Das Siegel


Wenn du ein Siegel interpretieren möchtest, solltest du zunächst das Material des Siegels, die Form, Größe, den Erhaltungszustand des Abdrucks und die Siegelart benennen. Was du darunter verstehen sollst, schlägst du am besten in einem Handbuch für Siegelkunde nach, beispielsweise in:  

  • Stieldorf, Andrea: Siegelkunde. Hannover 2004. (= Hahnsche Historische Wissenschaften. Hrsg. von Elke Frfr. von Boeselager und Thomas Vogtherr. Bd. 2).

Bevor du jedoch selbst beginnst, solltest du nachforschen, ob das schon einmal jemand getan hat. Ein Siegel wurde von einem Herrscher nicht selten während seiner gesamten Herrschaftszeit oder zumindest für einige Jahre verwendet. In unserem Beispielfall sind wir in einem Katalog zu einer Ausstellung zu Heinrich dem Löwen, dem Großvater Ottos des Kindes, fündig geworden:

  • Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125–1235. Katalog der Ausstellung Braunschweig 1995. Bd. 1. Katalog. Hrsg. von Jochen Luckhardt und Franz Niehoff. München 1995.

Auf den Seiten 362 bis 364 sind verschiedene Siegel Ottos des Kindes abgebildet und beschrieben. Ein Siegel, das vom selben Typar, also dem Siegelstempel, stammt, ist unter der Katalognummer E27 aufgeführt. Achten musst du jedoch darauf, dass sich die Wachsfarbe und die Aufhängung des Siegels dort von unserem Siegel unterscheiden.
Das Siegel in unserem Beispiel besteht aus grünlichem Wachs, hängt an roten und gelben Seidenfäden und hat wie das Siegel im Katalog einen Durchmesser von 8,5 cm. Der Beschreibung im Katalog kannst du entnehmen, dass Otto das Kind dieses Siegel von 1229 bis zu seinem Tod am 9. Juni 1252 geführt hat. Die Umschrift des Siegels unserer Beispielurkunde ist beschädigt und du wirst Mühe haben, sie zu entziffern. Sie lautet: SIGILLUM OTTONIS DUCIS DE BRUNESWIC (Siegel Herzog Ottos von Braunschweig). Das Siegelbild zeigt einen heraldisch nach rechst schreitenden Löwen mit einem nach oben gebogenen Schwanz. Otto das Kind hat sich wahrscheinlich am Siegel seines Vaters, Wilhelm von Lüneburg, orientiert, der sich wiederum am Siegel seines Vaters, Heinrich dem Löwen, orientiert hat.

 

 

Literatursuche für den Kontext der Urkunde

 

Schriftbild der Urkunde

 

 

Gehe zu: