Die Transkription der Urkunde


Wir wollen nun versuchen, die erste Zeile zu lesen: „Dei Gra. Otto dux de Brunswic omnib inppetuum. Cum omnia que fiunt sub ope mutabilitatem opis“. Allerdings stehen über einigen Worten verschiedene Zeichen und andere Worte erscheinen dir seltsam, falls du ein wenig Latein beherrschst. Mittelalterliche Schreiber kürzten viele Worte mit geläufigen Schreibweisen ab, um Platz zu sparen, da Pergament teuer war und der Text einer Urkunde die Blattgröße nicht überschreiten durfte. Um die Abkürzungszeichen zu entschlüsseln, benutzt du ein dir wahrscheinlich unbekanntes Hilfsmittel, den oben erwähnten Cappelli

  • Cappelli, Adriano: Lexicon abbreviaturarum. Wörterbuch lateinischer und italienischer Abkürzungen, wie sie in Urkunden und Handschriften, besonders des Mittelalters, gebräuchlich sind. Leipzig 1928.

Zunächst schlägst du darin das etwas seltsam aussehende „gra“ nach. Du wirst herausfinden, dass diese Abkürzung für „gratiam“ steht. Allerdings passt „gratiam“ im grammatischen Zusammenhang nicht, du benötigst den Ablativ „gratia“, da „dei gratia“ übersetzt „von Gottes Gnaden“ heißt. Mit den anderen Abkürzungen verfährst du genauso. Für einige wirst du keinen Eintrag finden. In diesen Fällen solltest du auf den ersten Seiten im Cappelli nachschlagen. Dort findest du allgemeine Abkürzungen, die in beinahe jedem Wort verwendet werden können bzw. häufig benutzte Abkürzungen. Um das ganze hier abzukürzen: In unserem Fall haben wir Glück, da die Urkunde bereits transkribiert wurde, d.h. in die heutige Schrift übertragen wurde. Die Transkription findest du im Braunschweiger Urkundenbuch:  

  • Hänselmann, Ludwig (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Braunschweig. Bd.2. Braunschweig 1900. S.54–55.

Wie findest du aber eine Transkription deiner Urkunde? Bevor du eine Urkunde transkribierst, solltest du zunächst herausfinden, worum es in der Urkunde im Groben geht, wer sie ausgestellt hat und wann sie ausgestellt wurde. Dazu kannst du das Findbuch des Archivs nutzen, in dem die Urkunde aufbewahrt wird: Du schlägst die Signatur der Urkunde nach und wirst meist ein kurzes Regest finden, d.h. eine kurze Inhaltsangabe, die Angabe zur Überlieferung der Urkunde und eine Beschreibung ihres Aussehens. In unserem Fall findest du unter der Archivsignatur der Urkunde (AIII 10:9) die Angabe, dass Otto das Kind im Jahr 1250 dem Marienspital die Wendenmühle verpfändet habe.

Nachdem du im Findbuch des Archivs oder durch eigene Durchsicht der Urkunde Informationen eingeholt hast, solltest du in einem passenden Urkundenbuch nachschlagen und versuchen, die Urkunde zu finden. Wenn du besonders viel Glück hast, findest du sogar eine Übersetzung. Ein Beispiel dazu: Die Urkunde handelt von einer Stiftung an das Kloster Walkenried. Dann solltest du im Urkundenbuch des Klosters Walkenried nachschauen.

Wir haben nun also eine Transkription, die du entweder selbst angefertigt hast oder aus einer Edition entnommen hast (im zweiten Fall solltest du das auch in der Hausaufgabe oder Hausarbeit angeben). In unserem Fall haben wir die Transkription aus dem „Urkundenbuch der Stadt Braunschweig“ als Basis benutzt, aber nach Durchsicht und Abgleich mit der Urkunde einige Veränderungen vorgenommen. 

 

Hier findest du unsere Trankskription.

 

In einem Urkundenbuch findest du meist auch ein kurzes Regest. In unserem Fall ist im „Urkundenbuch der Stadt Braunschweig“ lediglich angegeben, dass sich das Original im Stadtarchiv befindet, dass das Siegel Ottos an roten und gelben Seidenfäden hängt und dass auf der Rückseite der Vermerk "de molendio ante valvam Slavorum" steht. Außerdem sind andere Editionen, in denen die Urkunde vor dem Erscheinen des Braunschweiger Urkundenbuchs abgedruckt war, angegeben, u.a. das Asseburger Urkundenbuch Bd. 1, S. 180. Zudem ist die Transkription mit einer sehr kurzen Inhaltsangabe überschrieben: „1250 März 14 Braunschweig. Herzog Otto verpfändet dem Marienspitale die Wendenmühle.“[1]

Im Asseburger Urkundenbuch findest du auf der angegebenen Seite ebenfalls die Transkription der Beispielurkunde, allerdings enthält das Regest mehr Informationen:

„259. Herzog Otto von Braunschweig verpfändet dem Hospitale U.L. Frauen in Braunschweig die Wendenmühle daselbst für achtzig Mark. Braunschweig 1250, März 14.“[2]

Wir wissen nun, dass Otto das Kind der Aussteller der Urkunde sein müsste, die Urkunde am 14. März 1250 ausgestellt wurde, und dem Marienspital durch Otto die Wendenmühle verpachtet wurde (einige Informationen konntest du bereits bei Durchsicht der Urkunde ermitteln).
Nun müssen wir versuchen, eine Übersetzung der Urkunde zu finden oder sie selbst zu übersetzen.

 

 

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[1] Hänselmann, Ludwig (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Braunschweig. Bd. 2. Braunschweig 1900. S. 54.

[2]Asseburger Urkundenbuch. Bd. 1. Hrsg. von J. Graf von Bocholtz-Asseburg. Hannover 1876 (Nachdruck Osnabrück 1975). S. 180.