Friedensverhandlungen

Mit dem Abschluß des Vorfriedensvertrages von Versailles am 26. Februar 1871 war der Krieg noch nicht beendet, denn die anschließend in Brüssel beginnenden Verhandlungen zu den endgültigen Friedensbedingungen, zum sogenannten Definitvfrieden, verliefen schleppend. Der Zeitpunkt und das Ergebnis eines Definitivfriedens waren fraglich, so daß die Kriegsbeendigung zeitweise gar als fast unlösbares Problem erschien.

Ziel Bismarcks (Link zum Personenregister) war eine möglichst schnelle Ratifizierung eines definitiven Friedensvertrages. Die französische Regierung hingegen forderte die Abmilderung der Friedensbedingungen. Großen Einfluß auf diese Verhandlungen hatte der am 18. März 1871 ausgebrochene Aufstand der Kommunarden (Link: Commune-Aufstand) in Paris: In den ersten vier Wochen nach dem Aufstand unterstützte Bismarck die vertriebene Regierung Thiers (Link zum Personenregister) in Versailles, da mit ihr der Präliminarfrieden ausgehandelt worden war und sie ein Garant für die noch ausstehenden Entschädigungszahlungen zu sein schien. Bismarck war sogar zu Zugeständnissen, wie etwa der Vergrößerung der französischen Armee, bereit und förderte den schnellen Rücktransport der Kriegsgefangenen nach Frankreich.

Mitte April verlor Bismarck jedoch die Geduld, da er befürchtete die französische Regierung spiele nur auf Zeit, um später aus einer gestärkten Position heraus für sich bessere Friedensvertragsbedingungen aushandeln zu können. Bismarck bemängelte das Stagnieren der Brüssler Friedensverhandlungen. Da er Zweifel an der Erfüllung der Vertragsbedingungen bekam, versteifte sich auch seine Haltung gegenüber der Regierung Thiers (z. B. Stopp des Gefangenen-Rücktransports).

Als Konsequenz nahm er offiziell Kontakt zu der Commune auf und schloß sie nicht mehr als Faktor zur Erreichung seines primären Ziels, dem Friedensschluss, aus. Somit stimmte er auch nicht in die öffentlichen Verurteilungen der Communarden ein und war zu beiden Seiten hin offen. Die Thiers-Regierung sah sich also unter Druck gesetzt, da ihre Autorität in Frage gestellt wurde. Da nicht mehr sicher war, mit wem es zum Definitivfrieden kommen würde, wurde der Friedensschluß schwieriger.

Als die französische Regierung Bismarcks Umschwenken bemerkte, gab sie ihren Widerstand gegen die Bestimmungen des Präliminarfriedens auf und lenkte ein. Die durch den Aufstand hervorgerufene innenpolitische Krise entzog der französischen Regierung (unfreiwillig) nach und nach den Boden für ihre Revisionspolitik. Angesichts der Aussicht auf einen definitiven Friedensschluss stellte sich Bismarck schließlich wieder auf die Seite der Regierung Thiers.

 

Am 10. Mai 1871 schließlich wurde der endgültige Friedensvertrag in Frankfurt beschlossen. Er bestätigte im wesentlichen den Vorfriedensvertrag: Für Frankreich gab es territorial keine wesentlichen Verbesserungen und auch finanziell blieb alles beim alten. Das Zahlungs- und Räumungsverfahren wurde sogar verschärft.

 

Rückblickend brachte der Waffenstillstand den entscheidenden Durchbruch zum Frieden. Aber erst durch den Commune-Aufstand wurde die Verhandlungsposition der französischen Regierung so deutlich geschwächt, daß Bismarck letztendlich als Nutznießer hervorging.