Schrift und Schriftbild der Urkunde


Es gibt Fälle, bei denen in Urkunden nachträglich oder auch während des Schreibvorgangs Korrekturen vorgenommen wurden, z.B. wenn sich der Schreiber verschrieben hatte und die Urkunde nicht für so wichtig befunden wurde, dass ein neues Pergamentblatt benutzt werden musste. In diesem Fall wurde die oberste Schicht des Pergaments an der zu korrigierenden Stelle abgekratzt und das Wort darauf erneut geschrieben. Solche Korrekturstellen sind sichtbar und zu Worten bzw. Buchstaben die auf solche abgekratzten Stellen geschrieben wurden, sagt man, dass sie „auf Rasur stehen“.  

In unserem Urkundenbeispiel finden wir einen solche Rasurstelle nicht. Aber es gibt andere Auffälligkeiten:  

Zunächst wirst du beim Lesen der Urkunde vielleicht festgestellt haben, dass das erste Wort in Zeile vier „inprella“ lautet, wie es auch in den bisher veröffentlichten Transkriptionen geschrieben wurde. Falls du nun versuchen solltest, eine Übersetzung dafür zu finden, wirst du ewig suchen dürfen, da es dieses Wort nicht gibt. Bei einem Vergleich der Buchstaben kannst du feststellen, dass die „ll“ etwas anders aussehen als die übrigen in der Urkunde. Das liegt daran, dass der Schreiber an dieser Stelle anstatt seiner übliche „ss“ die in älteren Königsurkunden übliche Schreibweise verwendet hat. Also heißt es nicht „inprella“ sondern „inpressa“.

 

Wenn du unser Beispiel nun übersetzen willst, wirst du in einem Wörterbuch auf „impressa“ verwiesen und findest darunter u.a.: eingeschärft/ aufgedrückt/eingebrannt.

 

Außerdem könnte dir beim Betrachten der Urkunde aufgefallen sein, dass die Schrift in den letzten drei Zeilen gedrängter wird und sich die Zeilenzwischenräume ebenfalls verengen. Das liegt daran, dass der Schreiber der Urkunde sich offensichtlich verschätzt hat und daher die letzten Zeilen enger geschrieben hat, damit der gesamte Text auf das Pergamentblatt passte und er nicht auf einem neuen Blatt von vorne beginnen musste (Pergament war teuer).  

 

Solche Erkenntnisse kann man nicht aus einer Urkundenedition gewinnen, sondern nur aus der Einsicht der Urkunde selbst. Daher solltest du, falls du die Möglichkeit dazu hast, immer die Originalurkunde einsehen.    

 

 

Literatursuche für den Kontext der Urkunde

 

Das Siegel

 

 

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