Die Öffnung der innerdeutschen Grenze 1989





Das Jahr 1989 brachte auch für die Region Braunschweig einschneidende Veränderungen. Während sich viele Menschen mit der Lage der Stadt so nah an der innerdeutschen Grenze, und somit direkt am “Eisernen Vorhang”, abgefunden hatten und die Wiedervereinigung als Hirngespinst sogenannter “Ewiggestriger” abgetan wurde, rückten der Nachbarstaat und die Probleme seiner Bürger schlagartig wieder ins Bewusstsein auch der Braunschweiger.



Die DDR-Bürger machen mobil

Die Mauer wird geöffnet

Ausflüge nach Blankenburg



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Die DDR-Bürger machen mobil

Ende 1988 noch hatte Erich Honecker auf einer Tagung des Zentralkomitee der SED Reformen für die Deutsche Demokratische Republik zurückgewiesen und einen eigenen Weg zum Sozialismus propagiert.  Kein halbes Jahr später, am 2. Mai 1989, begannen ungarische Grenzsoldaten jedoch damit, Bürger der DDR nach Österreich zu entlassen. Im Sommer waren es schon 150 Menschen pro Tag, die die DDR verließen, um nach Ungarn zu gelangen oder in den Botschaften der Bundesrepublik in Budapest, Warschau oder Prag Zuflucht zu suchen. Tausende flohen in den Westen, während in Ost-Berlin der 28. Jahrestag des Mauerbaus gefeiert wurde und Reformen abermals abgelehnt wurden. In Leipzig begannen die Montagsdemonstrationen, an denen sich Zehntausende beteiligten und auf denen bald offen die Wiedervereinigung gefordert wurde. Im Oktober, auf der Feier zum 40jährigen Bestehen der DDR, riet sogar Michail Gorbatschow zu Reformen und endlich am 18. Oktober traten Erich Honecker und andere Mitglieder der Regierung zurück. Bis zum November hatten 225.000 DDR-Bürger das Land Richtung Westen verlassen.



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Die Mauer wird geöffnet

Am 9. November 1989 wurde die Grenze der DDR zum ersten Mal geöffnet. So war auch die Region Braunschweig mit ihrem Autobahnkontrollpunkt Helmstedt/ Marienborn direkt betroffen: Ab 21.30 Uhr fuhren einige Helmstedter zum Kontrollpunkt; als sich die Grenze tatsächlich öffnete, wurden es immer mehr. Bald standen 400 Bundesbürger aus dem Braunschweiger Umland und sogar aus Hannover am Straßenrand und betrachteten staunend, wie die ersten “Trabis” die Grenze passierten. Die Menschen aus der DDR fuhren unter dem Knallen von Sektkorken und unter den Blicken begeisterter Zuschauer in die Bundesrepublik ein. Sogar der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht fuhr an die Grenze um sich von dem historischen  Augenblick einen Eindruck zu verschaffen.

In den folgenden Monaten hielt es nur wenige Menschen in der Region Braunschweig zu Hause: Sonnabends und Sonntags wurde die Familie eingepackt und man fuhr an die Grenze. Während in den ersten Tagen die Züge der Wartburgs und Trabis in langen Schlangen über Autobahnen und Dörfer rollten, waren es bald auch die Braunschweiger, die die Wochenenden nutzten, um einen Ausflug in das Nachbarland zu unternehmen.



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Ausflüge nach Blankenburg

Endlich konnten die Menschen wieder zusammenkommen in dieser Region, die doch durch ihre gemeinsame Geschichte so eng verbunden war: Die Wolfsburger besuchten Gardelegen und die Altmark, die Braunschweiger entdeckten den Ostharz und Blankenburg als alte Gebiete des Herzogtums wieder.

Am 18. Mai 1990 schlossen die Bundesrepublik und die DDR einen Staatsvertrag über eine Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion und am 03. Oktober trat die Deutsche Demokratische Republik der Bundesrepublik bei -wie es im Grundgesetz seit 1949 vorgesehen war. Deutschland war nach 55 Jahren wiedervereinigt.

Braunschweig wurde mit einem Schlag von der Stadt am Zonenrandgebiet zur Mitte Deutschlands. Die folgenden Jahre brachten Entbehrungen, die bis heute nachwirken, trotzdem beflügelte die Wiedervereinigung die ganze Region, die im Rahmen der EU-Osterweiterung bald von der Mitte Deutschlands in die Mitte Europas aufrücken wird.





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