Nachbeben. Was leisten Erinnerungsromane?

Das Historische Seminar der TU Braunschweig und www.GiBS.info – Internetportal Geschichte in Braunschweig e.V. veranstalteten am 11. Dezember 2008 um 19.00 Uhr im Hörsaal SN 19.4 (TU-Altgebäude) eine Gesprächsrunde zum Thema Geschichte und Literatur. Hierzu wurden der Braunschweiger Historiker Hans-Ulrich Ludewig und der Münchner Schriftsteller Hans-Günter Melchior erwartet.

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Nachbeben. Was leisten Erinnerungromane?
mit Dr. phil. Hans-Ulrich Ludewig & Dr. jur. Hans-Günter Melchior

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In den letzten Jahren ist eine Fülle von Erinnerungsliteratur entstanden, worin bekannte und weniger bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller deutschen Familiengeschichten nachspüren. Jedesmal trifft hier die allgemeine Geschichte auf die individuellen Geschichten der Beteiligten, deren Erlebnisse, Erinnerungen und nachträgliche Einschätzungen. Es ist genau dieser Reibungspunkt, der das eigentliche Movens dieser Texte ausmacht.

Anders als die Historiographie bedient sich diese Erinnerungsliteratur der Fiktion und literarischer Mittel zur (historischen) Erkenntnis. Selbst wenn reale Familiengeschichten detailgetreu rekonstruiert werden, werden sie um fiktive Elemente ergänzt, wo die Quellen für eine plausible Schilderung damaliger Wahrnehmungen fehlen.

Wie ist das Verhältnis zwischen Literatur und Geschichte? Verschafft uns die jüngste Erinnerungsliteratur neue Zugänge zur deutschen Vergangenheit und zum Nationalsozialismus? Macht sie unser Bild davon facettenreicher? Oder erweckt sie gar eine so starke Einfühlungnahme mit einzelnen Zeitgenossen, daß der Leser den historischen Kontext aus den Augen verliert?
 

Das sind Fragen, denen wir im Gespräch mit dem Braunschweiger Historiker Hans-Ulrich Ludewig und dem Münchner Schriftsteller Hans-Günter Melchior anhand ausgewählter Erinnerungsromane nachgehen wollten.

 

Dr. phil. Hans-Ulrich Ludewig ist Akademischer Direktor a.D. am Historischen Seminar der Technischen Universität Braunschweig. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte des Landes Braunschweig, u.a. zum Sondergericht Braunschweig 1933-1945 und zur Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft im Land Braunschweig 1939-1945.


Dr. jur. Hans-Günter Melchior ist Schriftsteller und Vorsitzender Richter a.D. einer großen Strafkammer am Landgericht München I. Seine Romane und Erzählungen spiegeln v.a. die Orientierungslosigkeit des modernen Menschen. Sie schildern die Not von Individuen, die nach dem Verlust traditioneller Gewißheiten mehr und mehr auch den Glauben an die Vernunft verlieren.

 

Moderation: Kai Drewes und Lars Strominski

 

Besprochen wurden:

Ulla Hahn: Unscharfe Bilder. Roman,

278 S., München: Deutsche Verlagsanstalt, 2003.

Reinhard Jirgl: Die Unvollendeten. Roman,

250 S., München-Wien: Carl Hanser Verlag, 2003.

Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders,

158 S., Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2003.