Ein Aufstand und ein Friedensschluss

 

Auf die Kapitulation der Stadt Paris folgte in Versailles die Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens am 28. Februar durch Bismarck und Favre. Am 8. Februar fanden daraufhin in Frankreich im Hinblick auf die ausstehenden Friedensverhandlungen Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung statt, bei der die Anhänger der Monarchie die Mehrheit erzielten. Die neugewählten Volksvertreter traten am 13. Februar zusammen und wählten Adolphe Thiers zum ersten Präsidenten der Dritten Republik. Außerdem ermächtigten sie die französischen Unterhändler , auch unter erheblichen Zugeständnissen an die deutschen Forderungen diesen Krieg zu beenden. So konnte am 26. Februar nach zähen sechstägigen Verhandlungen in Versailles ein Präliminarfrieden (Vorfrieden) zwischen Frankreich und dem deutschen Reich beschlossen werden, bei dem sich beide Seiten auf die für Frankreich demütigenden Bedingungen einigten, die als Grundlage für die im März in Brüssel beginnenden Verhandlungen über einen endgültigen Friedensschluss dienen sollten. Zwar verzichtete Bismarck auf die ursprünglich geplante Annexion Belforts und folgte auch dem Wunsch der Franzosen, von einem offiziellen Einmarsch der siegreichen deutschen Truppen in Paris Abstand zu nehmen, doch setzte er die Abtretung des Elsass und großer Teile Lothringens sowie eine von 6 auf 5 Milliarden Franc reduzierte Zahlung als Kriegsentschädigung durch. Warnungen, dass die geforderten Gebietsabtretungen Revanchegedanken stärken würden, versuchte Bismarck zu entkräften: "Die einzig richtige Politik ist unter solchen Umständen, einen Feind, den man nicht zum aufrichtigen Freund gewinnen kann, wenigstens etwas unschädlicher zu machen". (Quellenlink)

 

Obwohl die Bedingungen für den endgültigen Friedensvertrag bereits ausgehandelt worden waren, zogen sich die Verhandlungen in Brüssel in die Länge -- sehr zum Ärger Bismarcks, der eine schnelle Sicherung der Vereinbarungen anstrebte. Die französischen Vertreter waren bemüht, die als zu hart empfundenen deutschen Forderungen in ihrem Sinne weiter abschwächen zu können. Hierbei hofften sie auf diplomatische Unterstützung aus dem Ausland, vor allem aus Großbritannien, wo die Regierung die Bedrohung des kontinentalen Gleichgewichts durch ein derart gestärktes Deutsches Reich befürchtete.

Ob die französischen Erwartungen sich erfüllt hätten, bleibt eine offene Frage, denn parallel zu den Friedensgesprächen brach am 18. März in Paris der Aufstand der Communarden aus. Er sollte großen Einfluss auf deren Ausgang haben. Da große Teile der Pariser Bevölkerung mit der vor allem aus dem Krieg resultierenden mangelnden Versorgungslage und der Verschlechterung der Lebensumstände unzufrieden waren, kam es im März in der Hauptstadt zu einer Revolution. Dabei konnte die Commune auf den militärischen Beistand der Pariser Nationalgarde zählen, die sich heftige Gefechte mit den Regierungstruppen lieferte. Auf diese Weise gelang es ihr, das Pariser Stadtgebiet vollständig unter ihre Gewalt zu bringen. In den 72 Tagen, in denen die Commune bestand, versuchte ihr gewählter Rat seine Vorstellungen eines sozialgerechten Miteinanders durch diverse Maßnahmen zu verwirklichen, wie z. B. die Ersetzung des republikanischen Staatsapparates und des stehenden Heeres, zeitweiliger Mietenerlass sowie eine strikte Trennung von Staat und Kirche. Allerdings konnte sich die Kommune nicht über die Grenzen Paris' hinaus etablieren und wurde auch in Paris bald in der sogenannten 'Blutwoche' vom 21. bis zum 28. Mai niedergeschlagen.

 

Trotz ihres nur kurzen Bestehens bot die Commune Bismarck entscheidende taktische Möglichkeiten, die stagnierenden Friedensverhandlungen zu beschleunigen, so dass er letztendlich gegen den französischen Widerstand doch seine Vorstellungen durchsetzen konnte. Am 10. Mai wurde in persönlichen Verhandlungen zwischen Bismarck und Favre der Frankfurter Friede geschlossen, der im wesentlichen die Bestimmungen des Vorfriedens beinhaltete. Der deutsch- französische Krieg war somit offiziell beendet und in nicht wenigen Städten des deutschen Reiches wurde der Kriegsausgang mit verschiedenen Festakten begangen. In Berlin fand am 16. Juli eine gut durchgeführte Siegesparade statt, die nach dem Willen der Organisatoren auch eine symbolische Bedeutung haben sollte. Obwohl sie auch als Zeichen für die endgültige Beendigung des Krieges stehen sollte, hatte dieser dennoch eine weitreichende Nachgeschichte.

 

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