Part II: Land und Leute

Kapitel 2: Sightseeing: Schafe, Wasser und Fisch

 

Wie man leicht anhand des ersten Teils des Kapitelnamens erkennt ist dieses Kapitel hier mit dem vorigen in besonderer Weise verbunden, denn es handelt ebenso wie jenes von vom International Office organisierten Ausflügen. Damit es aber nicht langweilig wird, lockere ich diese Erzählung gleich zu Beginn mit einer Anmerkung zum isländischen Genussmittelmarkt auf, gewissermaßen parallel zu meiner Erwähnung der minzgefüllten Schokolade im letzten Kapitel. An einem der letzten Wochenenden hatte ich nämlich die Gelegenheit, eine der berühmt-berüchtigten Spezialitäten der Insel zu kosten – und zu riechen. Wobei ich aber anmerken möchte, dass entgegen der mir zuvor zugetragenen Berichte der Geruch des ‚rotten shark’ so schlimm gar nicht war. Diese im Deutschen (laut Reiseführer) appetitlich ‚Fermentierter Haifisch’ genannte Spezialität, heißt im Isländischen schlicht ‚hákarl’, also ‚Hai’ und ist auch genau das. Hai, der für einige Wochen vergraben wird bis er vergoren ist, dann an der Luft gelagert wird um zu reifen und schließlich in kleinen Stückchen serviert wird. Immer wieder wird man als Tourist die Information bekommen, dass der Geruch grässlich sei, es den Einheimischen aber augenscheinlich schmecke und man die Köstlichkeit nur mit Branntwein herunter bekäme. Nach Selbstversuch und einigen Beobachtungen möchte ich hier korrigierend anmerken: Der Geruch ist tatsächlich reichlich intensiv. Branntwein braucht es aber nicht zwingend für den Verzehr des Hais. Dessen Geschmack oder besser Konsistenz allerdings war mir persönlich weit unangenehmer als der Geruch – was wohl vor allem daran lag, dass ich ein sehr knorpeliges Stückchen hatte. Und ich habe durchaus auch Isländer gesehen, die vor der Spezialität schreiend das Weite suchten.

 

Das Weite suchten übrigens auch, und damit komme ich zum Sightseeing-Part des Kapitels, die Schafe beim Sortieren im Rahmen des Schafabtriebs. Die isländischen Schafe verbringen nämlich den Sommer freilaufend in den Bergen, werden dann im September von Reitergruppen zusammengesammelt und schließlich in spezielle Mauerringe getrieben, von denen seitlich kleine Kammern abgehen. Die Schafe werden dann aus dem großen zentralen Bereich in die einzelnen Farmen zugeordneten Nebenparzellen sortiert – was ihnen verständlicherweise nicht immer behagt. So wird sich der Besucher, der sich mitten unter die Schafe und Farmer begibt, bei diesem Ereignis sicherlich das ein oder andere Mal mit einer Schaf- Stampede konfrontiert sehen. Ein bemerkenswertes Ereignis ist es allemal, zudem tief in der isländischen Kultur verankert, so dass die Farmer es trotz des längst hinter den Kosten zurückgefallenen Nutzens weiterführen, da es nicht nur eine Erinnerung an die guten alten Zeiten sondern auch eine Gelegenheit für zünftige Feste bietet.

 

Einem solchen Ereignis konnten wir als Gaststudenten also im Rahmen eines Ausfluges beiwohnen. Und natürlich zeigte man uns neben diesem sehr islandtypischen Geschehen auch die typischen touristischen Sehenswürdigkeiten der Insel: den ‚Golden Circle’. Hierbei handelt es sich um drei Naturspektakel, die man im Rahmen einer Rundfahrt bequem an einem Tag von Reykjavik aus besuchen kann. Þingvellir hatte ich ja bereits erwähnt – und den Gullfoss, einen sehr malerischen Wasserfall, angekündigt. Der dritte Bestandteil der beliebten Rundfahrt ist das Geysir-Gebiet. Hier befindet sich neben einigen heißen Quellen auch der Namenspatron aller Springquellen, der große Geysir. Diesen wird man aber kaum in Aktion erleben können, obwohl er nach einer langen Zeit der beinahe vollständigen Inaktivität dank einiger tektonischer Veränderungen inzwischen wieder ein wenig häufiger aktiv wird. Den etwas kleineren Strokkur dagegen wird man schwerlich übersehen, da aus diesem Springquell alle paar Minuten eine bis zu dreißig Meter hohe Wassersäule emporschießt.

 

Besichtigt man die Springquellen zur richtigen Jahreszeit hat man übrigens auch die Gelegenheit in dem hügeligen Gebiet Blaubeeren zu sammeln. Diese sind wie ich meinen möchte eine der Leckereien der Insel, die tatsächlich Isländer und Touristen gleichermaßen schmackhaft finden.

 

Reykjavik den 12.11.2004

Christian Götter