunde nicht. Was wir jedoch vorfinden ist die Datierung oder auch Actum et datum-Formel genannt. Hier wird, wie der Name schon sagt, die Datierung und der Ort der Beurkundung aufgeschrieben:

 

Datum Bruneswic per manum Henrici notarij nostri. Anno dominice incarnationis .M°.CC°.L°. pridie idus marcij.

Gegeben zu Braunschweig durch die Hand unseres Notars Heinrich im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1250, am Vortag der Iden des März.  

 

Als letztes fehlt hier noch der Segenswunsch oder auch Apprecatio genannt. Allerdings muss hier auch Goetz einräumen, dass selbst Papst- und Königsurkunden nicht immer alle Elemente enthielten. Daher kann man dies auch bei einer Privaturkunde nicht immer erwarten, die ja nach keinen festen Regeln niedergeschrieben wurde.

 

Nun hast du den Aufbau der Urkunde zur Hand um dir zum Einen den Inhalt der Urkunde schneller erschließen zu können, denn durch die Einteilung hast du schon Informationen wie beispielsweise wer die Urkunde verfasst hat, ihren Zweck und für wen die Urkunde ausgestellt wurde.  

 

 

Gehe zu: