Alexander und die göttliche Schlange

Alexanders Zeugung

 

Ferner wurde einmal eine Schlange beobachtet, die ausgestreckt neben der schlafenden Olympias lag, und es wird uns berichtet, dass dies mehr als alles andere das Feuer der Zuneigung Philipps zu seiner Frau erkalten ließ …

Plutarch erzählt diese Anekdote in seiner Biographie Alexanders des Großen. Als dessen Vater, der Makedonenkönig Philipp II., darüber Rat beim Orakel von Delphi einholte, soll ihm der Gott Apoll offenbart haben, dass er dem Ammon opfern solle, denn diesen Gott habe er bei seiner Frau liegen sehen, und von diesem werde sie auch ein Kind empfangen. Diese Darstellung verbindet zwei unterschiedliche Berichte über Alexander den Großen und seine Mutter: Zum einen ist dies die propagierte Abstammung Alexanders des Großen von Zeus-Ammon, zum anderen die Erzählung, dass seine Mutter Olympias eine besondere Affinität zu zahmen Schlangen gehabt haben soll.
Bei seinem Eroberungszug nach Ägypten besuchte Alexander den Tempel des Ammon in der Oase Siwa in der libyschen Wüste. Von den dortigen Priestern ließ er sich zum Sohn des Gottes erklären. Die Widderhörner, die Erkennungszeichen des ägyptischen Gottes, den die Griechen mit ihrem obersten Gott Zeus gleichsetzten, finden sich daher auch auf den Alexandermünzen seiner Nachfolger.

Münze des Lysimachos mit dem gehörnten Abbild Alexanders auf der Vorderseite. Der Schriftzug auf der Rückseite lautet "[Münze] des Königs Lysimachos".

Über Olympias berichtet Plutarch, sie habe sich wie alle Frauen Makedoniens zu orphischen Riten und orgiastischen Feiern zu Ehren des Gottes Dionysos hingezogen gefühlt. Hierbei habe sie die Sitten der Thraker imitiert, die sich durch besonders aufwendige und übertriebende Kultformen auszeichnen sollen. Bei diesen Feiern hätten sich die Frauen und besonders auch Olympias mit gezähmten Riesenschlangen umgeben. Noch Lukian im 2. Jahrhundert n. Chr. weiß von solchen Schlangen zu berichten, die die makedonischen Frauen als Haustiere halten und wie Säuglinge an die Brust nehmen würden.
Die Darstellung der Olympias mit der Schlange findet sich auch auf den Kontorniaten des 4. und 5. Jahrhunderts n. Chr. Diese Medaillons verherrlichen häufig Gestalten der griechischen und römischen Mythologie. Andreas Alföldi sieht sie aus diesem Grund als Propagandamedium der heidnischen Aristokratie Roms gegen die christlichen Kaiser. Die Darstellung der göttlichen Zeugung Alexanders, die für Christen nicht akzeptabel war, fügt sich gut in diese Interpretation ein (siehe hier).

Nereiden, die auf einem Seedrachen und einem Triton reiten auf dem 'Altar des Domitius Ahenobarbus', Glyptothek, München.

Die Assoziierung der Olympias mit schlangenartigen Wesen hat jedoch noch einen zweiten Ursprung: Die makedonische Königin stammte aus dem Geschlecht der Molosser, dem Herrscherhaus des Landes Epirus im heutigen Albanien. Dieses führte seine Abkunft von dem homerischen Held Achilles ab. In diesem Sinne wurde Olympias auch mit der Nereide (Meeresnymphe) Thetis, der Mutter des Achilles, identifiziert. Ein Erkennungsmerkmal der Nereiden war jedoch ein Ketos, eine Seeschlange. Besonders in der Spätantike wurde Olympias auf Medaillons mit Thetis identifiziert. So sind Doppelportraits mit dem Abbild der Molosserin auf der einen und dem der Nereide mit einem Seeungeheuer auf der anderen Seite überliefert (siehe hier).
In diesem Zusammenhang ist auch die Legende bei Pausanias zu sehen, dass der messenische Heros Aristomenes von Pyrrhos, dem Sohn der Thetis, gezeugt worden sei. Dieser habe Nikoteleia, der Mutter des Aristomenes, in Gestalt einer Schlange beigewohnt.
Die Erzählung von der Zeugung Alexanders durch eine göttliche Schlange fand auch Eingang in den Alexanderroman, der im Alexandria des 3. Jahrhunderts n. Chr., also erst ein halbes Jahrtausend nach der Zeit des Makedonenkönigs, verfasst wurde. Er beruht jedoch auf älteren Überlieferungen, die bis in die Zeit kurz nach dem Tod Alexanders zurückreichen.
Die Geschichte des Romans beginnt in Ägypten: Nektanebos, der ägyptische Pharao, muss vor barbarischen Armeen aus seiner Heimat fliehen. Der zauberkundige Mann kommt nach Makedonien und lässt sich dort als Orakelpriester nieder. Die makedonische Königin Olympias bittet ihn um Rat, weil sie fürchtet, von ihrem Mann Philipp verstoßen zu werden. Nektanebos bestätigt sie in dieser Furcht, prophezeit ihr aber, dass sie vom Gott Ammon einen Sohn empfangen werde. Dieser solle sie an ihrem Mann rächen. In der Nacht kommt jedoch nicht Ammon, sondern der schlaue Magier in Gestalt des Gottes mit einem Schlangenumhang bekleidet zu der schönen Königen. Dabei benutzt er eine Schlange als Vorbote, um sein Kommen anzukündigen. So getäuscht wird sie von ihm schwanger und gebiert einen Sohn. Es gelingt Nektanebos auch, Olympias Gemahl mit seiner Zauberkunst zu täuschen: Als dieser an der göttlichen Begattung seiner Frau zweifelt und sie wegen Untreue verstoßen möchte, erscheint der Magier in Gestalt einer Riesenschlange vor dem Königspaar und erweist Olympias seine Zuneigung. Durch diese Zauberei geblendet erkennt Philipp Alexander als Sohn des Gottes Ammon an.

Nektanebos in Schlangengestalt bei Olympias und vor dem königlichen Paar in einer mittelalterlichen Romanhandschrift, Utrecht 1450 (Bild Geheugen van Nederland).

In dieser Version der Zeugungsgeschichte ist Alexander also nicht der direkte Sohn des Gottes Ammon: Seine Mutter lässt sich vom zauberkundigen Nektanebos verführen. Doch auch wenn dies Alexander nicht zu einem Gottessohn macht, so erklärt diese Geschichte ihn doch zum Erben des legitimen Pharaos Ägyptens. An dieser Stelle wird der ägyptische Kontext der Romanerzählung deutlich: Die Behauptung, dass Alexander der Große in Wahrheit der Sohn des letzten Pharaos sei, rechtfertigt die griechische Fremdherrschaft über das Land am Nil. Sie verwandelt den Makedonenkönig und die ihm nachfolgenden Ptolemäer, die sich auf ihre Verwandtschaft zu Alexander beriefen, von fremden Eroberern zu legitimen Herrschern Ägyptens. Diese Frage war jedoch zur Zeit der Abfassung des Alexanderromans im 3. Jahrhundert n. Chr. schon vollkommen überholt: Ägypten war seit über zweihundert Jahren römische Provinz. Deshalb ist zu vermuten, dass der Roman an dieser Stelle eine ägyptische Erzählung aus der Zeit der ersten Ptolemäer aufgegriffen hat, als die Frage der Abkunft Alexanders noch von politischer Brisanz im Land am Nil war.

Augustus - ein zweiter Alexander

Die Zeugung durch eine Schlange als Zeichen göttlicher Abstammung fand auch Eingang in die römische Vorstellungswelt. Von Augustus sind zahlreiche Anekdoten bekannt, die ihn als Verehrer Alexanders des Großen zeigen: In Alexandria bezeugte er dem Gründer und Namensgeber der Stadt seine Ehren, indem er dessen Grabmahl besuchte und den Leichnam mit Blumen und einer goldenen Krone schmückte. Cassius Dio berichtet, Octavian, der junge Augustus, habe den toten Körper auch angefasst, wobei die Nase abgefallen sei. Ob die Geschichte wahr ist oder nicht - Cassius Dio schrieb über zweihundert Jahre nach den Ereignissen -, Octavians Besuch am Grabmahl verdeutlicht seine Achtung für den Makedonen. Auf das Angebot, auch die Leichname der Ptolemäer, der Dynastie, zu der auch Kleopatra gehört hatte, zu sehen, soll er brüsk erwidert haben: Er sei gekommen um einen König zu sehen, keine Leichen.
Eine Anlehnung Octavians an Alexander findet sich auch in seinem Siegel, nachdem er den Namen Augustus (der Erhabene) erhalten hat. Geleitschreiben, öffentliche Bekanntmachungen und Briefe siegelte er mit dem Abbild des Makedonenkönigs.
Im Angesicht dieser Identifikation mit Alexander dem Großen ist die Erzählung zu sehen, dass auch Augustus von einem Gott in Schlangegestalt gezeugt worden sei. Sueton berichtet in seiner Augustusbiographie unter Berufung auf einen gewissen Asklepias aus Mendes in Ägypten Folgendes:

 

Als Atia mitten in der Nacht zum Dienst am Gott ins Heiligtum des Apollon kam, ließ sie ihre Sänfte im Tempel abstellen und schlief ein, während all die anderen Matronen auch schliefen. Plötzlich kroch eine Schlange zu ihr herauf und verschwand nach kurzer Zeit wieder. Als sie erwachte, reinigte sie sich, als wenn sie mit ihrem Mann verkehrt habe, und sofort erschien ein Zeichen auf ihrer Haut vom Aussehen einer Schlange, das sie niemals entfernen konnte. Daher entsagte sie der Gewohnheit, in die öffentlichen Bäder zu gehen, für immer. Zehn Monate später wurde Augustus geboren und wurde daher als Sohn des Apollen gesehen.

 

Die Übertragung des Zeugungsmythos lässt sich durch mehrere Umstände des Augusteischen Zeitalters erklären. Zum einen hatte sich die Alexanderimitation schon unter den Feldherrn der späten Republik wie besonders Gnaeus Pompeius Magnus und Gaius Julius Caesar hoher Beliebtheit erfreut. In dieser Tradition stellte sich auch Augustus mit seiner Nachahmung Alexanders.
Zum anderen war die Schlangenzeugung Alexanders in den gebildeten Kreisen zur Zeit des Augustus bekannt. Livius, der unter dem Kaiser schrieb, berichtet über den republikanischen Feldherrn Scipio. Dieser habe den Anschein göttlicher Abkunft erregen wollen. Dazu habe er viel Zeit allein im Tempel auf dem Kapitol verbracht. Außerdem habe er die Verbreitung einer Legende gefördert, die besagte, dass auch seine Mutter im Bett mit einer riesigen Schlange gesehen worden war, die sie geschwängert haben soll. Livius führt diese Legende explizit auf den Sagenkreis um Alexander den Großen zurück.
Des Weiteren konnte sich Augustus nach der Konsekration des ermordeten Julius Caesar schon völlig zurecht als divi filius, als Sohn des Vergöttlichten, bezeichnen. Auch die Annahme des Ehrentitels Augustus rückte den Prinzeps in eine sakrale Sphäre. Dies verstärkte er noch dadurch, dass er als Wohnung ein Haus direkt neben dem Tempel des Apoll bezog. Aufgrund dieser Umstände war es kein großer Schritt mehr, Augustus als Sohn des Gottes zu begreifen.

Apollon mit Kithara, Fresko, Haus des Augustus, heute im Palatin Antiquarium in Rom, ca. 20 v. Chr.

Im Sinne des Mythos von der Schlangenzeugung Alexanders und des Augustus ist auch der umstrittene Bilderschmuck der Portlandvase im British Museum zu sehen. Diese gehört zu den Kameogläsern, die zur Zeit des Augustus gefertigt wurden. Im Falle des fraglichen Stückes wurde eine blaue Vase mit einer weiteren Schicht aus weißem Glas überzogen. In diese Schicht wurde in Kameentechnik der Bildschmuck geschnitten.
Die Portlandvase zeigt auf ihrer einen Seite eine lagernde Frau, bei der sich eine Schlange befindet. Über dem ungleichen Paar schwebt der Liebesgott Amor. Während ein junger Mann zu der Frau tritt, wird die Szene von einem bärtigen Mann beobachtet. Diese Szene hat unterschiedlichste Interpretationen angeregt. Im Kontext der Entstehungszeit ist jedoch zu vermuten, dass die Frau die Augustusmutter Atia zeigt, wie sie vom Gott Apoll in Schlangengestalt begattet wird. Der junge Mann kann als die menschliche Erscheinung des Gottes interpretiert werden, oder auch als der junge Augustus, das Ergebnis dieser Zusammenkunft. Der ältere Mann, der die Vereinigung von Frau und Schlange beobachtet, ist als Romulus-Quirinus, der mythische Gründer der Stadt Rom identifiziert worden. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass auf der Vase nicht nur die Zeugung des Augustus gezeigt werden sollte, sondern dass diese ganz im Sinne der Imitatio Alexandri mit der Erzählung der Empfängnis Alexanders verschmolzen worden ist. In dem bärtigen Mann ist dann Philipp II. von Makedonien zu erkennen, der, wie es Plutarch schildert, seine Frau beim Verkehr mit dem schlangengestaltigen Gott beobachtet. Die Vermischung der beiden Legenden zeigt sich auch in der Darstellung der göttlichen Schlange. Mit ihrem Kehlbart, den Ohren und dem Kopf, der an einen Hund erinnert, ist es keine normale Schlange, sondern eine Seeschlange, ein Ketos. Damit greift die Portlandvase wieder die Identifikation der Olympias mit der Nereide Thetis auf. Der Grund, warum sich die Portlandvase solange einer einfachen Interpretation entzogen hat, liegt darin, dass ihr Bildschmuck bewusst zweideutig angelegt ist: Sie verbindet die Legenden um die Zeugungen Alexanders und des Augustus miteinander, entsprechend der zeitgenössischen Alexandernachahmung des Prinzeps.

Ein Ausschnitt des Bildschmuckes der Portlandvase: Atia empfängt den Gott Apoll in Schlangengestalt, The British Museum, London.

 

Eine sehr ähnliche Schlangendarstellung findet sich auf einer Kamee, die 1574 aus dem Kölner Dreikönigsschrein gebrochen worden war und sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien befindet. Dieser so genannte „Ptolemäerkameo“ zeigt die Köpfe zweier Personen im Profil: eines Mannes und einer Frau. Der Helm des Mannes ist mit einer Schlange verziert, die mit ihrem Kehlbart an diejenige auf der Portlandvase erinnert. Traditionell wird diese Kamee, wie der Name schon sagt, Ptolemaios II. und seiner Gattin Arsinoe II. von Ägypten zugeschrieben. Mit Hinblick auf den Mythos von der Schlangenzeugung des Augustus lässt sich die Kamee aber auch als Doppelportrait des Prinzeps und seiner Mutter Atia interpretieren.

Ein Seeungeheuer, ein Ketos, als Propagandasymbol fand auch Eingang in den Reliefschmuck der Ara Pacis. Dieser Altar wurde im Jahre 9 v. Chr. zu Ehren des Kaisers Augustus auf dem Marsfeld in Rom geweiht.

Ein spätes Beispiel für diese Form der imitatio Alexandri findet sich in Bezug auf Galerius, der zwischen 305 und 311 als Augustus in der zweiten Tetrarchie den Osten des römischen Imperiums regierte. In diesem durch Kaiser Diocletian geschaffenen Herrschaftssystem wurde des Reich durch zwei Augusti und zwei Caesares verwaltet. Der anonyme Autor der epitome de Caesaribus berichtet, dass Galerius behauptet habe, seine Mutter sei wie Olympias von einer Schlange vergewaltigt worden. Auch der christliche Schriftsteller Laktanz, der in Galerius den Urheber der Christenverfolgungen unter Diocletian sieht, behauptet, dieser habe um der göttlichen Abkunft willen seine Mutter der Hurerei bezichtigt.

Der vergöttlichte Galerius auf einem follis, einer römischen Bronzemünze, seines Nachfolgers und Schützlings Licinus.

Epilog

Um das Jahr 150 n. Chr. machte ein gewisser Scharlatan von Paphlagonien in Kleinasien aus eine bemerkenswerte Karriere. Nach dem Zentrum des von ihm begründeten Kultes wird er Alexander von Abonuteichos genannt. Laut Lukian von Samosata, der ihn als Lügenprophet bezeichnet, hatte der ehemalige Lustknabe eine zahme Riesenschlange in Makedonien erworben. Diese hatte er mit einem künstlichen Kopf versehen, der dem eines Menschen ähnelte. Dieses Geschöpf präsentierte er den Bewohnern von Abonuteichos als neuen Orakelgott Glykon, angeblich ein Sohn des Apolls, und sich selbst als dessen Propheten. Laut Lukian habe er diese Stadt ausgesucht, weil er ihre Bewohner als einfältige und abergläubische Provinzler kannte. Sein Konzept ging auf: Zeitweise reichte sein Kult bis nach Rom, in den Donauraum und nach Syrien. Das Abbild des Gottes Glykon fand seinen Weg auf zahlreiche Münzen. Es gelang Alexander sogar, seine Tochter, von der er behauptete, dass er sie mit der Mondgöttin Selene gezeugt habe, mit dem einflussreichen römischen Magistrat Rutilianus zu verheiraten. Auch nach dem Tod Alexanders und trotz des negativen Bildes, das Lukian von ihm in seiner Schrift zeichnete, blieb sein Kult noch bis ins dritte Jahrhundert n. Chr. bestehen.

Münze des Clodius Albinus mit einer Abbildung des Orakelgottes Glykon auf der Rückseite, Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. (Bild Livius.org).

Lukian, der berichtet, dass er den neuen Gott selbst gesehen habe, beschreibt den Kopf des Glykon als menschengestaltig, anthropomorphon. Diese Aussage lässt sich jedoch anhand der Abbilder des Schlangegottes, die die Jahrhunderte überstanden haben, nicht bestätigen. Zwar können die langen Haare als menschenähnlich eingeordnet werden, die Form des Kopfes erinnert aber in keiner Weise an einen Menschen. Sie gleicht aber auch nicht dem Haupt einer normalen Schlange, sondern dem eines Hundes. Die Schädelform erinnert an die Seeschlangen der Nereiden, die Kete, wie sie z.B. auf der Portlandvase im Zuge der Schlangenzeugung Alexanders bzw. des Augustus dargestellt sind: Die Abbilder des Gottes Glycon orientieren sich an der Darstellung eines Schlangenwesens, die im Zusammenhang mit dem Namen Alexander kanonisch geworden war: der Schlange mit dem Ketoshaupt aus der Alexanderlegende. Diese Vermutung wird noch durch einen Schmuckstein erhärtet, der ein Bild des Heilgottes Asklepios, mit dem Glykon identifiziert wurde, zeigt (cf. Miron, 158). Diesem gegenüber steht eine Schlange, die in Bezug auf Körper und Kopf den Darstellungen des Schlangengottes frappierend ähnelt. Doch anstatt eines normalen Schlangenschwanzes ist der Schwanz eines Ketos zu erkennen. Wenn man Lukian in seiner Beschreibung des Glykon glauben kann, war die Wirkmächtigkeit dieser Darstellung so groß, dass sie sogar das reale Abbild des Gottes verdrängen konnte.

Statuette des Glykon, spätes 2. Jahrhundert n. Chr., Muzeul de Istorie Naţională şi Arheologie, Constanţa.

 

Empfohlene Literatur:

 

Miron, Auguste V.B.: "Alexander von Abonuteichos. Zur Geschichte des Orakels des Neos Asklepios Glykon" in: Wolfgang Leschhorn, Auguste V.B. Miron, Andrei Miron (Hg.): Hellas und der griechische Osten. Studien zur Geschichte und Numismatik der griechischen Welt. Festschrift für Peter Robert Franke zum 70. Geburtstag, Saarbrücken 1996, pp. 153-188.

 

Pfrommer, Michael: Alexander der Große. Auf den Spuren eines Mythos, Mainz am Rhein 2001.

 

Ross, D. J. A.: “Olympias and the Serpent: The Interpretation of a Baalbek Mosaic and the Date of the Illustrated Pseudo-Callisthenes” in: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, Vol. 26, No. 1/2 (1963), pp. 1-21.

 

Taylor, Lily Ross:"The Cult of Alexander at Alexandria" in: Classical Philology, Vol. 22, No. 2. (Apr., 1927), pp. 162-169.

 

Weippert, Otto: Alexander-Imitatio und römische Politik in republikanischer Zeit, Augsburg 1972.

 

 

Quellen:

 

 

Alexanders Zeugung:

Lukian, Alexander oder der Lügenprophet 7.

Plutarch, Alexander 2-3.

Pausanias, 4,14,7-8.

Ps.-Kallisthenes, 1-7.

 

 

Augustus - ein zweiter Alexander:

Cassius Dio Röm. Gesch. 51,16.

Sueton, Augustus 94.

Livius, 26, 19, 6-7.

Ps.-Aurelius Victor, epitome de caesaribus 40,17.

Laktanz, de mortibus persecutorum 9,4.

 

 

Epilog:

Lukian, Alexander oder der Lügenprophet passim.

 

 

 

 

Abbildungsnachweis:

 

 

Münze des Lysimachos mit dem gehörnten Abbild Alexanders auf der Vorderseite, Quelle: Wikipedia

 

Nereiden, die auf einem Seedrachen und einem Triton reiten auf dem 'Altar des Domitius Ahenobarbus', Glyptothek, München, Quelle: Wikipedia

 

Nektanebos in Schlangengestalt bei Olympias und vor dem königlichen Paar in einer mittelalterlichen Romanhandschrift, Utrecht 1450, Quelle: Geheugen van Nederland.

 

Apollon mit Kithara, Fresko, Haus des Augustus, heute im Palatin Antiquarium in Rom, ca. 20 v. Chr., Quelle: Wikipedia.

 

Ein Ausschnitt des Bildschmuckes der Portlandvase: Atia empfängt den Gott Apoll in Schlangengestalt, The British Museum, London, Quelle: Wikipedia.

 

Ara Pacis Augustae, Ara Pacis Museum, Rom, Quelle: Wikipedia.

 

Münze des Clodius Albinus mit einer Abbildung des Orakelgottes Glykon auf der Rückseite, ende des 2. Jahrhunderts n. Chr., Quelle Livius.org.

 

Der vergöttlichte Galerius auf einem follis, einer römischen Bronzemünze, seines Nachfolgers und Schützlings Licinus, Quelle: Wikipedia.

 

Statuette des Glykon, spätes 2. Jahrhundert n. Chr., Muzeul de Istorie Na?ional? ?i Arheologie, Constan?a, Quelle: Wikipedia.

 

 

 

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