Friedrich Adolph Riedesel Freiherr zu Eisenach (1738 - 1800)

von Wolfram Otte

 

 

Friedrich Adolph Riedesel Freiherr zu Eisenach war Generalleutnant im Dienste des Braunschweiger Herzogs Ferdinand. Er wurde am 3. Juni 1738 auf dem Schloss Lauterbach in Oberhessen als zweiter Sohn des Freiherrn zu Eisenach, Johann Wilhelm Riedesel (1705 - 1782) und dessen Frau Sophia von Brocke (1705 - 1769) geboren. Riedesel legte für einen jungen Mann, der ohne eine gute Vorbereitung und nur um den Wunsch seines Vaters gerecht zu werden, als 15 - jähriger ein Rechtsstudium begann, in seinem späteren Leben eine beachtenswerte militärische Karriere hin, die ihn nicht nur einmal eine weltweite Aufmerksamkeit einbrachte. So kämpfte Riedesel nicht nur im „Siebenjährigen Krieg“ (1756 - 1763), in dessen Verlauf er zum Rittmeister ernannt wurde und ihm bei Herzog Ferdinand eine besondere Wertschätzung einbrachte, sondern er führte auch die Braunschweiger Truppen als Oberbefehlshaber in den „Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg“ (1775 - 1783). Dem Wirken Riedesels und dessen Frau Friederike Charlotte (11. Juli 1746 – 29. März 1808), die übrigens den ersten Weihnachtsbaum nach Kanada brachte, wird noch heute in Kanada im Rahmen des Tages der „German Pioneers“ gedacht.

 

Im Alter von 17 Jahren trat Friedrich Adolph Riedesel schließlich in ein Infanterie Bataillon des Landgrafen von Hessen ein. Zu Zeiten in denen im eigenen Land Frieden herrschte, war es für die „deutschen Herrscher“ keine ungewöhnliche Handlungsweise ihre Truppen gegen Bezahlung vorüber-gehend unter den Befehl anderer Machthaber zu stellen. Ein Beispiel für einen Soldaten, dem dieses Schicksal zuteil wurde, war Friedrich Adolph Riedesel. Im Jahr 1755 ging Riedesel zusammen mit seinem Regiment nach London und stand unter englischem Oberbefehl. Die Engländer bedienten sich den hessischen und anderer „deutscher Truppen“ als Unterstützung ihrer eigenen Kräfte, da sie zu dieser Zeit die Landung der französischen Truppen auf den Britischen Inseln befürchteten. Riedesels erster Einsatz war von kurzer Dauer. So kehrte er mit seinem Regiment bereits nach zwei Jahren und zwar 1757 von London auf den Kontinent in seine Heimatstadt zurück. Noch im gleichen Jahr schloss sich Riedesels Regiment einer nahe Hannover stehenden Heeresabteilung an, deren Oberbefehlshaber Ferdinand, der Herzog von Braunschweig (9. Oktober 1735 – 10. November 1806) war. Friedrich Adolph diente unter Ferdinand im „Siebenjährigen Krieg“, in dem er ehrenhaft kämpfte und der ihm große Aufmerksamkeit einbrachte.

 

Als der Herzog im Verlauf des Krieges seinen Untergebenen auf trug ihm fähige, junge und unverbrauchte Offiziere zu nennen, wurde Riedesel von hessischer Seite empfohlen. Riedesel errang während seines Dienstes für den Herzog, aufgrund seiner Sorgfalt und Zuverlässigkeit dessen Vertrauen und auch Wertschätzung und wurde in den Rang eines Generalstabsoffiziers erhoben. Herzog Ferdinand übertrug Riedesel wichtige Aufgaben und eine große Verantwortung. So war auch Riedesel die Ehre zuteil geworden die Nachricht des Sieges bei Minden dem Hessischen Landgrafen (10. März 1682 – 1. Februar 1760) zu überbringen. Bei dieser Gelegenheit wurde Friedrich Adolph Riedesel, auf Initiative und Anraten des Braunschweiger Herzogs, vom Landgrafen Hessens zum Rittmeister befördert, dem ein Schwadron Husaren unterstand. Allerdings übernahm Riedesel nicht die Befehlsgewalt über die Husaren, da er seinen Dienst bei Herzog Ferdinand fortsetzte.

 

Im Jahr 1760 lernte Riedesel seine, damals erst 15 -jährige, spätere Frau Charlotte von Massow in Minden kennen. 1761 verabschiedete sich Friedrich Adolph aus den hessischen Diensten, da er bei einer Beförderung übergangen wurden war und diente fortan direkt dem Braunschweiger Herzog. Ferdinand verlieh Riedesel das Patent eines Braunschweiger Oberleutnants und unterstellte zwei Braunschweiger Regimente seinem direkten Befehl. Im Auftrag des Braunschweiger Herzogs kämpfte Riedesel in der Folgezeit unter anderem in einer Schlacht gegen die Franzosen, in deren verlauf er im August 1762 verwundet wurde. Friedrich Adolph wurde daraufhin zurück nach Minden geschickt , um sich zu erholen. Hier traf er Charlotte von Massow wieder, die ihn gesund pflegte.

 

Charlotte von Massow und Friedruich Adolph Riedesel heirateten im Dezember 1762 in Paderborn. Die Eheleute Riedesel erwarben ein Haus in Wolfenbüttel und lebten dort für ca. 13 Jahre in Ruhe und Frieden. Zu dieser Zeit wurde Riedesel Adjutant des Herzogs von Braunschweig und pendelte zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel. Riedesel und seine Frau wurden insgesamt neun Mal Eltern und davon während ihrer ersten Jahre in Wolfenbüttel fünf Mal. Leider erlebten sowohl ihr erstes Kind, ein Junge (Hermann), sowie auch ihre erste Tochter (Philippine) ihr erstes Lebensjahr nicht. Auguste, die zweite Tochter der Familie, starb 1805 am Alter von 34 Jahren. Der dritten und vierten Tochter, Friedericke (1774 - 1854) und Caroline (1776 - 1861), war hingegen eine große Lebensspanne vergönnt.

 

Allerdings hatte das behütete Leben in Wolfenbüttel für Riedesel und dessen Familie bald ein Ende. Im Januar 1776 erklärte sich der Herzog von Braunschweig bereit, wie viele andere Deutsche Fürsten auch, bereit die Engländer bei ihrem Kampf gegen ihre nach Freiheit und Unabhängigkeit strebenden Amerikanischen Kolonien zu unterstützen. Im Zuge dieser Vereinbarung entsandte der Braunschweiger Herzog 3964 Braunschweiger Jäger (Fußsoldaten) und 336 Dragoner (Kavalleristen), unter dem Oberbefehl von Generalmajor Friedrich Adolph Riedesel nach Nordamerika.

 

Die Braunschweiger Truppen begannen ihre Reise, die sie von Stade über Portsmouth nach Quebec (Kanada) führen sollte, am 18. März 1776. Als Riedesel am 1. Juni des gleichen Jahres mit seinen Soldaten Quebec erreichte, lag es eher im Interesse der Briten Kanada vor einer Invasion durch die Amerikanischen Streitkräfte zu schützen, anstatt ihre amerikanischen Kolonien wieder zurück zu erobern. So wurden Riedesels Truppen und ihr Kommandant bei der Verteidigung Kandas und der Vertreibung Amerika-nischer Invasionstruppen eingesetzt. Charlotte Riedesel folgte am 14. Mai 1776, kurz nach der Geburt ihrer vierten Tochter, ihrem Mann Friedrich Adolph, nach Nordamerika. Ihre Reise endete jedoch vorzeitig und unfreiwillig in England. Erst nach elf schweren Monaten gelang es der kleinen Familie England zu verlassen und ihre Reise nach Kanada fortzusetzen. Am 11. Juli 1777 erreichten sie Quebec und einige Tage später war die Familie Riedesel wieder vereint.

 

Im Verlauf des Krieges verschlechterte sich die Situation der Briten und ihrer Verbündeten rapide. Bei dem Versuch verlorenes Territorium zurück zu erobern, erlitten die vereinten britisch-deutschen Truppen schwere Verluste. Als die Briten im September 1777 bei Saratoga auf die Amerikanischen Truppen trafen, setzte sich der negative Kriegsverlauf für die Briten fort. Nachdem General Burgoyne Riedesels Rückzugsvorschläge ablehnte und die Schlacht fortsetzte, wurden seine Truppen wenig später von denen der Amerikaner eingekesselt. Am 17. Oktober 1777 bliebt Burgoyne nichts anderes übrig, als zu kapitulieren.

 

Riedesel und seine Famielie gerieten daraufhin, wie viele andere auch, in Kriegsgefangenschaft. Die Riedesels wurden zusammen mit den anderen Gefangenen zunächst nach Boston gebracht, hier blieben sie für etwa ein Jahr. Ihr Leben in Boston war relativ komfortabel. Es war ihnen sogar möglich Friedrich Adolphs vierzigsten Geburtstag mit einem Ball zu feiern. Kurz darauf, das heißt im Jahr 1778, wurden sie nach Virginia verlegt. Diese Zeit war mit vielen Einschränkungen und Unannehmlichkeiten verbunden. Nach dieser schweren Zeit, 1778, in Virginia konnte Riedesel 1779 mit seiner Familie in das von den Briten kontrollierte New York zurückkehren. In New York erhielt Riedesel den Rang eines Generalleutnants (1784) und seine fünfte Tochter „Amerika“ (1779-1840) wurde geboren. Riedesel kehrte für mehr als zwei Jahre zurück nach Quebec, wo er die deutschen Truppen organisieren sollte. Während seiner Zeit in Sorel (Kanada) wurde Riedesels Tochter „Canada” (1782) geboren, diese verstarb allerdings bereits einige Monate nach ihrer Geburt. Im August 1783 verließ Riedesel Kanada endgültig und segelte mit seiner Familie nach London, wo er dem König persönlich Bericht erstattete. Als Riedesel schließlich im Oktober 1783 Braunschweig erreicht, war er einer von 2400 überlebenden Braunschweiger Soldaten, die aus dem Unabhängigkeitskrieg zurückkehrten. Im April des Jahres 1785 wurde Riedesel, achtes Kind, sein Sohn Georg (1785 - 1854) geboren, drei Jahre später folgte sein letztes Kind, die Tochter Charlotte (1787 - 1848).

 

Riedesels letzter großer Feldzug führte ihn in die Niederlande, wo er auf Geheiß des Braunschweiger Herzogs den Erbstatthalter der Niederlande unterstützen sollte. Ende April 1788 traf Riedesel mit seinen Truppen in Maastricht ein, wo diese auch bis 1793 blieben. Riedesel selbst musste Maastricht allerdings häufig, aufgrund diverser Krankheiten verlassen. Nach dem Ende des Braunschweiger Engagements in den Niederlanden 1793 wurde er zum Kommandanten von Braunschweig ernannt. Diesen Posten übte er bis zu seinem Tod am 6. Januar 1800 in Braunschweig aus.

 

Riedesels Wirken wird auch nach seinem Tod weltweit gewürdigt. Hier muss der “German Pioneers Day” besonders erwähnt werden. An diesem Tag wurden und werden noch heute, die Leistungen Deutscher, für den kanadischen Staat, geehrt. Allerdings wird im Rahmen dieser Veranstaltung nicht nur der Verdienste Riedesels selbst gedacht, auch seine Frau Charlotte erhält bei dieser Gelegenheit eine angemessene Würdigung. Es war nämlich Riedesels Frau, die während ihrer Zeit in Sorel (Kanada) den ersten Weihnachtsbaum auf dem Amerikanischen Kontinent aufstellte und somit eine lange Tradition begründete. Friedrich Adolph und Charlotte Riedesel – Braunschweiger Bürger und ein Teil der Weltgeschichte.