Franz Trinks und seine Franz Trinks und seine weltberühmte „Brunswiga“

von Tatjana Schäfer

 

Die Brunswigaabteilung im Landesmuseum Braunschweig bietet nicht nur einen großen Einblick in die historische Entwicklung der Rechenmaschine, sondern erinnert auch an einen für Braunschweig und die Welt bedeutenden Mann, welchem die damalige braunschweigische Firma „ Brunsviga“ ihre Erfolge verdankte. Der Ingenieur Franz Trinks, auf dessen Initiative hin übrigens, auch diese umfangreiche Sammlung von Rechenhilfsmitteln und Rechenmaschinen entstand, entwickelte die von Wilhelm Schickard bereits im Jahr 1623 erfundene mechanische Rechenmaschine weiter und ließ die Firma „Brunswiga“ nach 66 Jahren Produktion mit 80 Typen von Rechenmaschinen glänzen.

Franz Trinks wurde am 9. Juni 1852 in Helmstedt geboren und besuchte dort auch das Gymnasium.

 

Nach einem erfolgreichen Schulbesuch, welchen Trinks mit einem Abitur hinter sich ließ, machte er sich auf zur Handelsakademie in Hildesheim. Nach dem Abschluss der Ausbildung und mit kaufmännischem Wissen ausgerüstet, nahm er ein Studium des Maschinenbaus an der Technischen Hochschule Hannover auf. Die Lehrtätigkeit öffnete Trinks, dem Maschinenbauingenieur am 1. 8. 1883 bei der braunschweigischen Firma Grimme, Natalis u. Co., Kommanditgesellschaft auf Aktien, damals ein Nähmaschinenvertrieb, eine Tür, durch welche er zunächst als Betriebsdirektor eintreten durfte. Er wurde damit der Nachfolger des am 2. Juli 1883 verstorbenen Carl Grimme. Bereits am 1.4.1884 wurde er neben Albert Natalis persönlich haftender Gesellschafter, und blieb dies schließlich bis 1921. 1922 wurde Trinks von der Technischen Hochschule Braunschweig die Ehrendoktorwürde verliehen. Nach einem erfüllten Leben starb er am 2.10.1931 in Braunschweig.

 

Trinks` Besuch im März 1892 einer Tagung deutscher Nähmaschinen-fabrikanten sollte einiges für die Firma GNC( = Abkürzung für Grimme Natalis und Co) verändern. Dort bot ihm die Firma Königsberger & Co., St. Petersburg die Patente und Vertriebsrechte für die „Odhner"-Rechen-maschinen, für Deutschland, Belgien und die Schweiz an. (Willgodt Theophil Odhner war ein schwedischer Ingenieur, der die Sprossenrad-Rechenmaschine entwickelte) Nachdem sich Trinks in Hamburg bei einer Tagung von der Qualität der Odhner- Rechenmaschine überzeugen ließ, setzte er vor dem Aufsichtsrat seiner Firma, trotz dessen Misstrauen und Widerstände durch, dass die ihm angebotenen Patente erworben wurden. Er argumentierte folgendermaßen: „wenn schon eine Schreibmaschine, die nur dazu dient, körperliche Arbeit zu verringern, ein unabsehbares Absatzgebiet gefunden hat, wie wohl eher die zeitersparende Rechenmaschine, die anstrengende Kopfarbeit durch mechanische Kurbeldreher ersetzt“. Aus dieser Idee bildete sich später auch das Markenzeichen für die Rechenmaschine, der Werbespruch „ Gehirn von Stahl“. Die Patente waren der Firma GNC gegen 10 000,00 RM und zuzüglich 10,00 RM Lizenz für jede verkaufte Maschine gegeben. Daneben kamen weitere Kosten für Spezialwerkzeuge, Maschinen und Fabrikationsstätten hinzu. Es war also ein kostenspieliger und risikofreudiger Schachzug von Trinks, der sich in der Zukunft auszahlen sollte. Unmittelbar nach Unterzeichnung des Lizenzvertrages im April 1892 konnte mit dem Nachbau der Odhner- Maschine begonnen werden.

 

 

Bereits im Juli 1892 konnte die erste Rechenmaschine unter dem Namen „Brunsviga" für 150 Mark geliefert werden und wurde noch im selben Jahr auf der Weltausstellung in Chicago von Deutschland ausgestellt, welches hauptsächlich der Werbestrategie diente . Auf der 33. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingeneure in Hannover am 29. August 1892 stellte Franz Trinks in einem Vortrag die „neue Rechenmaschine Brunsviga"(Abb.1.), die erste in Deutschland hergestellte Sprossenradmaschine vor und fand dabei allgemeine Zustimmung: „Das Bestreben der Techniker, eine brauchbare Rechenmaschine herzustellen, ist nicht neu. Doch sind nur wenige der ersonnenen Konstruktionen berufen gewesen, über die Versuchsstufe hinauszugelangen. Diese Tatsache hat ihren Grund darin, daß entweder die Konstruktionen zu breit angelegt waren und daher die Maschinen zu teuer, zu schwer und zu unhandlich ausfielen, oder darin, daß sie zu unvollkommen waren. Dagegen erscheint die neue Rechen-maschine: Brunsviga, eine Erfindung des Mechanikers W.D. Odhner in St. Peters-burg, berufen zu sein, alsbald Gemeingut des rechnenden Publikums werden zu sollen, weil sie sich bei unbedingter Zuverlässigkeit vor anderen Konstruktionen durch geringes Gewicht, Handlichkeit und sehr billigen Preis vorteilhaft auszeichnet. Diese Maschine ist das Ergebnis einer fünfzehnjährigen geistigen Tätigkeit und, wie die vorliegenden Erläuterungen dartun werden, eine in konstruktiver Richtung höchst anerkennenswerte Leistung, bei welcher sowohl die einzelnen Konstruktionselemente als auch ihr Zusammenwirken mit viel Geschick angeordnet und gegen Abnutzung gesichert ist."

 

Die Firma konzentrierte sich schon sehr bald nicht nur auf den Nachbau der Odhner- Maschine, sondern begann mit konstruktiven Arbeiten an der Maschine, woraus unterschiedliche Modelle hervorgegangen sind, um schließlich den Kundenwünschen gerecht zu werden. Zu den Verbesserungen gehörte unter anderem der Einbau von Sicherungen, wie ein Sperrensystem, das eine fehlerhafte Bedienung verhindern konnte. Auch brachte man Vorrichtungen an, damit die Kurbel immer vollständig gedreht wurde, da sonst ein falsches Ergebnis angezeigt werden konnte. Die Rechenmaschinen wurden, wie die zuvor hergestellten Nähmaschinen, ohne Vorbestellung in großen Stückzahlen industriell gefertigt und waren ein so großer Erfolg, dass GNC schon nach wenigen Jahren nur noch Rechenmaschinen herstellte. Trinks entwickelte in mehr als 30 Jahren zweiundzwanzig Brunsviga-Modelle: A, B, C, D, F, G, H, K, J, JA, Arithmotyp (1908 - erste druckende 4-Spezies-Maschine der Welt), M, MA, MR, M24, MD, Trinks-Triplex, MDIIR, MH, MJ, MJR und N. Dabei handelte es sich nicht nur um Weiterentwicklungen der ursprünglichen Odhner- Rechenmaschine, sondern durchaus auch um technische Innovationen, wie z.B. der „Trinks- Arithmotyp“, welche mit einer Druckvorrichtung und einem Rückübertragungsmechanismus versehen war. Des Weiteren sei auf die „Trinks- Triplex“- Maschine verwiesen, die durch partielle Löschung im Resultatwerk sowohl als einfache Maschine als auch als Doppelmaschine genutzt werden konnte.

 

Da der Markt für Rechenmaschinen noch zu Beginn der Brunswigaproduktion in Deutschland nicht erschlossen war, konzentrierte sich die Firma GNC vorwiegend auf das Ausland. Dabei nutzte man das weltverzweigte Vertriebsnetz, das bereits als Grundlage durch die Erfahrungen des Nähmaschinenexportes von Grimme, Natalis und Co. geschaffen war. Man versuchte neue Marketingkonzepte zu schaffen, um einen Markt für Rechenmaschinen in Deutschland zu schaffen und den ausländischen Absatzmarkt auszudehnen. So ist die Brunsviga-Story dadurch gekennzeichnet, dass gleichzeitig mit der Aufnahme der Rechnerproduktion auch eine Werbestrategie einsetzte. Man setzte neben der Werbung jedoch auch auf Beratung und Kundenbetreuung, welche auf unterschiedlichen Leistungsversprechen aufbauten. Die Werbung bediente sich hauptsächlich Veröffentlichungen von Anzeigen und Aufsätzen in Zeitungen und Zeitschriften. Die Vorzüge, welche mit der Brunsviga versprochen wurden, lauteten: Keine Überanstrengung! Keine Fehler! Keine Kopfarbeit! Kein Zeitverlust! Diese Motive wurden jahrzehntelang in Prospekten und Broschüren wiederholt. Damit die Werbung ihre Wirkung effektiv entfalten konnte, wurde sie durch ein expansives Vertriebssystem und entsprechende Benutzerberatungen und – schulungen unterstützt. So bestanden 1905 insgesamt 40 Depots oder Hauptverkaufsstellen. Die Firma GNC hatte somit Handelskontakte mit den wichtigsten Ländern auf allen fünf Erdteilen. 1931 gab es ausländische Vertretungen in 92 Städten. In Deutschland wurde neben dem dichten Netz von Verkaufsvertretungen auch eine große Anzahl von Reisevertretern eingesetzt, die jeweils ein bestimmtes geographisches Gebiet zugewiesen bekamen und dort Kundenberatung und Werbung betrieben. Potentielle Käufer wurden über Telefonbuchadressen gezielt ausgesucht und angeschrieben. Mit dem Verkauf der Rechenmaschinen wurde der Kontakt zu den Kunden fortgesetzt. Der Kundendienst ermöglichte es, dass jeder „Brunsviga"-Besitzer bei Mängeln oder Schwierigkeiten von einem Vertreter aufgesucht werden konnte. Diese besorgten auch betriebliche Mitarbeiter-schulungen bei den Kunden, sowohl die Einführung neuer Mitarbeiter in die Arbeit mit vorhandenen Rechenmaschinen, als auch die Nachschulung bei neuen Rechnermodellen. Für die Vertreter gab es eine vierzehntägige zentrale Einführung in Braunschweig, die fortgesetzt wurde mit einem ebenso umfangreichen Programm bezogen auf verschiedene Anwendungen z.B. im Versicherungswesen, für Baufirmen oder auch Molkereien u.ä. Die Folge von Werbung, Beratung und Schulungen war, dass sich „Brunsviga" als Markenname so gut durchsetzte, dass er geradezu zum Synonym für „Rechenmaschinen" wurde. Brunswiga hatte einen weltweiten Absatzmarkt. Das Markenzeichen für die Rechenmaschine Brunswiga „ Gehirn von Stahl“ war in den unterschiedlichsten Ländern bekannt . Brunswiga hatte außer in den deutschen Sprachgebieten, auch in englischen, französischen, holländischen, spanischen und portugiesischen Sprachgebieten einen Absatzmarkt. Des Weiteren hatte Brunswiga einen erheblichen Anteil an dem ungarischen, norwegischen, schwedischen, polnischen, italienischen, dänischen, japa-nischen, türkischen, bulgarischen, jugoslawischen, finnischen, rumänischen, tschechoslowakischen, griechischen und russischen Rechen-maschinenmarkt.

 

Den entscheidenden Anteil am Welterfolg der Rechenmaschinen verdankte die „Brunswiga“ nicht nur ihrer ständigen Verbesserungen und Erneuerungen, sondern hauptsächlich den Taten des erfinderischen, technisch- begabten und ideenreichen Franz Trinks. . .